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Neue Schätzungen: Mehr Demenzkranke als bisher angenommen

02.04.17, 16:00


In der Schweiz leiden möglicherweise mehr Menschen an Demenz als bisher angenommen. Aufgrund einer besseren Datengrundlage schätzt Alzheimer Schweiz, dass im vergangenen Jahr 144'000 Demenzkranke in der Schweiz lebten.

Das sind rund 25'000 mehr als bislang angenommen, wie die Zeitungen «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» berichteten. 2015 ging Alzheimer Schweiz noch von einer Zahl von 119'000 Erkrankten aus, wie Dokumente auf der Webseite der Organisation bestätigen.

Die Zahlen von 2015 und 2016 sind aber nicht ohne weiteres vergleichbar, weil sich die Alzheimervereinigung seit diesem Jahr auf neue Datenquellen stützt. Einen besseren Vergleich bietet die nach der alten Schätzmethode errechnete Zahl für 2016, rund 121'600 Erkrankte.

Neu greift Alzheimer Schweiz auf sogenannte EuroCoDe- und EURODEM-Daten zurück. Diese sind für die jeweiligen Altersgruppen aktueller und zuverlässiger, da sie auf Meta-Analysen basieren. Ausserdem erlauben sie den Vergleich mit anderen europäischen Ländern.

Alter grösster Risikofaktor

Alzheimer Schweiz schätzt, dass gegenwärtig neun Prozent der Menschen über 65 von Alzheimer oder einer anderen Demenzform betroffen sind. Bei den über 90-Jährigen sind es mehr als 40 Prozent. Das Kompetenzzentrum geht davon aus, dass die Hälfte aller Erkrankten keine formelle Demenzdiagnose hat.

Der grösste Risikofaktor für die Krankheit, die das Erinnerungs-, Orientierungs- und Kommunikationsvermögen beeinflusst, ist das Alter. Aufgrund der demografischen Entwicklung dürften deshalb im Jahr 2040 bereits 300'000 Menschen mit Demenz in der Schweiz leben, wenn es keine wesentlichen Fortschritte bei Prävention und Behandlung gibt.

Demenz ist heute schon der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit im Alter. Nach Herz-Kreislaufleiden und Krebs sind dementielle Erkrankungen die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz.

Daten nötig

Um dieser Herausforderung zu begegnen haben Bund und Kantone 2013 die nationale Demenzstrategie lanciert, die jüngst bis 2019 verlängert wurde. Eines ihrer Ziele ist der Aufbau eines Netzwerks von Kompetenzzentren für die Diagnostik, um die Qualität der Diagnosen zu verbessern. Zudem soll die Versorgung von Patienten optimiert werden.

Da die Datenlage unbefriedigend ist, sollen im Rahmen der Demenzstrategie auch systematische Daten gesammelt werden. Alzheimer Schweiz hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, ein nationales Register einzurichten, um Demenzerkrankungen zu erfassen. Genaue Zahlen seien wichtig für eine seriöse Planung gesundheitspolitischer Massnahmen. (sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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