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Schweizer Softdrink-Hersteller fürchten sich vor der Lebensmittel-Ampel.
Schweizer Softdrink-Hersteller fürchten sich vor der Lebensmittel-Ampel.Bild: AP
Dickmacher

Wie eine Studie das Image der Schweizer Softdrink-Hersteller aufpolieren soll

Die Softdrink-Produzenten lobbyieren heftig gegen eine Bevormundung der Konsumenten. Eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie soll dies untermauern. Doch die Studie wirft Fragen auf – nicht nur beim Konsumentenschutz. 
10.09.2014, 08:4111.09.2014, 17:05
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Für Softdrink-Produzenten sind schwere Zeiten angebrochen: Produkte wie Coca-Cola, Fanta, Sprite oder Eistee gelten gemeinhin als Dickmacher. Jedem Kind wird heute eingetrichtert, dass Süssgetränke nicht nur schlecht für die Zähne, sondern auch schlecht für die Figur sind.

Fakt ist: Jedes fünfte Kind hierzulande ist zu dick. Vielerorts wird deswegen der Zucker und das Süssgetränk gleich mit aus dem Menüplan gestrichen. Für Konsumentenschützer ist deshalb klar: Auf Lebensmitteln mit hohem Zucker- und Fettgehalt sollen Warnungen und Beschriftungen deutlich angebracht werden.

Dagegen wehren sich die Softdrink-Produzenten. Laut einer Studie der Informationsgruppe (IG) Erfrischungsgetränke will die Schweizer Bevölkerung bei der Ernährung Eigenverantwortung tragen und keine Verbote und Gesetze von Staates wegen.

Die Studie
Im Auftrag der IG Erfrischungsgetränke untersuchte das Forschungsinstitut gfs.bern die Haltung der Schweizer Bevölkerung hinsichtlich Gesundheit, Ernährung und Bewegung. Per telefonischer Befragung gaben 1016 Stimmberechtigte Auskunft über ihre Haltung bezüglich Ernährungsfragen und ihre Erwartungen an Politik und Wirtschaft. (rar)
  • Eine Mehrheit der Befragten (59%) zieht in Ernährungsfragen die Eigenverantwortung der staatlichen Prävention vor. 
  • 60% ziehen die präventive Aufklärung der Regulierung durch Steuern und Gesetze vor.
  • Mit der Aussage «Alleine der Konsument trägt die Verantwortung dafür, dass er sich ausgewogen ernährt», sind sogar ganze 85 Prozent der Befragten «voll» oder «eher» einverstanden.

Den Präsidenten der IG Erfrischungsgetränke, BDP-Nationalrat Lorenz Hess, freut dieses Ergebnis: «Ich bin positiv überrascht, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung die Eigenverantwortung schätzt und diese einer staatlichen Bevormundung im Bereich Lebensmittel bevorzugt.»

Softdrink-Hersteller fürchten sich vor Ampel-System

Doch die Studie enthält noch weitere Resultate. Solche, die die Softdrink-Produzenten lieber nicht an die grosse Glocke hängen und sie deshalb auch nicht in die Medienmitteilung schreiben:

  • 58 Prozent der Befragten befürworten eine «Ampellösung» auf Lebensmitteln und Getränken. Diese signalisiert, ob der Inhalt zurückhaltend (rot), gemässigt (gelb) oder in grösseren Mengen konsumiert werden darf.
  • 85 Prozent der Befragten finden, die Kennzeichnung auf Nahrungsmitteln und Getränken müsste einfacher sein. 
  • Sogar 92 Prozent der Befragten 588 Personen sind der Ansicht, dass Süssgetränke Dickmacher sind.

Solche Aussagen sind Wasser auf den Mühlen der Konsumentenschützer. Josiane Walpen vom Schweizerischen Konsumentenschutz: «Die heute verwendete GDA-Kennzeichnung in tabellarischer Form mit vielen Zahlen zum täglichen Energiebedarf ist schwierig zu verstehen und erfordert gerade von Jugendlichen eine grosse Bereitschaft, sich darauf einzulassen.»

Walpen plädiert daher für das Ampel-System: «Es ist ein einfaches Mittel, um auf Lebensmitteln zu erkennen, ob es eher zurückhaltend konsumiert werden soll oder ob man es unbedenklich in grossen Mengen zu sich nehmen darf.» 

So könnte eine Food-Informations-Ampel aussehen.
So könnte eine Food-Informations-Ampel aussehen.bild: Wikipedia

«Die Softdrink-Hersteller stehen mit dem Rücken zur Wand»

Für die Soft-Drink-Hersteller hingegen wäre dies ein Horrorszenario: Auf vielen ihrer Produkte würde die Ampel ein rotes Licht anzeigen und signalisieren, dass ein zurückhaltender Konsum empfohlen wird. «Die Ampelkennzeichnung ist schlicht ungeeignet», wehrt sich Präsident Hess. Sie hätte zur Folge, dass Nahrungsmittel pauschal als gesund oder ungesund deklariert würden, fürchtet er, und fügt an: «Stellen Sie sich vor, eine Konditorei müsste nur rote Ampeln aufstellen!» 

Für Konsumentenschützerin Walpen ist die Studie aber auch aus einem anderen Grund problematisch: «Die Softdrink-Hersteller stehen mit dem Rücken zur Wand», kritisiert sie. Die Branche habe ein Image-Problem und wähle nun eine offensive Strategie. «Die Studie ist sehr einseitig und klammert viele wichtige Fragen aus. Allen voran, die der Jugendlichen, die am stärksten auf Süssgetränke-Werbung reagieren und solche auch am häufigsten konsumieren.»

«Die Studie ist sehr einseitig und klammert viele wichtige Fragen aus. Allen voran, die der Jugendlichen, die am stärksten auf Süssgetränke-Werbung reagieren und solche auch am häufigsten konsumieren.»
Josianne Walpen, Konsumentenschützerin

Auch für Medienforscher Heinz Bonfadelli wirft die Studie Fragen auf. Er betont zwar die gute Reputation des Forschungsinstituts gfs.bern, erklärt aber: «Bei Forschung für Auftraggeber hat der Kunde natürlich Mitspracherecht in den Forschungsfragen.» Dies wirke sich auf die Art der Fragestellung aus: «Die Befragten müssen sich in diesem Fall entscheiden, ob sie lieber ‹Information und Aufklärung› oder ‹Steuern und Gesetze› hätten.» Dass dann Begriffe wie «Steuern und Gesetze» den «Kürzeren» zögen, sei evident. 

Starke Lobby der Süssgetränke-Hersteller

Die Süssgetränke-Industrie ist bekannt für ihre gute Lobby. Vertreter der IG Erfrischungsgetränke sind neben Lorenz Hess auch die Nationalräte Ida Glanzmann (CVP), Bruno Pezzatti (FDP) und Sebastian Frehner (SVP). Niemand Geringeres als CVP-Präsident Christophe Darbellay präsidiert zudem die eng verbandelte IG Mineralwasser, der noch rund 25 weitere National- und Ständeräte angehören.

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Der Einfluss der Getränkeindustrie wurde schon mehrmals sichtbar. Im November 2013 kippte der Nationalrat bei der Lebensmittelgesetz-Revision ein Gesetz zur Werbeeinschränkung für ungesunde Lebensmittel wieder aus der Vorlage. 

2012 musste die Gesundheitsförderung Schweiz eine Studie zu Süssgetränken zurückziehen. Sie besagte, dass zu viele Süssgetränke dick machen können und schlug Massnahmen zur Prävention vor. Der Direktor Thomas Mattig musste sich damals erklären: «Mit dem Präsidenten des Mineralwasserverbandes, CVP-Nationalrat Christophe Darbellay, einigten wir uns, dass wir den Bericht vom Netz nehmen, um Missverständnisse zu vermeiden. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir die Industrie nicht angreifen», sagte er im Konsumentenmagazin «saldo».

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