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Stadt gegen Kanton: Verkehrsstreit in Zürich eskaliert wegen Velorouten

Ein Velofahrer fahert auf einer temporaeren Velospur auf dem Neumuehlequai, am Freitag, 27. Maerz 2026 in Zuerich. Der Regierungsrat des Kantons Zuerich hat den Stadtrat von Zuerich informiert, dass e ...
Die Stadt richtete diese Velospur am Neumühlequai im Zentrum Zürichs ein – der Kanton hat sie aber aufgehoben.Bild: keystone

Stadt vs. Kanton: So eskaliert der Zürcher Verkehrsstreit

Der Konflikt um die Nutzung der Strassen in der grössten Schweizer Stadt veranlasst sogar den Bund zu einer Intervention.
16.04.2026, 14:3016.04.2026, 14:30
Francesco Benini
Francesco Benini

Es ist ein politischer Schlagabtausch, der auf offener Strasse ausgetragen wird. Wörtlich.

Die Stadt Zürich will die Einrichtung von Velorouten vorantreiben. Der Kanton Zürich pocht darauf, dass der Verkehr auf Durchgangsstrassen nicht behindert wird. Unlängst eskalierte der Streit.

Das kam so: Am Bahnhofquai wird derzeit eine Tramhaltestelle umgebaut. In Zürich erstrecken sich solche Arbeiten über ein ganzes Jahr. Velofahrer dürfen in dieser Zeit einen kurzen Tunnel nicht befahren.

Also fand der Stadtrat Mitte März: Am Neumühlequai in der Nähe wird eine von drei Autospuren zu einem Veloweg umfunktioniert. Dagegen protestierte der Kantonalzürcher Regierungsrat. Denn der Autoverkehr staute sich umgehend zurück – bis in den Milchbucktunnel.

Ein Arbeiter sperrt die Haltestelle Bahnhofquai am Hauptbahnhof in Zuerich ab, am Tag vom Fahrplanwechsel, am Sonntag, 14. Dezember 2025 in Zuerich. Die Verkehrsbetriebe VBZ stehen heute vor dem &quot ...
Der Umbau der Tramhaltestelle Bahnhofquai löst eine Kettenreaktion aus, die zu einem Rückstau vor dem Verwaltungsgebäude (hinten im Bild) führt.Bild: KEYSTONE

Das störte auch das Bundesamt für Strassen des Verkehrsdepartements. Der Milchbucktunnel führt Autolenker von der A1 in die Zürcher Innenstadt. Rückstaus in solchen Tunnels seien gefährlich, monierte das Bundesamt.

Verkehrsstau vor den Büros der kantonalen Regierung

Ende März schickte der Kanton in einer Nacht Bauarbeiter los. Sie frästen die Velomarkierungen am Neumühlequai aus der Strasse und gaben die Spur wieder für den Autoverkehr frei. Der Stadtrat war entsetzt.

Die Exekutive reichte Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Und sie weigert sich, die Lichtsignale am Quai wieder in Betrieb zu nehmen. Verkehrslotsen regeln nun den Verkehr und achten darauf, dass die Velolenker gut über die Kreuzung kommen.

Der Konflikt ist sachlich und persönlich zugleich. Im Kern geht es um die Frage, wie die engen Strassen der Stadt Zürich genutzt werden. Persönliche Spannungen zwischen Exponenten des rot-grünen Stadtrats und des bürgerlich dominierten Regierungsrats erschweren die Suche nach Lösungen.

Ein Beobachter meint: Die Stadträte hätten nicht bedacht, dass Büros der kantonalen Verwaltung am Neumühlequai liegen. Die Regierungsräte und Chefbeamten hätten von ihren Arbeitsplätzen aus mitverfolgen können, wie der neue Veloweg den Autostau verlängerte. «Jetzt ist genug mit diesem Schabernack», habe schliesslich einer gesagt.

Die Stadträte der Grünen und der SP betonen: Den Langsamverkehr zu fördern – diesen Kurs hätten die Stimmberechtigten mehrfach unterstützt. Velo-Vorzugsrouten sollen kreuz und quer durch Zürich führen. Erst ein kleiner Teil des vorgesehenen Netzes ist realisiert.

Und in den städtischen Wahlen Anfang März: Wer hat da erneut eine Mehrheit im Stadtrat und im Parlament erreicht? Rot-Grün, nicht die Bürgerlichen. Die SVP forderte im Wahlkampf, dass die Schikanen gegen die Autofahrer ein Ende haben müssten. Die Volkspartei gewann damit nur wenige Wähler hinzu.

Die Bürgerlichen betonen aber, dass im November 2025 die Stimmberechtigten im Kanton Zürich die Mobilitätsinitiative klar angenommen hätten: Die Städte Zürich und Winterthur dürfen auf den wichtigen Verkehrsachsen nicht mehr selber über Tempo-30-Zonen entscheiden.

Die Abstimmung zeigte, dass auf dem Land und in den Agglomerationen die Vorbehalte gegenüber der Stadtzürcher Verkehrspolitik wachsen. Ein Problem ist, dass es rund um Zürich keinen geschlossenen Autobahnring gibt. Autolenker müssen durch die Stadt, auch wenn sie Zürich lieber umfahren würden.

Tempo 30-Zone und Einbahnschilder stehen an einer Strasse in der Stadt Zuerich, aufgenommen am Montag, 18. August 2025 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Tempo 30 – auf wichtigen Verkehrsachsen nun Sache des Kantons.Bild: keystone

Initiative will Eliminierung von Parkplätzen stoppen

Der Konflikt entzündet sich nicht nur an den Fahrspuren. Die Stadt hat gerade bekanntgegeben, dass die Talstrasse umgebaut wird. Bauzeit:  wieder fast ein Jahr. Den neuen Velospuren müssen 49 Parkplätze weichen.

Das sind 49 Parkplätze im Stadtzentrum. Die Talstrasse verläuft zum Teil parallel zur Bahnhofstrasse. Einkaufsläden, Anwaltskanzleien und Arztpraxen sind irritiert: Warum nimmt die Stadt ihren Kunden die Parkplätze weg?

Der rot-grünen Exekutive ist das einerlei. Auch die Tatsache, dass die Stadt Einnahmen aus Parkgebühren verliert, spielt keine Rolle. Der Förderung des Veloverkehrs ordnet die Regierung alles unter.

Die Bürgerlichen verweisen nun auf eine Volksabstimmung, die auf den kommenden Juni angesetzt ist: Eine Initiative verlangt, dass die Aufhebung eines Parkplatzes den Ersatz im gleichen Quartier bedingt. Der sogenannte historische Zürcher Parkplatz-Kompromiss soll wiederbelebt werden.

Die SP und die Grünen bekämpfen die Vorlage. Sie wollen verhindern, dass ihre Verkehrspolitik erneut einen Rückschlag erleidet.

Es soll auf keinen Fall so weit kommen, dass die Stadtbehörden Autoparkplätze aufheben – und kantonale Angestellte die Markierungen über Nacht wieder anbringen. (aargauerzeitung.ch)

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Viva Svizzera
16.04.2026 15:00registriert März 2023
Der Neumühlequai ist eine Kantonsstrasse, und der Kanton Zürich hat das Sagen. Die Stadt hätte sich vor einer solchen Aktion mit dem Kanton absprechen müssen. Dass die Stadtregierung nun entsetzt reagiert, weil der Kanton den früheren Zustand wiederherstellt, zeigt nur, wie abgehoben die städtische Exekutive ist.
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maylander
16.04.2026 14:43registriert September 2018
Es wöre vielleicht auch schlau die Agglo besser mit dem Velo anzubinden.

Nur ein Beispiel, Veloroute 94. Kreuzt mehrmals die parallele Hauptstrasse, führt durch einen Hinterhof etc. Wer mehr als zweimal dort durchfährt wird selbst eine Route finden.

Wieso macht man nicht gleich an der Sihl einen Hochwertigen Veloweg, der dann unter den Strassenbrücken hindurchführt. Dann hätten die Leute aus dem Sihltal einen super Veloweg bis zum Velotunnel am HB.

Es gibt noch viele Stellen wo man am Ufer von Gewässer oder an Bahnlinien entlang gute Velowege ohne viele Kreuzungen realisieren könnte.
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flausch
16.04.2026 15:40registriert Februar 2017
"Ein Problem ist, dass es rund um Zürich keinen geschlossenen Autobahnring gibt. " Ja gut, die Verkehrsplaner können relativ wenig dafür das da noch ein See im Wege liegt.
Betreffend der Parkplätze: Ich finde die Anspruchshaltung der Autofahrer etwas absurd. Klar Handwerker etc sind darauf angewiesen sollten immer einen Parkplatz finden. Aber wer schnell in die Banhofstrasse Shoppen will soll den Zug nehmen und nicht einfach Öffentlichen Raum belegen. Auch sollte man beim Häuslebau halt genügend Parkplätze einplanen statt einfach darauf vertrauen das es an jedem Strassenrand welche hat.
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