Liverpools Transferflop Florian Wirtz kann also doch Fussball spielen
Gerade in Zeiten der sozialen Medien sind Urteile schnell gefällt. Nach wenigen Monaten beim FC Liverpool war Florian Wirtz schon «einer der grössten Transferflops». Weil er nach sieben Spielen noch ohne Tor oder Assist war, wurde er als «Agent 007» verhöhnt. Die Serie zog sich noch bis zum 22. Oktober und seinem zehnten Einsatz in Premier League und Champions League für die Reds weiter. Die hohe Ablösesumme von 125 Millionen Euro trug natürlich viel zu der Kritik bei.
Jetzt zeigt der Ex-Leverkusener aber, dass ein Teil der Kritik überzogen und verfrüht war. In neun Partien im Jahr 2026 erzielte er fünf Tore und bereitete zwei weitere vor. Beim 4:1-Sieg am Samstag gegen Newcastle United wurde Wirtz mit je einem Tor und Assist gemeinsam mit Doppeltorschütze Hugo Ekitiké zum Matchwinner. Vor dem 1:1 dribbelte sich Wirtz gegen mehrere Gegenspieler im Strafraum durch und legte für Ekitiké perfekt auf. Den Treffer zum 3:1 erzielte er mit einem präzisen Schuss an den Innenpfosten nach einem Doppelpass mit Mohamed Salah. Im Anschluss wurde er als bester Spieler des Spiels ausgezeichnet.
Flo and Hugo linking up once again for our first 🔗 pic.twitter.com/lR8mhBHytK
— Liverpool FC (@LFC) February 1, 2026
«Er hat der Welt seine Qualität gezeigt», lobte Verteidiger Ibrahima Konaté den Deutschen bei «TNT» und kündigte an: «Er hat seine Topform noch nicht erreicht, aber es kommt bald.» Trainer Arne Slot zeigte sich ausserdem glücklich über das Zusammenspiel der beiden Sommer-Einkäufe Wirtz und Ekitiké und vor allem die besser werdende Fitness. Zu Beginn hatte Wirtz noch Probleme mit dem körperlichen und intensiven Spiel in England, «aber es wird immer besser und da ist es keine Überraschung, dass auch die Anzahl an Torbeteiligungen steigt», berichtete Slot gegenüber BBC. Wirtz, der in seinen ersten zwölf Premier-League-Spielen ohne Skorerpunkt blieb, steht nach 23 Einsätzen nun bei vier Toren und zwei Assists und damit auf Platz 4 der internen Skorerliste.
Dies bedeute aber nicht, dass er zu Beginn der Saison nicht gut gespielt habe, findet der niederländische Coach. Wirtz habe viel Pech gehabt, so Slot, der erklärte: «Er hat von Anfang an viele Chancen für seine Teamkollegen kreiert, aber die Bälle gingen unglücklicherweise nicht rein.» Die Statistik untermauert die Beobachtung des 47-jährigen Trainers: Gemäss «Expected Assists» müsste Wirtz bereits doppelt so viele Vorlagen auf dem Konto haben. Dies findet bei vielen Fussballfans, die sich nur auf die reinen Skorerwerte stürzen, aber wenig Beachtung – wie der Spitzname «Agent 007» eben zeigt.
Wirtz selbst beschäftigte der schwierige Start selbstverständlich, wie er vor Kurzem bei BBC verriet. Er habe sich auch selbst viel Druck gemacht. «Ich wollte sofort erfolgreich sein, das ist aber nicht so gekommen», so der 22-Jährige. Es sei nicht immer leicht gewesen, das Selbstvertrauen auf dem Platz zu haben und weiter an sich zu glauben, aber: «Ich sagte mir: Du warst in Deutschland so gut, du kannst nicht einfach vergessen, wie man Fussball spielt.»
Dass der Knoten nun endlich geplatzt sei, hänge auch mit Hugo Ekitiké zusammen. Der Stürmer sei bereits ein Freund neben dem Platz und ein «fantastischer Mitspieler» darauf. «Es macht so viel Spass, mit ihm zu spielen, weil er weiss, wie man sich auf dem Feld bewegt und miteinander harmoniert», so Wirtz. Nach seinem Treffer gegen Newcastle sagte der 37-fache Nationalspieler: «Ich geniesse die Tore einfach. Wenn ich meinem Team irgendwie helfen kann, macht mich das glücklich.»
Flo finding the bottom corner ✨ pic.twitter.com/jkABb2mdJE
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Mittlerweile wird Wirtz auch von der englischen Presse gelobt, die mit Kritik ebenfalls nicht gespart hatte. «Fabulous Florian», adelte der Mirror. «Wirtz erreicht den Siedepunkt», heisst es dort, «er zeigt nun genau das Talent, das den Liverpool-Fans versprochen wurde. Es gibt keinen Zweifel, dass Wirtz nun richtig angekommen ist.» Liverpool-Legende Steven Gerrard geriet ebenfalls ins Schwärmen: «Alle wussten: Irgendwann wird er aufblühen.» Schon zuvor habe er immer wieder brillante Momente gehabt. Dass er diese nun konstanter zeigen könne, liege für Gerrard wie in den Augen von Trainer Slot an seiner Physis: «Es sieht so aus, als ob er viel im Gym war. Er ist körperlich viel stärker und stabiler in den Zweikämpfen.»
Die Anlaufschwierigkeiten von Wirtz sind neben dem anderen Spielstil in England auch mit seiner Rolle zu erklären. Bei Leverkusen war er Dreh- und Angelpunkt, das Spiel komplett auf ihn zugeschnitten. In Liverpool ist er nur ein Star unter vielen. Die Tatsache, dass er da Eingewöhnungszeit braucht, liegt auf der Hand – und sollte wohl auch bei künftigen Transfers in Betracht gezogen werden.
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