Populärkultur
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Zeit zu feiern. Bild: screenshot vimeo/unifestival2014

Unifestival Bern: Iwan Petrowitsch & Co. im Interview

«Ich habe mit meinem Dozenten gefreestylet und mich herablassend über die Grösse seines Glieds geäussert»

Am 4. Oktober 2014 findet in Bern das Unifestival statt. watson hat sich sechs der dort auftretenden Bands vorgeknöpft und sie mit verzwickten Fragen zu Musik und Uni genervt. Wer selbst studiert und das nicht liest, hat nichts begriffen.



Bist du bereit für einen Interview-Marathon? Die sechs Berner Bands Iwan Petrowitsch, Groove Doc, Discosaster, Jeans For Jesus, Microcuts und The Wake Up haben sich alle demselben watson-Fragenkatalog gestellt. Ihre Antworten sind dagegen alles andere als gleich.

Iwan Petrowitsch

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht?
Juri: Wir sind Iwan Petrowitsch und haben die höchste Allergiker-Quote aller Schweizer Bands. 

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht? 

Iwan Petrowitsch – «Honey»

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video: youtube/iwanpetrowitschtv

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes?
Social-Media-Kashmirpulli-Hustensirup-Musig.

«Biologie, weil: read my BIO, bitch!» 

Rouze

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen?
Rouze: Biologie, weil: read my BIO, bitch!
Juri: Sinologie und Germanistik. Ich will mich längerfristig auf dem finanziell lukrativeren chinesischen Hip-Hop-Markt etablieren. 

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V.l.n.r.: Juri, Rouze und Malek sind «Iwan Petrowitsch». Bild: screenshot youtube/iwanpetrowitschtv

Wie lautet der Titel deiner Ba/Ma/Liz-Arbeit und enthält dieses Werk Spuren von Genialität oder ist es eher so, dass man es besser dem Feuer übergeben hätte? 

Rouze: «Die Auswirkungen von Bachblüten auf Kopfsalat».
Juri: «Wie ‹Feuchtgebiete› die deutschsprachige Literatur revolutioniert hat». 

Unabhängig von der Qualität der Arbeit wäre es toll, wenn du einen Satz daraus zitieren – oder noch besser – uns ein hoch aufgelöstes Bild davon schicken könntest (falls du noch im Besitze der Arbeit bist natürlich, wenn nicht, kannst du uns auch sehr gerne dein Lieblings-Katzenbild schicken).

Rouze:

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Just Kanye West adding a little Kanye zest for his Kanye guests.

Juri:

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Reich-Ranicki: Das Obszöne in diesem Werk ist doch UN-ERR-TRRRÄGLICH.

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen?
Rouze: Ich habe Schildkröten beigebracht, auf meinem Reagenzglas-Xylophon zu spielen.
Juri: Ich habe mit meinem Dozenten gefreestylet und mich herablassend über die Grösse seines Glieds geäussert.  

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Was war zuerst, Studium oder Musik? Und hat das eine das andere beeinflusst? 
Rouze: Die Musik war zuerst und hat meine Sichtweise auf Koitus nachhaltig entbiologisiert. Ich glaube auch Schnecken haben Lovesongs. 

«Ich glaube auch Schnecken haben Lovesongs.»

Rouze

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Juri: Ich investiere all mein Büchergeld in Mikrofon-Effektgeräte. 

Groove Doc

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht?
Nicolai: Wir haben einen Doktortitel in Groove. Den Doktortitel im Sack heisst zwar normalerweise, dass man sein Fach nicht mehr beherrschen muss. Wir tun’s trotzdem. 

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Groove Doc: Christoph Gerber (Schlagzeug), Nicolai Wenger (E-Bass), Pascal Gerber (Frontsänger, Gitarre), Sascha Wüthrich (Keyboard), Nils Kipfer (Saxophon). Bild: facebook/groovedoc

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht? 
Nicolai: Von einem Stück auf alle zu schliessen, nennen die Logiker Induktion. Und ist in Anbetracht der Vielfalt unseres Repertoires natürlich absoluter Schwachsinn (auf eine genaue Fehlerberechnung wird hier verzichtet). Für alle, die gerne ein ganzes Konzert lang auf das einzige Stück warten, das sie sich im Voraus angehört haben, gibt’s natürlich trotzdem schon einen Leckerbissen

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes?
Nicolai: Viufäutig funkigi Liedli mitemne Tröpfli Latin-Pop verjazzt u gsunge winis d Schnure gwachse si. 

«Kann ein Baum, der im zweiten UG der ExWi in einem kleinen fensterlosen Stinkraum lebt, Früchte tragen?»

Nicolai

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen? 
Nicolai: Ich habe den Physik Bachelor abgeschlossen. Kann ein Baum, der im zweiten UG der ExWi (= Exakte Wissenschaften) in einem kleinen fensterlosen Stinkraum lebt, Früchte tragen (Physiker-Modekrankheit Chlorophyll-Mangel)? Selbstverständlich kann er das! Nicht, dass die Früchte für irgendjemanden ohne käsigen Physiker-Teint (Physiker-Modekrankheit Melanin-Mangel) geniessbar wären. Gegen die Studenten-Modekrankheit Eisen-Mangel werden sie auch nicht helfen. Aber wer sie hat wachsen sehen, wird sie lieben. 

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Bild: etsy, bearbeitung: watson

Wie lautet der Titel deiner Ba/Ma/Liz-Arbeit und enthält dieses Werk Spuren von Genialität oder ist es eher so, dass man es besser dem Feuer übergeben hätte?
Nicolai: «Polarisation of cosmic ray muons»: Die Grösse von 7500 Fussballfeldern wird in 13.5 Jahren von 10206000000000000 Myonen aus kosmischer Strahlung beschossen. Zusammengezählt haben diese eine Masse von 0.0000000000000003 Elefanten. Dies war nicht Gegenstand meiner Arbeit. 

Unabhängig von der Qualität der Arbeit wäre es toll, wenn du einen Satz daraus zitieren – oder noch besser – uns ein hoch aufgelöstes Bild davon schicken könntest (falls du noch im Besitze der Arbeit bist natürlich, wenn nicht, kannst du uns auch sehr gerne dein Lieblings-Katzenbild schicken). 

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watson durfte eigenständig etwas aussuchen und hat sich für diese besonders anmächelige Grafik aus dem Kapitel «Method» von Nicolais Ba-Arbeit «Polarisation of cosmic ray muons» entschieden. Bild: nicolai wengers ba-arbeit

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen?
Nicolai: Kommt ein Student mit verschlagenem Auge (wie er sich dieses zugezogen hat, ist für die Geschichte nicht relevant) in die Quantentheorie-Vorlesung. Professor: «Sie sollten nicht versuchen durch Wände zu tunneln, bevor Sie wissen, wie’s geht.» 

«Was wäre denn ein Leben ohne Wissensdurst, was wäre eines ohne Musik?» 

Nicolai

Was war zuerst, Studium oder Musik? Und hat das eine das andere beeinflusst? 
Nicolai: Meine erste Sinnesempfindung war wahrscheinlich ein Ton. Damit haben gleichzeitig Musik und Physikstudium angefangen. Die beiden gehen mit mir Hand in Hand, und ich möchte keine loslassen. Was wäre denn ein Leben ohne Wissensdurst, was wäre eines ohne Musik? 

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Es wäre so. gif: giphy

Discosaster

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht? 
Duke:
 Wir sind die Boten des Todes für die DJs und Electro-Freaks da draussen. Wir erwecken die Live-Musik wieder zum Leben. Wir erinnern die Leute an das, was sie all die Jahre vermisst haben. Echte Menschen auf der Bühne. Mehr als nur drei Instrumente auf der Bühne. Echte Klänge. Eine echte Show. Was die andern nicht können: Mehr als zehn Leute auf die Bühne bringen und die Scheisse groovt immer noch wie die Sau!

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Discosaster: Duke Gale (Frontsänger), Maggie Horrer (Background-Sängerin), Martial In-Albon (Trompete), Valerio Lepori (Posaune), Claudio von Arx (Saxophon), Mischa Mauer (Keyboard), Flu Iten (Gitarre), Claudio Berger (Bass), Manuel Siebs (Perkussion), Fabian Hänni (Schlagzeug). Bild: facebook/discosaster

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht? 

Discosaster – «Superman»

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video: youtube/claudiovonarx

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes? 
Duke: Disco.

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen?
Duke: Ich habe einen Bachelor of Law seit Sommer 2014. Der hat mir zu einem Studi-Job verholfen, ansonsten aber noch keinen praktischen Nutzen eingetragen.

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Claudio von Arx am Saxophon. Bild: facebook/discosaster

«Alles in allem wohl eher ins Feuer.»

Duke

Wie lautet der Titel deiner Ba/Ma/Liz-Arbeit und enthält dieses Werk Spuren von Genialität oder ist es eher so, dass man es besser dem Feuer übergeben hätte? 
Duke: Bei den Jus-Studenten ist die Antwort auf deine Frage ziemlich langweilig. Es gibt keinen Titel, da sich die Bachelorarbeit aus drei einzelnen Arbeiten zusammensetzt, welche für sich genommen nicht im geringsten aussagekräftig sind. Alles in allem wohl eher ins Feuer.

Unabhängig von der Qualität der Arbeit wäre es toll, wenn du einen Satz daraus zitieren – oder noch besser – uns ein hoch aufgelöstes Bild davon schicken könntest (falls du noch im Besitze der Arbeit bist natürlich, wenn nicht, kannst du uns auch sehr gerne dein Lieblings-Katzenbild schicken). 

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Die Werke, auf die sich Dukes Ba-Arbeit (nicht) stützt. Bild: discosaster

«Ich habe dem Prof eine Frage gestellt.»

Duke

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen? 
Duke: Ich habe dem Prof eine Frage gestellt. (Jus-Studenten finden das GARANTIERT zum Brüllen)

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Symbolbild der Tat. Bild: trendhunter 

Was war zuerst, Studium oder Musik? Und hat das eine das andere beeinflusst?
Duke: Zuerst war die Musik. Das Wunder, dass Jesus übers Wasser gegangen ist, ist ein Witz gegen das Wunder, dass ich den Abschluss trotz vier Bands geschafft habe.

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Duke Gale in seinem Element. Bild: facebook/discosaster

Jeans for Jesus

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht?
Jeans for Jesus: Das haben wir schon letztes Mal beantwortet, scheint ja immer schlimmer zu werden mit der Aufmerksamkeitsspanne der Smartphone-Menschen. Es gibt Leute, die sagen, Jeans for Jesus machen Musik. 

«Diplomatic Skills, you know?» 

Jeans for Jesus

Wir meinen: Man sollte später sagen können, man habe sie schon früher gekannt. Ausserdem haben Jeans for Jesus eine Tauchstation weit draussen im Atlantischen Ozean errichtet, von wo aus sie auf Mundart den US-Präsidenten und Putin zu überreden versucht, den SUISA-Gelder-Verteilungsschlüssel zu ändern. Das können die anderen Bands offenbar nicht. Diplomatic Skills, you know? 

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Putin sucht und sucht. Bild: getty images, bearbeitung: watson

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht? 
Jeans for Jesus: Das Label hat geraten: Zyt. Wir finden nicht schlecht: 

Jeans for Jesus – Album «Jeans for Jesus»

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Was finden Jeans for Jesus nicht schlecht? Ihr ganzes Album.  video: youtube/kanalvonsimsen223

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes? 
Jeans for Jesus: Ein «Normcore-Avantgarde-Hipster-Ironic-Core» zwischen alle Bindestriche und es kommt in etwa hin, sprich: Normcore-Electro-Avantcore-Old-Jazz-Hipster-Ironic-Core-Punkrock-Wave-Core (mit Synthie-Core-Aestethic-Klängen!!!). In der englischsprachigen Presse wurde unsere Musik unter anderem als «bauwssy avant-garde melodic-normcore high-intensity hipster sex music» bezeichnet, was wir auch treffend finden. 

Die Jeans for Jesus.

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen?
Mike: Ich bin seit dem Kindergarten mit dem Studium der Raketenbau-Ingenieurswissenschaften beschäftigt – dem wurde in den Schweizer Bandraum-Luftschutzkellern immer wieder die Grenzen aufgezeigt. Das mit den Früchten ist in diesem Zusammenhang natürlich besonders interessant. 

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Die Grenzen der Forschung. Bild: getty images, bearbeitung: watson

Phil: Ich studiere Biologie mit Schwerpunkt Ornithologie. Nun arbeite ich in der Vogelwarte Sempach. 

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Wir glauben zu wissen, wieso Phil da arbeitet: wegen dem Wiedehopf. Bild: vogelwarte sempach

Demian: Als mein Studium in Integrated Urbanism and Sustainable Design begann, erkannte ich an der Infoveranstaltung meinen Intimfeind Rektor Prof. Dr. Martin Täuber. Wir wussten vom ersten Augenblick an: Diese Uni ist zu klein für uns beide. Nachdem er mich in einem Degen-Duell mit fiesen Dolchstoss-Tricks erniedrigte, brach ich mein Studium ab und schloss mich der Selbststudium-Bewegung von Ben Paul an. Wer mehr davon erfahren will, kann es auf www.anti-uni.com studieren.

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So schnell hat er allerdings nicht aufgegeben. gif: giphy

«Ich koordinierte den Exzellenz-Cluster ‹Hybridisierung der Stile: Ökonomien, Utopien, Pathosformeln›.»

Marcel

Marcel: Ich habe mich in meinem interdisziplinären Studium insbesondere mit der Analyse ökonomischer Repräsentationsformen in der Populärkultur auseinandergesetzt. Zudem war ich aktiv im Forschungsschwerpunkt «Fusion und Affirmationsstrategien» und koordinierte den Exzellenz-Cluster «Hybridisierung der Stile: Ökonomien, Utopien, Pathosformeln». Jeans for Jesus kann in diesem Kontext als angewandte Fallstudie gesehen werden. 

Wie lautet der Titel deiner Ba/Ma/Liz-Arbeit und enthält dieses Werk Spuren von Genialität oder ist es eher so, dass man es besser dem Feuer übergeben hätte?
Marcel: «Breakcore, Raggacore, Hardcore, Normcore, Nerdcore: Irony in -core music genres».

Unabhängig von der Qualität der Arbeit wäre es toll, wenn du einen Satz daraus zitieren – oder noch besser – uns ein hoch aufgelöstes Bild davon schicken könntest (falls du noch im Besitze der Arbeit bist natürlich, wenn nicht, kannst du uns auch sehr gerne dein Lieblings-Katzenbild schicken).

Marcel:

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Versteht sich von selbst. Bild: jEANS FOR JESUS

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen?
Marcel: Ich hatte zu Beginn meines Studiums eine Vorlesung, die sich «Methoden der BWL» nannte und unter anderem den wissenschaftlichen Charakter dieses unglaublich interessanten Fachs illustrieren wollte. Die beiden untenstehenden Darstellungen haben mir die Augen geöffnet und hängen noch immer an der Wand unseres Studios. Sie waren richtungsweisend bei der Produktion des Albums von Jeans for Jesus. 

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Uuund, wer will jetzt alles BWL studieren? bild: jeans for jesus

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Geil! bild: jeans for jesus

Die letzte Frage blieb wohl irgendwo im Äther stecken ...

Microcuts

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht?
Reverend:  Wir sind eine ambitionierte, wuchtige Rockband mit kraftvollem Sound und melancholischen Untertönen. Wir nehmen unsere Musik ernst, uns selbst jedoch manchmal nicht allzu fest. Das macht uns authentisch.  

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«General» (Gitarre), «Micro» (Frontsänger), «Reverend» (Keyboard), «El Motorrr» (Schlagzeug), «Strike» (E-Bass). Bild: facebook/microcuts

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht?

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes?
Reverend: Alternative-Post-Rock.
Strike: Alternative-Prog-Goosebump-Rock.

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen? 
Strike: Ich studiere VWL und BWL an der Uni Bern. Angefangen hab ich damit im Herbst 2012. Was ich auf jeden Fall toll finde, egal was die Zukunft bringt, ist die Anzahl toller Leute, die ich während des Studiums kennengelernt habe. Ich habe sehr gute neue Freunde in dieser Zeit machen können.  

Weil Strike bis anhin noch keinen Bachelor und darum auch noch keine geniale Arbeit geschrieben hat, sendete er uns sein Lieblingskatzen-Bildli zu. Und hier ist es: 

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Kätzli mit Gitarre. Bild: strat-talk

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen? 
Strike:
 Im ersten Semester ist mir eine Kommilitonin aufgefallen und ich wollte sie unbedingt kennenlernen. Als ich dann mal zu spät an eine Vorlesung in der Fabrikstrasse kam, in einen Raum so gross wie ein Stadion und mit etwa einer Million Sitzplätzen, da sah ich sie – und was noch besser war: Der Platz neben ihr war noch frei. 

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Der Symbol-Vorlesungssaal. Bild: tumblr/taigas-vintage-stuff, bearbeitung: watson

Das einzige Problem war, dass sie genau in der absoluten Mitte der eng bestuhlten Menschenmasse sass. Ich ignorierte die Tatsache, dass es noch viele andere, besser zugängliche freie Plätze gab gekonnt und zwängte mich durch die Menge, wobei jeder Schritt mit einem «uups», «sorry», «Aaachtung» begleitet wurde. Nach diesen vielen Entschuldigungen und dafür geernteten, erbosten Gesichtern –  unter anderem das des Profs – erreichte ich mein Ziel und setzte mich neben sie. 

«Meiner Meinung nach war diese Annäherung eigentlich ziemlich ‹smooth› ...»

Strike

Meiner Meinung nach war diese Annäherung eigentlich ziemlich «smooth», aber die Tatsache, dass die Hälfte des Vorlesungssaales inklusive der Kommilitonin meine Absichten so klar ablesen konnte, machte die ganze Aktion etwas peinlich. Nichts desto trotz bin ich heutzutage sehr gut mir ihr befreundet und wir lachen oft darüber. 

Was war zuerst, Studium oder Musik? Und hat das eine das andere beeinflusst? 
Strike: Musik war schon viel früher als die Uni ein Teil meines Lebens und ich bin eigentlich sehr froh darüber. Für mich ist es ein toller Ausgleich – egal ob nach der Arbeit oder während einer intensiven Lern- und Prüfungsphase –, wenn ich mich am Sonntag mit den Jungs treffen und abrocken kann. Wir haben einen Song, der unter anderem vom Unileben beeinflusst wurde: Er heisst «Routine» – der Titel ist selbsterklärend. 

The Wake Up

Könnt ihr eure Band in ein paar Worten vorstellen und uns sagen, was ihr könnt und all die anderen Bands nicht? 
Static Fanatic: The Wake Up steht für unabhängige, ehrliche und (selbst)kritische Musik. Wir machen das, was wir können, so gut es geht, Was die anderen machen und wie sie es machen ist ihre Angelegenheit.
DJ Orbeat: Wir können das Publikum – dank zwei Masters Of Ceremony und einem grossartigen Turntablist – so derartig unterhalten, dass das Publikum alle anderen Bands vergisst! Zudem sind wir sehr gut im Angeben und andere Dissen.

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V.l.n.r.: DJ Orbeat, Point Blank und Static Fanatic sind «The Wake Up». Bild: facebook/thewakeup

Welches eurer Lieder würdet ihr jemandem vorspielen, der wissen will, was ihr für Musik macht?
Static Fanatic & DJ Orbeat: Ist abhängig vom Geschmack der jeweiligen Person. The Mist könnte vielen gefallen, da es einen fetten Beat und gute Flows mit bissigen Lyrics verbindet. Kritisch eingestellten Personen würden wir «Mélodie du Siècle»empfehlen und für alle Hip Hop-Heads ist sicher B-Boy Anthem ein Augen- und Ohrenschmaus. 

The Wake Up – «Mélodie du Siècle»

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watson-Leser sind kritische Geister, deshalb hier das kritische Stück von The Wake Up.  video: youtube/thewakeup

Ihr dürft euer eigenes Genre erfinden. In welche Schublade steckt ihr euch? Electro-Old-Jazz-Punkrock-Wave (mit Synthie-Klängen) oder was anderes?
Static Fanatic & DJ Orbeat: Diese Aufgabe überlassen wir den Kritiker_innen. 

Was hast du studiert, warum, wie lange und hat es in irgendeiner Weise Früchte getragen? 
Static Fanatic: Ich habe jetzt nach sechs Jahren mein Studium in Germanistik und Anglistik mit Schwerpunkt Sprachwissenschaft abgeschlossen. Die Studienzeit hat sicherlich meine Art, Texte zu schreiben, beeinflusst und mich immer wieder mit Inhalten für neue Songs gefüttert.

DJ Orbeat: Germanistik und Philosophie und jetzt im Master Deutsche Sprachwissenschaft und Philo. Dies seit 2009. Klar hat es Früchte getragen, aber abgesehen davon, dass ich die UBS und andere Grossbanken abschaffen will, habe ich noch keine konkreten Pläne für die Zukunft. 

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Static Fanatic und Point Blank. Bild: facebook/thewakeup

«Hip Hop – das Reich der Befreiung.»

Static Fanatic

Wie lautet der Titel deiner Ba/Ma/Liz-Arbeit und enthält dieses Werk Spuren von Genialität oder ist es eher so, dass man es besser dem Feuer übergeben hätte?
Static Fanatic: «Hip Hop – das Reich der Befreiung. Eine Anwendung der Theorien Sigmund Freuds und Karl Marx auf die Hip Hop-Kultur» war der Titel meiner BA-Arbeit. Mit Bezug auf Erich Fromm habe ich versucht, Rap als humanistische Sozialkritik zu konzeptualisieren. Spuren von Genialität hat dieser Ansatz höchstens insofern, als es schon fast wahnsinnig anmutet, sich in einer BA-Arbeit mit zwei solch grossen Denkern auseinanderzusetzen. 

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Karl Marx und Sigmund Freud. Bild: watson

DJ Orbeat: «Von ‹Mein Style hundert Joints und dein Style eine Kip-pe› bis zu ‹ich werd' dich kleine Nutte poppen am Mic› – Boasting- und Dissing-Sequenzen im Deutschrap in den Jahren 1999 und 2003». Klar ist es genial, für mich zumindest.

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Unabhängig von der Qualität der Arbeit wäre es toll, wenn du einen Satz daraus zitieren – oder noch besser – uns ein hoch aufgelöstes Bild davon schicken könntest (falls du noch im Besitze der Arbeit bist natürlich, wenn nicht, kannst du uns auch sehr gerne dein Lieblings-Katzenbild schicken).
Static Fanatic: Anhand des Gospel of Hip Hop [KRS-One 2009] wurde erläutert, dass die Hip Hop‐Kultur vor allem durch die Idee des Humanismus getragen wird, indem durch das Inbeziehungsetzen von Erkenntnis und Affekt im Rahmen der Elemente der Mensch mit seiner Menschlichkeit in Verbindung kommt und sich dadurch von den gesellschaftlichen Verdrängungen aktiv befreien kann.

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Die Befreiung. gif: giphy

DJ Orbeat: Das Auftreten des Gangsta-/Battle- oder Streetrap ergab sich, nachdem der Rap in Deutschland seinen ersten Höhepunkt erreicht hatte. Die Unterschiede von 1999 zu 2003 lassen sich zum einen durch die unterschiedlichen musikalischen, sozialen, historischen usw. Einflüsse erklären – es können aber auch Abgrenzungsfaktoren miteinbezogen werden. Ausserdem spielen die Medien eine wichtige Rolle, indem sie Rap sterilisiert und ihn durch Schockmeldungen zum Teil für eigene Zwecke wie Werbung oder höhere Verkaufszahlen instrumentalisiert haben.

Kannst du uns eine lustige Anekdote aus deinem Unileben erzählen? 
Static Fanatic
: Ich war nie derjenige, der voll im Studi-Leben aufgeht. Ich war nur dort für Vorlesungen oder zum Arbeiten, lustige Anekdoten fallen also eher spärlich aus. Ein Fun-Fact aber ist, dass ich nach meinem Abschluss nun zum ersten Mal Zeuge einer Uni-Party werde. Bin schon gespannt, wie sich das anfühlt.
 

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Einfach irgendwie anders tanzen. gif: giphy

DJ Orbeat: Leider nein.

«Der Rap hat in mir die Faszination für Sprache in ihren verschiedensten Facetten geweckt.»

Static Fanatic

Was war zuerst, Studium oder Musik? Und hat das eine das andere beeinflusst? 
Static Fanatic:
Musik. Der Rap hat in mir die Faszination für Sprache in ihren verschiedensten Facetten geweckt. Beides unter einen Hut zu bringen, war eigentlich nie gross ein Problem, interessanterweise war die Prüfungszeit meistens auch die Zeit, in der am meisten im Studio war.
DJ Orbeat: Die Musik war zuerst. Eigentlich nicht sehr. Da ich nicht rappe, kann ich keinen Vorteil aus der Linguistik für das Textschreiben gewinnen. 

Unifestival Bern

Das Unifestival findet am 4. Oktober in Bern statt. Hier geht's zum Programm. Und hier zum Vorverkauf. watson ist Medienpartner des Unifestivals.

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