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Torschütze Josip Drmic (l.) mit Gökhan Inler und Blerim Dzemaili.
Bild: freshfocus
Die Nati in der Einzelkritik

Das sind die grossen Gewinner und Verlierer beim Mini-Sieg gegen die Reggae Boyz. Einverstanden?

Ottmar Hitzfeld hat im Test gegen Jamaika gleich sechs Spieler aufgestellt, die zuletzt nicht zum Stammpersonal gehörten. Wichtiger als das Resultat ist deshalb die Frage: Wer hat seine Chance genutzt?
31.05.2014, 06:3424.06.2014, 13:18

Gewinner

Josip Drmic

Josip Drmic (r.) liefert erst Slapstick und dann grosses Kino.
Josip Drmic (r.) liefert erst Slapstick und dann grosses Kino.
Bild: Daniela Frutiger

Von der Lachnummer zum Matchwinner – und das in einer guten Viertelstunde. Mit dem Video der vergebenen Grosschance aus der 66. Minute könnte sich Josip Drmic beim Zirkus Knie bewerben. Die Nummer, wie er den Ball nach einer Hereingabe von links aus zwei Meter Entfernung über die Latte drischt, würde auch deren Proficlown Laribe vor Neid erblassen lassen. Am Ende tut Drmic das, was er derzeit einfach am liebsten tut: Er topft ein, schraubt seine Torquote in der Nati auf 50 Prozent (drei Tore in sechs Spielen) und kassiert von Ottmar Hitzfeld ein Sonderlob: «Wenn ein Stürmer trifft, dann ist es das beste Zeugnis. Er hat sich für weitere grosse Aufgaben aufgedrängt und wird gegen Peru von Anfang an spielen.»

Admir Mehmedi

Admir Mehmedis Distanzversuche sind eine gefährliche Waffe.
Admir Mehmedis Distanzversuche sind eine gefährliche Waffe.
Bild: Keystone

Der 23-Jährige ist derzeit in einer überragenden Form. Auf seiner Lieblingsposition hinter der Spitze gibt Ottmar Hitzfeld gegen Jamaika zwar Granit Xhaka den Vortritt, aber auch auf dem Flügel gelingt ihm eine starke Partie. Bevor Mehmedi nach 64 Minuten für Valentin Stocker vom Feld geht, laufen die wenigen Angriffe über links immer über ihn. Was zusätzlich für den Freiburg-Legionär spricht: Seine Weitschüsse sind immer gefährlich – zweimal scheitert er nur knapp. Gerade gegen defensiv kompakte Gegner wie Honduras und Ecuador könnte er damit an der WM zum Nationalhelden werden. Der Wermutstropfen: Nach einer Stunde verstaucht sich Mehmedi leicht den Fuss und wird wohl in den nächsten Tagen nur reduziert trainieren können.

Gökhan Inler

Gökhan Inler (M.) ist das Mittelfeldherz der Schweiz.
Gökhan Inler (M.) ist das Mittelfeldherz der Schweiz.
Bild: Andreas Meier/freshfocus

Eindrücklich, wie der Captain den Match nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit prägt. Inler zieht die Fäden im Mittelfeld meisterhaft, bringt Ruhe ins Schweizer Spiel und hat trotzdem immer das Auge für den perfekten Offensivspielzug. So auch beim 1:0, an dessen Entstehung er mit einem klugen Pass auf Blerim Dzemaili beteiligt ist. Bevor er in Brasilien seinen Stammplatz verliert, tanzt Sepp Blatter an der Copacabana Samba. Im Tanga.

Blerim Dzemaili

Blerim Dzemailis Assist ist die halbe Miete zum 1:0.
Blerim Dzemailis Assist ist die halbe Miete zum 1:0.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Ja, man kann sagen, dass Blerim Dzemaili nicht den strategischen Weitblick von Gökhan Inler hat. Ja, man kann sagen, dass er nicht so bissig wie Valon Behrami ist. Aber gegen die Reggae Boyz ist er fleissig wie eine Biene auf Steroiden. Und er kann vor allem eines: Massgeschneiderte Pässe in die Tiefe spielen, genau wie sie Josip Drmic sucht und braucht. Beim goldenen Tor hat das perfekt geklappt.

Stephan Lichtsteiner

Gut, besser, Lichtsteiner.
Gut, besser, Lichtsteiner.
Bild: Andreas Meier/freshfocus

Was soll man sagen? Lichtsteiner ist eben Lichtsteiner: Vielleicht der beste und konstanteste Rechtsverteidiger, der je das Schweizer Trikot trug. Hinten räumt er ab, was es abzuräumen gibt – und dass die rechte Angriffsseite gegen Jamaika die gefährlichere ist, liegt für einmal fast mehr an ihm als an Xherdan Shaqiri.

Ricardo Rodriguez

Ricardo Rodriguez (r.) ist länger hinter als vor der Kamera.
Ricardo Rodriguez (r.) ist länger hinter als vor der Kamera.
Bild: Keystone

In der Bundesliga hat Ricardo Rodriguez mit Wolfsburg alle 34 Spiele über die komplette Distanz bestritten und ist damit neben Daniel Baier der einzige Marathonmann der Liga. Gegen Jamaika bekommt er nur für sieben Minuten Auslauf. Trotzdem gehört er zu den Gewinnern, weil Reto Ziegler in den 83 Minuten zuvor nicht beweisen kann, dass er eine ernsthafte Alternative für Rodriguez ist.

Neutral

Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri hat und gibt sich Mühe.
Xherdan Shaqiri hat und gibt sich Mühe.
Bild: Epa/Keystone

Als es in der ersten Halbzeit noch ordentlich harzt, bringt Xherdan Shaqiri mit seinen Aktionen wenigstens etwas Kreativität ins Spiel. Leider verheddert er sich mehrmals eigensinnig in der vielbeinigen Jamaika-Abwehr, statt seine besser positionierten Mitspieler einzubinden. Shaqiri liebt und sucht das 1 gegen 1, aber für ein positives Fazit verliert er in diesem Spiel zu viele dieser Duelle.

Philippe Senderos

Philippe Senderos überzeugt ohne zu glänzen.
Philippe Senderos überzeugt ohne zu glänzen.
Bild: AFP

Kaum ein Ball fand den Weg aufs Schweizer Tor. Man könnte sagen, Innenverteidiger Philippe Senderos habe seine Bewährungschance genutzt. Aber das liegt eben auch daran, dass die Jamaikaner offensiv keine Grossmacht sind. Positiv aufgefallen ist Senderos als lautstarker Organisator im Abwehrverbund.

Valon Behrami

Valon Behrami bleibt für einmal unauffällig.
Valon Behrami bleibt für einmal unauffällig.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Behrami spielt einen soliden Match und fällt weder positiv noch negativ auf. Das Schweizer Mittelfeld ist in der zweiten Halbzeit ohne ihn stärker als mit ihm in der ersten.

Gelson Fernandes

Gelson Fernandes ist ein wertvoller Ergänzungsspieler.
Gelson Fernandes ist ein wertvoller Ergänzungsspieler.
Bild: AFP

Nachdem er gegen Kroatien draussen bleiben musste, darf sich Gelson Fernandes dieses Mal wieder für 20 Minuten präsentieren. Seine 30 Saisoneinsätze in Freiburg zeigen, dass er unbestrittene Qualitäten hat. Aber in der Nati reicht es der Frohnatur aufgrund der grossen Konkurrenz derzeit nur für das zweite Glied. Wenn es ihn braucht, dann ist er bereit.

Valentin Stocker

Valentin Stocker zählt knapp nicht zu den Gewinnern.
Valentin Stocker zählt knapp nicht zu den Gewinnern.
Bild: Daniela Frutiger

Obwohl Tranquillo Barnetta noch nicht einsatzfähig ist, sitzt Stocker zu Beginn nur auf der Bank. Kein Vertrauensvotum für den Bald-Berliner. Ab der 64. Minute darf er doch noch mittun und schaltet sich neben seiner Rolle als Linksaussen zeitweise auch zentral ein. Stocker bereitet zwei Chancen vor und versprüht auch selber einen Hauch von Torgefahr. Man könnte ihn auch als Gewinner sehen, aber dafür ist sein Gesamtanteil am Sieg in Abwesenheit seines direkten Konkurrenten am Ende doch zu klein.

Diego Benaglio

Diego Benaglio kann mit dem Trikot ins Bett. Geschwitzt hat er nicht.
Diego Benaglio kann mit dem Trikot ins Bett. Geschwitzt hat er nicht.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

War auch im Stadion, hatte aber weniger Arbeit als Jamaika-Coach Winnie Schäfer jeden Morgen mit seiner Frisur.

Yann Sommer

Yann Sommer geniesst einen ruhigen Abend.
Yann Sommer geniesst einen ruhigen Abend.
Bild: Andreas Meier/freshfocus

War in der zweiten Halbzeit so unterbeschäftigt, dass er problemlos die Jahre seit Borussia Mönchengladbachs letztem Meistertitel zählen konnte. Es sind übrigens 37.

Verlierer

Granit Xhaka

Granit Xhaka hat einen Abend zum Vergessen.
Granit Xhaka hat einen Abend zum Vergessen.
Bild: KEYSTONE

Es war das grosse Thema der vergangenen Woche bei jedem Aufstellungsorakel: Xhaka oder Mehmedi? Ottmar Hitzfeld entscheidet salomonisch und bringt sie einfach beide. Trotzdem liegt Granit Xhaka bei diesem Duell nach dem Jamaika-Spiel im Hintertreffen. Während er im Klub unter Lucien Favre defensiver agieren darf – und dabei oft überzeugt – scheint ihm die Rolle direkt hinter den Spitzen nicht sonderlich zu liegen. Xhakas Spiel wirkt holprig und behäbig, er kann keine kreativen Funken schlagen. Der Frust darüber entlädt sich in der 76. Minute in einem rüden Foul mit Gelbfolge. Zu allem Überfluss verletzt sich Xhaka bei einem Abschlussversuch kurz vor dem Schlusspfiff leicht.

Haris Seferovic

Haris Seferovic bringt keine Torgefahr.
Haris Seferovic bringt keine Torgefahr.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

In Abwesenheit des verletzten Mario Gavranovic gibt ihm Ottmar Hitzfeld die Chance, sich von Beginn weg während einer Halbzeit als Alternative für Josip Drmic zu präsentieren. Doch das gelingt Haris Seferovic nicht. Er ist bemüht, kommt dem Ball immer wieder entgegen und weicht oft auf die Seite aus. Leider bleibt dabei die Torgefahr völlig auf der Strecke. In dieser Verfassung kann er der Mannschaft nur helfen, wenn sie sowieso auf ein Penaltyschiessen spekuliert.

Reto Ziegler

Reto Ziegler kann seine fehlende Spielpraxis nicht verbergen.
Reto Ziegler kann seine fehlende Spielpraxis nicht verbergen.
Bild: KEYSTONE

Der Linksverteidiger war bei Sassuolo die halbe Saison verletzt oder überzählig. Das merkt man ihm in jeder seiner 83 Spielminuten an. Kommt derzeit nur als Backup für Ricardo Rodriguez in Frage.

Johan Djourou

Johan Djourou muss sich beim Schiedsrichter bedanken.
Johan Djourou muss sich beim Schiedsrichter bedanken.
Bild: EPA/KEYSTONE

Als Innenverteidiger zu null gespielt und trotzdem ein Verlierer. Der Grund: Sein grobfahrlässiges Foul von hinten in der 27. Minute. Der Gegner wäre durch gewesen, über Rot statt Gelb hätte sich Djourou nicht beschweren dürfen. Nur der gnädige Schiedsrichter hat ihm den Platzverweis und sogar eine Sperre in Brasilien erspart. Im Ernstfall kann ein früher Platzverweis die ganze WM-Kampagne kosten. Wir erinnern uns mit Schaudern an Behramis Ausschluss beim 0:1 gegen Chile 2010.

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