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Mujinga Kambundji of Switzerland, left, Ajla Del Ponte of Switzerland, center, and Shericka Jackson of Jamaica, right, line up at the start of the women's 100 m final at the 2020 Tokyo Summer Olympics Games in Tokyo, Japan, on Saturday, July 31, 2021. (KEYSTONE/ATHLETIX.CH/Ulf Schiller)

Kaum zu glauben: zwei Schweizerinnen in einem Olympia-Final über 100 m. Bild: keystone

Kambundji, Del Ponte und der Traum einer Staffel-Medaille

Mit den zwei Diplomen über 100 m sprinten Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji in neue Dimensionen. Dass die Schweiz dereinst zu einer der weltbesten Sprint-Nationen avancieren würde, glaubte niemand – ausser die Athletinnen selbst.



Der 31. Juli 2021 ging mit den Olympiasiegen von Nina Christen und Belinda Bencic sowie der Bronzemedaille von Noè Ponti in die Schweizer Sportgeschichte ein.

Mindestens so wertvoll an diesem verfrühten Nationalfeiertag waren der 5. und 6. Platz von Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji über 100 m. In der Königsdisziplin der Leichtathletik, den beiden wichtigsten der 339 Events an Olympischen Sommerspielen, war die Schweiz erstmals vertreten – und dies gleich doppelt.

Mujinga Kambundji of Switzerland finishes the final of the women's 100 m race in rank six at the 2020 Tokyo Summer Olympics Games in Tokyo, Japan, on Saturday, July 31, 2021. (KEYSTONE/ATHLETIX.CH/Ulf Schiller)

Im Windschatten von Mujinga Kambundji entwickelte sich Ajla Del Ponte zur Schweizer Rekordhalterin. Bild: keystone

Trotz des leisen Ärgers über ihre Final-Zeit von 10,99 und die teaminterne Niederlage empfand Mujinga Kambundji auch eine grosse Genugtuung. «Es ist nicht lange her, da hat es geheissen, wir Schweizer hätten im Sprint sowieso keine Chance.» Niemand habe geglaubt, dass man ähnlich schnell laufen könne wie die Athletinnen der grossen Sprint-Nationen aus der Karibik oder Nordamerika. «Richtig ernst genommen wurden wir nie, deshalb war die Staffel so wichtig.»

Zum Aushängeschild erkoren

Im Final von Tokio, dem schnellsten in der Olympia-Geschichte, stellte Swiss Athletics als einzige Nation neben Dominator Jamaika zwei Athletinnen. «Es war ein langer Weg hierher», sagte Kambundji. Ein Weg, den sie geebnet hat. Mit den Rängen 4 und 5 war die Bernerin 2014 an den Heim-Europameisterschaften in Zürich ins Rampenlicht gesprintet.

Mit ihrer erfrischenden Art eroberte sie die Gunst des Publikums und wurde zum Gesicht einer neuen Generation, welche der Schweizer Leichtathletik eine bessere Zukunft versprach, nachdem diese eine jahrelange Talsohle durchlaufen hatte.

ARCHIV - ZUM JAHRESRUECKBLICK 2019 - SPORT STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Bronze medal Mujinga Kambundji from Switzerland celebrates during the women's 200 meters final at the IAAF World Athletics Championships, at the Khalifa International Stadium, in Doha, Qatar, Wednesday, October 2, 2019. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Eingewickelt in eine Schweizer Fahne: Kambundji feiert 2019 den Gewinn von WM-Bronze über 200 m. Bild: KEYSTONE

2016 in Amsterdam holte Kambundji mit EM-Bronze über 100 m die erste Medaille. Drei weitere folgten an internationalen Titelkämpfen, wobei die bronzene Auszeichnung über 200 m an den Weltmeisterschaften 2019 in Doha herausragt. Als erste Schweizerin durchbrach Kambundji auch die Schallmauer von elf Sekunden.

«Mujinga hat uns die Türe geöffnet»

2015 habe sie erstmals gespürt, dass das Erreichen der Weltspitze keine Utopie ist. «Aber es braucht dann eben doch noch viel – und bei mir hat es dann auch noch ein paar Jahre gedauert», sagte Kambundji. Manchmal brauche man auch das nötige Wettkampfglück. Dieses hatte ihr in Doha über 100 m gefehlt, als sie als Neunte wegen fünf Tausendstel ihren ersten grossen Final noch knapp verpasste.

Ajla Del Ponte, of Switzerland, reacts after a heat in the women's 100-meter run at the 2020 Summer Olympics, Friday, July 30, 2021, in Tokyo. (AP Photo/Martin Meissner)

Die Tessinerin Del Ponte lief im Vorlauf mit 10,91 s neuen Landesrekord. Bild: keystone

«Mujinga hat uns die Türe geöffnet», sagte Ajla Del Ponte. «Sie hat gezeigt, dass man auch als Schweizerin Medaillen gewinnen und unter elf Sekunden laufen kann.» Im Sog von Kambundji entwickelte sich die 25-jährige Tessinerin im von der Corona-Pandemie überschatteten letzten Jahr Schritt für Schritt zu einer Sprinterin von internationalem Format.

Der historische Hunderter von Tokio. Video: SRF

Dass sie nun in der Weltklasse angekommen ist, konnte Del Ponte nach ihrem 5. Platz in 10,97 fast nicht glauben. 2012 hatte sie den Olympia-Final als Teenager im Fernsehen verfolgt, nun schaffte es sie am Samstagabend im Olympiastadion von Tokio als erste Schweizerin überhaupt, in einen solchen einzuziehen, bevor es ihr Kambundji wenige Minuten später gleichtat.

Was liegt mit der Staffel drin?

«Als junge Athletin war es immer das grosse Ziel, ein Teil der Staffel zu sein», sagte Del Ponte. Die ersten Einzelrennen kamen, dann die ersten Halbfinal-Qualifikationen, und im Frühjahr an der Hallen-EM in Torun die erste Goldmedaille. «Ich hoffe, ich kann damit die nächste Generation ähnlich inspirieren, wie ich inspiriert worden bin.»

Alle Schweizer Medaillen-Gewinner bei Olympia 2020 in Tokio

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Dank dem Schweizer Rekord von 10,91 im Vorlauf und Platz 5 im Final ging Del Ponte als klare Punktsiegerin aus dem Schweizer Duell hervor. Ob es mittelfristig zur Wachablösung kommen wird, wird sich weisen, zumal Kambundji nach eigenem Empfinden ihr Potenzial nicht voll ausgeschöpft hat.

Für den Schweizer Sprint sind das rosige Aussichten, die bereits in Tokio zu einem weiteren historischen Moment führen könnten. Eine Medaille über 4x100 m ist spätestens seit Samstag ein realistisches Ziel – nicht nur für die Athletinnen, sondern auch für die Schweizer Öffentlichkeit. An der WM 2019 in Doha schafften es Del Ponte, Kambundji, Sarah Atcho und Salomé Kora auf Rang 4. Gelingt dem Quartett eine rangmässige Steigerung wäre es die Krönung einer jahrelangen Aufbauarbeit. (ram/sda)

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

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