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MoneyTalks

3 Dinge, die du über «grüne» Finanzprodukte wissen solltest

Wie du herausfindest, was in deinem Finanzprodukt wirklich drin ist, und nachhaltige Anlagen auswählst.

Olga Miler
Olga Miler



Nachhaltiges Anlegen liegt im Trend. Immer mehr Menschen wollen, dass ihr Geld neben finanzieller Sicherheit auch eine positive Wirkung auf die Umwelt und die Gesellschaft entfaltet:

Mit steigendem Interesse steigt das Angebot und es gibt eine riesige Flut von Begriffen und Produkten, welche für den normalen Menschen die Auswahl nicht einfach machen. Gibst du «nachhaltig anlegen» in Google ein, kommt Werbung und über 6 Millionen Resultate ...

«Der Markt ist tatsächlich stark gewachsen und es gibt heute sehr viele verschiedene nachhaltige Produkte, die unterschiedliche Ziele verfolgen. In der EU versucht der Regulierer durch zahlreiche neue Vorgaben, mehr Transparenz zu nachhaltigen Produkten zu schaffen.»

Sabine Döbeli, CEO Swiss Sustainable Finance

Mit diesen Massnahmen will gemäss Sabine Döbeli der Regulator insbesondere Transparenz dafür schaffen, wie gross der Anteil grüner Tätigkeiten in einem Investmentportfolio ist.

Bei den vielen Angeboten und Begriffen wundert es nicht, dass sich viele Menschen fragen: Wie finde ich heraus, ob das Finanzprodukt nachhaltig ist, und wie kann ich die Wirkung messen? Dazu könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Hier sind drei Dinge, die du wissen solltest, wenn du deinem Geld positive Wirkung verleihen willst.

Das Problem mit dem «Greenwashing»

Viele «nachhaltige» Finanzprodukte werden mithilfe sogenannter «ESG»-Bewertungskriterien entwickelt. ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Sozial) und Governance (Unternehmensführung): Kriterien, anhand derer Unternehmen bewertet werden. Aufgrund dieser Bewertung werden dann die Unternehmen in die Finanzinstrumente aufgenommen. Das Problem dabei ist, dass es (noch) keine offiziellen Standards oder Prüfungen gibt, welche Kriterien wie angewendet werden. So können ganz verschiedene Produkte und Labels entstehen. Vereinfacht gibt es folgende Methoden:

Für AnlegerInnen ist es oft nicht sehr transparent, nach welcher Methode das Produkt zusammengestellt wurde, was wirklich drin ist und vor allem, ob und wie die Wirkung gemessen wird.

Spezialisierte Anbieter gehen in ihrer Methode bei der Auswahl der Unternehmen oft einige Schritte weiter und betrachten die gesamte Wertschöpfungskette. Wie das in der Praxis geht, beschreibt Samuel Baumgartner, Business Development Manager bei responsAbility Investments:

«Grundsätzlich müssen Firmen, in welche wir investieren, einen positiven, messbaren sozialen und ökologischen Ertrag/Impact in Entwicklungs- und Schwellenländern generieren. Diese werden anhand unserer Themenbereiche festgelegt. Nehmen wir als Beispiel eine Investition in Mikrofinanzinstitutionen: Hier verfolgen wir das Ziel, durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen Armut zu bekämpfen, menschenwürdige Arbeit, Wirtschaftswachstum so wie die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Bei der Auswahl der Firmen verwenden wir einen ESG-Filter, um sicherzustellen, dass die Firmen, in welche wir investieren, keinen Schaden anrichten. Wir gehen hier aber einen Schritt weiter und stellen sicher, dass unsere Investitionen zusätzlich einen messbaren Beitrag bei der lokalen Bevölkerung erzielen. Unser gesamter Anlageprozess ist auf diese Selektion von Unternehmen ausgerichtet.»

Um so zu investieren, brauchen spezialisierte Anbieter entsprechende Daten und Methoden zur Auswahl und Wirkungsmessung, Prozesse und auch die notwendigen Spezialisten, um die Produkte zu entwickeln und zu überwachen.

Wie stellst du fest, was drin ist?

Dazu sagt Romana Doser, Head Banken Schweiz bei responsAbility Investments: «Es gibt mehrere Standards, welche aber nach wie vor wenig reguliert sind. Das macht es für Investoren schwierig, verschiedene nachhaltige Anlagen miteinander zu vergleichen. Es gibt aber gewisse Grundsätze, nach welchen sich Anleger richten können: So dienen die Sustainable Development Goals der UN oft als Grundlage, um die Wirkung der Investments aufzuzeigen. Es liegt dann aber beim Anleger, die effektive Wirkung zu prüfen. Ich empfehle jedem verantwortungsbewussten Anleger, ihrem Bankberater konkrete Fragen zu stellen, um genau zu verstehen, wohin das Geld fliesst. Leider sind aktuell noch viele Anlagelösungen nicht sehr transparent bezüglich der Wirkung.»

Um festzustellen, wie nachhaltig ein Finanzprodukt wirklich ist, bleibt dir also nicht viel anderes als das genaue Studium des Produktbeschriebs, Befragung des Beraters und/oder Verwendung von Datenbanken und selbst nachschauen.

Fragen und Kriterien, die dir bei der Auswahl helfen können:

Ratings und Anbieter

Hier ist eine nicht abschliessende Auswahl von Tools, welche dir die Auswahl erleichtern können:

MSCI ESG Ratings: Erarbeitet verschiedene Methoden und Indizes zur Erstellung und Bewertung von Fonds. Die Datenbank der MSCI Ratings für Unternehmen ist öffentlich zugänglich, und du kannst viele Unternehmen nachschauen. Die MSCI-ESG-Ratings findest du auch oft im Produktbeschrieb von Fonds.

Morningstar: bietet eine Reihe von Studien und Datenbanken an, allerdings sind dann Ratings und Analysetools kostenpflichtig.

PRI: Unabhängige Initiative für Finanzinstitute, die sich für mehr Standards und Transparenz bei nachhaltigen Anlagen einsetzt. Finanzanbieter, welche die Principles for Responsible Investing (PRI) unterzeichnet haben, sind zu einer Einhaltung von Massnahmen und Reporting verpflichtet. Die teilnehmenden Finanzinstitute findest du hier.

Eurosif: Europäische Vereinigung zur Förderung nachhaltiger und verantwortungsbewusster Investitionen in Europa. Du findest Studien und verschiedene Information.

In der Schweiz bieten viele Anbieter nachhaltige Finanzprodukte an, spezialisiert sind z.B. u.a. Yova, responsAbility, Globalance Bank.

Die neue EU-Verordnung

Ab dem 10. März ist der erste Teil der EU-Verordnung über die Offenlegung von Informationen über nachhaltige Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken in Kraft getreten. Damit müssen Anbieter offenlegen, inwiefern sie ESG-Merkmale und -Ziele erfüllen und nachhaltige Risiken berücksichtigen. Gesamthaft will die Verordnung mehr Transparenz in der Taxonomie und bei den Kriterien schaffen und es so Anlegern einfacher machen, sich im Dschungel der nachhaltigen Finanzprodukte zurechtzufinden. In der Schweiz will gemäss Sabine Döbeli, CEO Swiss Sustainable Finance, der Bundesrat noch dieses Jahr festlegen, wie er Transparenz zu nachhaltigen Anlagen fördert. «Es kann sein, dass man dabei in eine ähnliche Richtung geht wie die EU. Vielleicht wählt man in der Schweiz aber auch einen etwas pragmatischeren Ansatz. Wir sind mit dem Bund zu geeigneten Massnahmen im Dialog.» Bis dies alles uns alle erreicht, kann es also noch ein bisschen dauern.

Was macht dein Vorsorgegeld?

Gemäss der Make My Money Matter Initiative in England können nachhaltig angelegte Vorsorgegelder den eigenen CO2-Fussabdruck um ein Vielfaches mehr verringern, als z.B. auf das Fliegen zu verzichten oder auf eine vegane Ernährung umzustellen. Das Problem ist, dass nicht jede/r die Pensionskasse und deren Anlagestrategie selber mitbestimmen kann. Eine Studie des ASIP hat Folgendes ermittelt:

Für alle, die gerne mehr Nachhaltigkeit in ihrer Pensionskasse haben möchten hier ein Leitfaden des WWF und Liste der Mitglieder der Stiftung ETHOS, schweizerische Stiftung für nachhaltige Entwicklung, schliesst 225 Pensionskassen und gemeinnützige Stiftungen zusammen.

Einfacher als bei der Pensionskasse ist es bei der Säule 3a, hier bestimmst du den Anbieter und die Anlage(n) selbst. Viele Banken und Online-Anbieter bieten nachhaltige Produkte an, allerdings mit den gleichen Herausforderungen, welche die gesamte Branche betreffen.

Wie man sieht, ist es bei näherem Hinschauen nicht ganz einfach. Neben den klassischen Produkten haben auch Anlagen in Gold oder Krypto grosse Herausforderungen und noch viel weniger oder gar keine Standards für die Bewertung und Umsetzung.

Mit ein bisschen Zeitaufwand, Recherche und kritischen Fragen kannst du aber deinem Geld positive Wirkung verleihen und zur Verbesserung der Standards für uns alle beitragen. Und das sollte uns allen eine nachhaltige Zukunft wert sein – wie seht ihr das?

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Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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