GLP
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Hoffen auf den Greta-Thunberg-Effekt: Grünliberale wollen 7 Prozent Wähleranteil

Die GLP will den Schwung aus den letzten kantonalen Wahlen und der Klimadebatte in den Eidgenössischen Wahlherbst mitnehmen: Die Ökopartei strebt einen Wähleranteil von sieben Prozent an. Sie will mindestens zehn Nationalratssitze erobern und wieder in den Ständerat einziehen.

Kari Kälin / CH Media



epaselect epa07310995 Swedish climate activist Greta Thunberg, 16, arrives at the Zurich Main Station, in Zurich, Switzerland 23 January 2019. Thunberg will attend the World Economic Forum (WEF) from 23 to 25 January. Because air travel emits a lot of CO2, she decided to travel by train.  EPA/ADRIAN REUSSER

Bild: EPA/KEYSTONE

Es herrschte Katzenjammer. Bei den letzten Eidgenössischen Wahlen 2015 sank der Wähleranteil der GLP auf 4,6 Prozent (-0,8). Die Partei büsste 5 Nationalrats- und ihre beiden Ständeratssitze ein. Jetzt, 5 Monate vor den kommenden Wahlen, strotzt die GLP vor Selbstbewusstsein.

Am 20. Oktober will sie ihren Wähleranteil auf 7 Prozent erhöhen, mindestens 10 Nationalratsmandate erobern und in den Ständerat zurückkehren. Dies verkündete der Berner Nationalrat und GLP-Präsident Jürg Grossen am Montagmorgen an einer Pressekonferenz in Bern.

Die Grünliberale Partei gab am Montag in Bern vor den Medien ihre Ziele für die Wahlen im Herbst bekannt. Die junge Partei wolle die Schweiz zur Vorreiterin beim Klimaschutz machen, sagte Präsident Jürg Grossen. (Archivbild)

Ökothemen haben Hochkonjunktur: Das freut Jürg Grossen, den Präsidenten der GLP: Bild: KEYSTONE

Inhaltlich will die GLP vor allem mit Umweltthemen punkten. «Wir wollen eine Schweiz, die beim Klimaschutz und bei sauberen Technologien internationale eine Vorreiterrolle einnimmt», sagte der Zürcher Nationalrat Martin Bäumle. Der ehemalige GLP-Präsident stellte der Klimapolitik des Bundesrats ein schlechtes Zeugnis aus und kritisierte auch die Landwirtschaft, die zu stark auf Pestizide setze. Darunter leide die Qualität des Trinkwassers und die Biodiversität.

Für Rahmenabkommen und die Ehe für alle

Vizepräsidentin Kathrin Bertschy propagierte das umstrittene Rahmenabkommen mit der EU als eine «grosse Chance für uns». Sie forderte die Ehe für alle und die Einführung der Individualbesteuerung, damit sich für Familien ein Zweitverdienst besser lohnt. Die Berner Nationalrätin ist überzeugt, dass damit mehr Frauen ihr Pensum aufstocken und dem Fachkräftemangel entgegenwirken würden. Präsident Jürg Grossen forderte derweil, der Bund müsse bei seiner Infrastruktur in moderne Technologien und nicht Instrumente aus dem letzten Jahrtausend investieren. Er bemängelte etwa, dass der Bund auf den steigenden Verkehr immer noch mit dem Bau neuer Strassen reagiere, anstatt zum Beispiel auf Mobility Pricing zu setzen.

Der Zeitgeist spielt der GLP in die Hände. Die weltweiten Klimaproteste, inspiriert von der 16-jährigen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, haben grüne Themen weit oben auf die politische Tagesagenda gespült. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über eine Steuer für Flugzeugreisen, ein generelles Verbot für den CO2-Ausstoss oder andere Massnahmen gesprochen wird, welche die Erderwärmung stoppen sollen. Die GLP kann im Oktober auf einen Thunberg-Effekt hoffen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die GLP von der Aktualität profitiert. Nach dem Reaktorunglück von Fukushima im Frühjahr 2011 steigerte sie ihren Wähleranteil auf 5,4 Prozent. Die GLP legte damit gegenüber 2007 um satte 4 Prozent zu.

Interview mit Nationalrat Jürg Grossen

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Video: watson

Zuversicht schöpft die GLP auch von den jüngsten kantonalen Urnengängen. Bei den Zürcher Kantonsratswahlen vom 24. März erreichte sie 12,9 Prozent (+ 5,3), kommt neu auf 23 Mandate (+9) und überflügelte damit sogar die Grünen. Eine Woche steigerte die GLP auch im Kanton Luzern auf 6,6 Prozent (+2,2) und erhöhte ihre Sitzzahl von 5 auf 8. Auch die Umfragewerte fallen für die GLP positiv aus. Gemäss dem SRG-Wahlbarometer vom Februar würden sie 6,4 Prozent Wähleranteil erreichen. Mit 6,7 Prozent schneidet die GLP bei einer aktuellen Tamedia-Umfrage sogar noch etwas besser ab.

Politologe: FDP-Wähler könnten zur GLP wechseln

Andreas Ladner, Professor für Politikwissenschaften am Idheap an der Universität Lausanne, hält die Zielvorgabe der GLP für ambitioniert. Parteien müssten sich aber hohe Ziele setzen, sagt er. Ladner kann sich vorstellen, dass einige FDP-Wähler für die GLP stimmen könnten. «Während die Freisinnigen noch über ihre ökologische Ausrichtung debattieren, wissen die Bürger, wofür die GLP steht», sagt der Politikwissenschafter.

Dank der Klimadebatte und den guten kantonalen Resultaten habe die GLP das Momentum auf ihrer Seite. Ladner gibt aber zu bedenken, dass kleine Parteien aufgrund des Wahlsystems gerade in kleineren Kantonen, in denen es nur wenige Sitze zu verteilen, benachteiligt sind. In der Tat müssen sie dort einen viel höheren Wähleranteil erzielen als etwa in Zürich und Bern, um Sitze zu ergattern. Die GLP will diesen Nachteil mit Listenverbindungen lindern, wie Präsident Jürg Grossen ausführte. In diversen Kantonen sind bereits Kooperationen mit der EVP, der BDP oder auch der CVP beschlossene Sache.

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 14.05.2019 05:43
    Highlight Highlight Grünliberale (GLP): Die Untergrundorganisation der FDP

    Die GLP verhilft der kapitalistisch orientierten FDP via ihrem grünroten Mäntelchen zu den notwendigen Mehrheiten. In welchen Fragen unterscheidet sich die GLP von der FDP? Sicher nicht bei den Schwerpunktsthemen EU und Migration. Mit Klimapolitik in der Schweiz können wir leider die Welt nicht retten; mit Souveränitätspolitik aber die Schweiz als besondere Staatsform.
  • Gubbe 13.05.2019 23:08
    Highlight Highlight Die Welt ist farbig, nicht nur Grün.
  • PC Principal 13.05.2019 18:59
    Highlight Highlight Die GLP wird von den Bürgerlichen und von den Linken extrem angefeindet. Eigentlich ein gutes Zeichen. Tatsächlich steht die Partei "zwischen den Fronten" und sucht pragmatische Lösungen ohne ideologische Scheuklappen.
    • Dominik Treier 13.05.2019 21:51
      Highlight Highlight Ich frage mich wie die rechten in ihrem Krieg gegen die Armen zu unterstützen und das Geld den Reichen zu geben, als pragmatische Lösung angesehen werden kann, aber gut...
  • Dominik Treier 13.05.2019 18:37
    Highlight Highlight Ich fand die GLP grundsätzlich eine gute Idee, weil ich auch davon ausgegangen bin, dass Grün und wirtschaftlich lohnend, sich nicht ausschliessen müssen. In letzter Zeit jedoch wird immer mehr klar, dass der Opportunismus diese Partei leitet und weder grüne Motive noch ein Gewissen. So ist sie eine Aussenstelle der neoliberalen Bürgerlichen und unterstützt allerlei unnütze, aber für betroffene Katastrophale Klientelanliegen, wie Sozialabbau, knallharte Deregulierung, Steuersenkungen für die Reichen, Sozialdetektive, sprich die Spaltung der Gesellschaft.
    • Dominik Treier 13.05.2019 19:01
      Highlight Highlight Das alles versüsst sie damit, dass sie Energie einfach teurer machen will, was hier aber keine Lenkungsabgabe ist, sondern einfach heisst; Bist du reich, darfst du die Unwelt weiter unnütz verschmutzen, brauchst du für deinen Job ein Auto, hast aber wenig Geld. Dein Pech... Eine neoliberale Egoistenpartei mit grünem Anstrich, wie nett...
    • rudolf_k 13.05.2019 20:50
      Highlight Highlight Danke, du hast mein Kommentar vorweggenommen. Greta wäre über die neoliberale, opportunistische Politik dieser Partei angewidert.
  • Clife 13.05.2019 14:40
    Highlight Highlight Mir ist völlig egal, was die GLP will. Stures Parteiverfolgen ist nicht (siehe SVP). Ich werde mir die einzelnen Kandidaten anschauen und den wählen, der tatsächlich eine eigene Meinung haben könnte und auch einen Teil der Anliegen der Gesellschaft im Interesse eben dieser Gesellschaft lösen kann, ohne wo anders grob abzubauen.
  • Bangarang 13.05.2019 13:55
    Highlight Highlight Ich bin GLP Mitglied und finde die Greta zum Kotzen.
    • Kruk 13.05.2019 20:24
      Highlight Highlight Das wahre Gesicht der GLP also...
  • Gasosio 13.05.2019 13:47
    Highlight Highlight Wohl die einzige Schweizer Partei die nicht blind nach Ideologie die Schweiz in den Untergang reiten würde. Meine Stimme haben sie, setzen die richtigen Schwerpunkte.
    • Posersalami 14.05.2019 00:10
      Highlight Highlight Den Neoliberalismus zu vertreten heisst aber, Ideologie zu vertreten.

      Übrigens, jede Partei ist ideologisch. Einfach mal kurz hier nachlesen, was Ideologie bedeutet:

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ideologie
  • Mutbürgerin 13.05.2019 13:38
    Highlight Highlight Egal ob FDP oder GLP. Beides hat Liberal gar nichts mehr zu tun. Gesetze und Verbote sind nicht liberal.
    • Ritiker K. 13.05.2019 15:24
      Highlight Highlight "Gesetze und Verbote sind nicht liberal"

      Die VertreterInnen von "keine Gesetze und Verbote!" sind die Anarchisten nicht die Liberalen.

      Auch bei den Liberalen braucht es Gesetze und Verbote - einfach so wenige wie möglich.

      Es gibt auch bei den Liberalen sehr viele Bereiche die Reglementiert werden müssen. Insbesondere um die ureigenen Prinzipien der Liberalen zu garantieren. z.B. Die Durchsetzung der Menschenrechte, die Meinungs- und Gewissensfreiheit, die Pressefreiheit und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz.
    • Walter Sahli 13.05.2019 16:23
      Highlight Highlight Ein politisches System ohne Gesetze und Verbote nennt man Anarchie.
      Versteckt sich etwa Andrea Stauffacher hinter dem Mutbürgerin-Nick?
    • Platon 13.05.2019 17:51
      Highlight Highlight @Mutbürger
      Ich wage mal salopp zu behaupten, dass Sie auch nicht mal einen einzigen Satz irgend eines relevanten Begründers des Liberalismus gelesen haben oder auch nur im Entferntesten wissen, um was es beim Liberalismus geht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ritiker K. 13.05.2019 13:32
    Highlight Highlight Nur weil Grün drauf steht heisst es nicht, dass auch Grün drin ist.


    Mit ihrer wirtschaftsfreundlichen und asozialen Politik hat die GLP deutlich gezeigt, dass sie eben nicht eine Alternative zu den Grünen ist, sondern die FDP mit einem lindengrünen Anstrich.
    • Roterriese #DefendEurope 13.05.2019 17:36
      Highlight Highlight Trotzdem wähle ich lieber GLP als die Grünen. Die Grünen sind Sozis im grünen Mäntelchen..
    • Yes. 13.05.2019 18:19
      Highlight Highlight Es gibt auch Wähler, die grüne Anliegen haben und gleichzeitig nicht am äusseren Ende des linken Spektrums sind.
    • jen23 13.05.2019 18:42
      Highlight Highlight Ist doch toll, dass es auch eine unweltbewusste Partei für Nicht-Linke gibt??
    Weitere Antworten anzeigen
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 13.05.2019 13:13
    Highlight Highlight Die glp kann mir gestohlen bleiben. Für mich sind sie nichts weiter als die neuen EU-Turbos
    • MacB 13.05.2019 15:04
      Highlight Highlight Wieso EU-Turbo? Ein EU-Beitritt ist zurzeit kein Thema.

    • Hans Jürg 13.05.2019 16:50
      Highlight Highlight Euro-Turbo? Ist das eine neue Abgasnorm?
  • pascii 13.05.2019 12:44
    Highlight Highlight Die Partei der Vernünftigen, kompromissbereiten und pragmatischen jungen Schweizer Bevölkerung also?
    Benutzer Bild
  • Diavolino666 13.05.2019 12:35
    Highlight Highlight Ein Armutszeugnis, wenn die Politik Mädchen braucht, um Wählerstimmen zu bekommen...
    • dorfne 13.05.2019 13:11
      Highlight Highlight An den Klimademos hats nicht nur Mädchen. Aber lieber ein Mädchen als Vorreiterin für die Klimawende, als sexistische Kommentatoren, die sich mit forcierter Frauenverachtung für #metoo rächen wollen.
    • Diavolino666 13.05.2019 13:38
      Highlight Highlight Spannend, wo du forcierte Frauenverachtung und Rachegelüste erkennst... Und #metoo hast du ganz sicher zwischen den Zeilen vermutet. Ansonsten super Antwort.
    • Amboss 13.05.2019 13:41
      Highlight Highlight Ich muss immer über solche Kommentare wie diejenigen von Diavolino lachen....
      Unglaublich, wie sich gewisse Leute über ein kleines engagiertes Mädchen wie Greta aufregen können :)

      Und wieso? Minderwertigkeitskomplexe?
      Weil Greta mehr erreicht hat, mehr Spuren hinterlassen hat, als sie es jemals werden?
      Eine andere Erklärung kann ich leider einfach nicht finden...
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