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Immobilien und Hypotheken

Bild: Shutterstock.com

Parteien wollen den Eigenmietwert stürzen – nur wie, da sind sie sich uneins



Seit Jahren steht die Besteuerung des Eigenmietwerts in der Kritik. Der Vorschlag, diesen abzuschaffen, findet eine breite Zustimmung. Die Details der Umsetzung erweisen sich aber als Knacknuss.

Der Entwurf sieht im Grundsatz vor, dass die Besteuerung des Eigenmietwerts aufgehoben wird. Im Gegenzug dürften bei den Steuern gewisse Abzüge nicht mehr gemacht werden.

Grundsätzlich einverstanden mit dem Vorschlag zeigen sich die Hauseigentümer als Direktbetroffene. Viele ihrer Forderungen seien aufgenommen worden, schreibt der Hauseigentümerverband (HEV) in einer Stellungnahme.

Furcht vor Leistungsabbau

Bei den Mieterinnen und Mietern findet der Vorschlag dagegen kein Gehör. Aus ihrer Sicht führt er zu einer «massiven Schlechterstellung der Mieterinnen und Mieter».

Wie die Grünen befürchten die Mieterinnen und Mieter, dass wegen der geringeren Steuereinnahmen des Bundes, der Kantone und Gemeinden die öffentlichen Leistungen abgebaut werden könnten. Dies habe für Mieterinnen und Mieter weiter reichende Folgen als für Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen, da letztere in der Regel ein höheres Einkommen hätten.

Das würde nicht nur zu einer Ungleichbehandlung von Eigentümern und Mietern führen, sondern auch ein Loch in die Finanzierung der Wohnbauförderung reissen. Eine Reform der Wohneigentumsbesteuerung sei nur denkbar, wenn sie auch die ökonomische Situation der Mieterinnen und Mieter verbessere.

Revision bringe «keine Vereinfachungen»

Aus Sicht der SP würde der Systemwechsel die Wohneigentümer noch stärker als heute gegenüber der Mehrheit der Mietenden besserstellen und zudem für wohlhabende Hausbesitzer Möglichkeiten zur Steueroptimierung schaffen. Grundsätzlich wäre die Partei für eine Revision der Gesetzgebung, allerdings nicht in der vorliegenden Form. Die aktuelle Vorlage erreiche die angestrebten Ziele nicht.

Gar keinen Handlungsbedarf sieht indes die Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und -direktoren (FDK). Die Wohneigentumsbesteuerung sei verfassungsrechtlich, ökonomisch und steuersystematisch gerechtfertigt und ausgewogen.

Im Parlament dürfte die Eigenmietwert-Abschaffung trotzdem eine breite Mehrheit finden. SVP, FDP, CVP, GLP und BDP unterstützen die Revisionsvorlage im Grundsatz. Der Zeitpunkt für den Systemwechsel sei aufgrund des aktuell tiefen Zinsniveau optimal, findet etwa die CVP.

Uneinigkeit bei Steuerabzügen

Umstritten ist die Frage, inwiefern im Gegenzug zum Erlass der Besteuerung des Eigenmietwerts gewisse bislang mögliche Steuerabzüge aufgehoben werden sollen. Gemeint sind damit Abzüge für Unterhaltskosten, Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Versicherungsprämien und die Verwaltung durch Dritte.

Während es die FDP, CVP und GLP als folgerichtig und systemkonform erachten, wenn diese Abzüge aufgehoben werden, will die SVP an diesen festhalten. Der Schweizerisch-Liechtensteinische Gebäudetechnikverband befürchtet zudem gar Schwarzarbeit, sollten diese Abzüge nicht mehr geltend gemacht werden können.

Unterstützung für Umweltschutz

Weitgehende Einigkeit herrscht dafür bei der Frage, ob auch die Möglichkeit zum Steuerabzug von Aufwänden bei Energiespar- und Umweltschutzinvestitionen, denkmalpflegerischen Kosten sowie Rückbaukosten aufgehoben werden soll. Wenn der Bund in seiner Energie- und Umweltpolitik Zielvorgaben verabschiede, solle er auch die steuerlichen Anreize beibehalten, lautet der Tenor.

SVP, CVP, GLP und BDP erachten es als wichtig, dass trotz Revision die Immobilien instand gehalten und die energiepolitischen Ziele nicht aus den Augen verloren werden. Andernfalls wird befürchtet, dass nicht mehr energetisch saniert wird, wenn die Rechnungen nicht mehr den Steuern abgezogen werden können.

Nur die FDP unterstützt die Aufhebung dieser Abzüge auf Bundesebene. Die Kantone sollen diese Abzüge aber weiterhin zulassen können.

Anreize zur Verschuldung aufheben

Ein weiterer Kritikpunkt am heutigen System ist, dass es Anreize zur Verschuldung setzt, da Wohneigentümer bei den Steuern einen Schuldzinsabzug geltend machen können. Die Revision will diesen Anreiz ausmerzen. Wie das geschehen soll, ist aber noch unklar. Die Wirtschaftskommission (WAK) des Ständerats, welche den Vorschlag ausgearbeitet hat, konnte sich nicht auf einen Weg einigen und stellt fünf Varianten zur Diskussion.

Am meisten Zuspruch - nämlich von FDP, SVP und dem Hauseigentümerverband - erhält jene Variante, wonach die privaten Schuldzinsen zu 100 Prozent im Umfang der steuerbaren Vermögenswerte abzugsfähig sind. Für die FDP kämen auch 80 Prozent infrage.

Jene Version, wonach private Schuldzinsen gar nicht mehr abgezogen werden können, wird etwa von der BDP unterstützt. Bei einem angenommenen Zinssatz von 3.5 Prozent würde das dem Bund 670 Millionen Franken Mehreinnahmen bringen, den Kantonen 1.35 Milliarden. Das Geld fehlt aber anschliessend im Portemonnaie der Haushalte.

Nach Meinung der SP führen beim gegenwärtigen Zinsniveau alle fünf Versionen zu grossen Steuerausfällen.

Ende der Diskussion?

Nun ist es an der WAK, aus den verschiedenen Rückmeldungen eine mehrheitsfähige Vorlage zu zimmern. Im Parlament wird sich schliesslich zeigen, ob die Diskussion um die Besteuerung des Eigenmietwerts ein Ende findet - oder ob sie sich viele Jahre weiterzieht. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Smeyers 13.07.2019 20:24
    Highlight Highlight Die ganze Eigenheim-Diskussion kommt von der Neidgesellschaft. Im Ausland zahlt niemand einen Eigenmietwert. Im Gegenteil das Eigenheim als Ziel! Dabei geht vergessen, dass das Haus im Grünen immer der Teaum der Mittelschicht war, Arbeiter die ein Stück Unabhängigkeit suchten. Und jetzt werden Sie als Geldgierige Hausbesitzer hingestellt obwohl Sie jahrelang dafür gespart haben.
  • Mugendai 13.07.2019 13:01
    Highlight Highlight Ich glaube, viele Mieter sehen nur die Hypothek als Kosten bei einem Eigenheim. Aber ich muss selbst für Heizöl sorgen, es gibt kein "inkl. Nebenkosten", Renovationen muss ich selbst zahlen, Reparaturen muss ich selbst zahlen, Abfallgebühren, Gebäueversicherung und und und. Der Eigenmietwert ist Bullshit... kommt einer ins Haus, schaut sich um und sagt dir dann, für wieviel du es vermieten könntest, und dieser theoretische Gewinn wird versteuert. Super.
  • Mimimimi 12.07.2019 21:52
    Highlight Highlight Ich wohne in einer 2k wohnung, und das einzige, was ich abziehen darf ist das velo für 700 o.a. Gärngscheh, ihr jammeris!
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 13.07.2019 16:33
      Highlight Highlight Dann machst du etwas falsch.
  • Nixnutz 12.07.2019 20:58
    Highlight Highlight Die Abschaffung der Eigenmiete hat zwingend Folgen bei den Mietern und zwar in Form von zusätzlichen Abzügen. Da werden zig Millionen verpulvert für die Umstellung. Letztlich profitieren ein paar ältere Eigenheimbesitzer mit mittlerweile in die Jahre gekommenen Häuseren. Die Zeche bezahlen schliesslich alle zusammen via höherer Steuern für alle!
    • Yummy 13.07.2019 11:10
      Highlight Highlight Also ich bin nicht alt und das Eigenheim ist nichtmal einjährig... Wer Mieter sein will soll... Mit allen Vor- und Nachteilen
  • J4un7y 12.07.2019 16:58
    Highlight Highlight Der Eigenmietwert sollte bleiben, da man sonst eine wohnung unbewohnt lassen kann bis dann doch irgendjemand den überrissenen Preis bezahlen kann/muss.
    • Stirling 13.07.2019 09:38
      Highlight Highlight Sollte nur für selbstbewohnte Liegenschaften abgeschafft werden.
  • Stefan Drack 12.07.2019 16:03
    Highlight Highlight Für die meisten Haushalte ist Wohnen die grösste CO2-Quelle. Darum ist es klimapolitisch falsch, Wohnen von Steuern zu befreien. So können wir die Klimaziele unmöglich erreichen.
    • wintergrün 12.07.2019 19:07
      Highlight Highlight Wohnen ist ein Grundbedürfnis, kein Luxus.
      CO2 sollte man natürlich optimieren speziell im eigenen Heim wo man Umbauten selber gestalten kann.
  • wolge 12.07.2019 15:54
    Highlight Highlight Nun es ist ganz einfach: Wenn der Eigenmietwert nicht mehr versteuert werden muss, darf auch rein gar nichts mehr was die Immobilie und die Hypothek begrifft von den Steuern abgezogen werden können..
  • Gwaggli 12.07.2019 14:44
    Highlight Highlight Ich finde die Abschaffung des Eigenmietwerts mit Wegfall der Steuerabzüge definitiv vorteilhaft.
    Aktuell besteht ein Anreiz verschuldet zu bleiben und die "Miete" damit den Banken und nicht dem Staat zu zahlen.
    Oder anders gesagt: Warum soll ich meine Hypothek abbezahlen, wenn dadurch meine Ausgaben nicht sinken?
  • Armend Shala 12.07.2019 14:32
    Highlight Highlight
    Benutzer Bild
  • Peter R. 12.07.2019 14:17
    Highlight Highlight Die Ungleichbehandlung von Eigentümern und Mietern ist bei der jetzigen Situation vorhanden.
    Warum soll ich einen Eigenmietwert versteuern - dies ist ja kein Einkommen.
    • Stefan Drack 12.07.2019 16:06
      Highlight Highlight Wieso Ungleichbehandlung? Bei der Miete sind die Steuern eingepreist und als Wohneigentümer bezahlt man sie separat. Am besten versteht man das aus Sicht der Steuerbehörde: Eine Eigentumswohnung und eine privat vermietete Wohnung können beide z.B. 4'000 CHF Steuern pro Jahr einbringen.
  • bokl 12.07.2019 13:52
    Highlight Highlight Der Eigenmietwert gehört abgeschafft. Das als Kompensation auch der Schuldzinsabzug wegfällt versteht sich von selbst. Sonst wird Schuldenmachen ja auf- statt abgewertet.
    • wolge 12.07.2019 15:55
      Highlight Highlight @bokl: Passt für mich soweit. Jedoch dürfen dann auch keine Renovationen und dergleichen von den Steuern abgezogen werden können
  • Pafeld 12.07.2019 13:22
    Highlight Highlight Wenn sich die SVP als "Partei des Büezers" tatsächlich für die Abschaffung des Eigenmietwertes unter Beibehalt der Steuerabzüge einsetzt, will ich von dieser Partei und ihren Anhängern aber ganz sicher nie wieder etwas von Cüpli-Sozialismus hören. Eine so dermassen dreiste Bevorteilung der Bourgeoisie getraut sich ja noch nicht einmal die FDP.

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