So hat China aus der Taklamakan-Wüste eine CO₂-Senke gemacht
Die Taklamakan ist nach der Rub al-Chali in Arabien die zweitgrösste Sandwüste der Welt. Sie erstreckt sich über mehr als 220'000 km² im Tarimbecken, das im äussersten Westen Chinas im Autonomen Gebiet Xinjiang liegt. Da die Wüste von hohen Bergen umgeben ist, die feuchte Luft fast das ganze Jahr über fernhalten, herrschen dort extreme Bedingungen, die für die meisten Pflanzen zu trocken sind. Um die Taklamakan hat China jedoch in den letzten Jahrzehnten so viele Bäume gepflanzt, dass aus der Wüste mittlerweile eine Kohlenstoffsenke geworden ist.
Weltweit grösstes Aufforstungsprojekt
Dies zeigen Untersuchungen, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurden. Das Forschungsteam der University of California San Diego führt diesen Erfolg auf das grösste Aufforstungsprojekt der Welt zurück, das Three-North Shelter Forest Program (Drei-Norden-Schutzwald-Programm), auch bekannt als «Chinas Grüne Mauer». Im Rahmen dieses Programms hat China seit 1978 mehr als 66 Milliarden Bäume um die Ränder der Wüsten Taklamakan und Gobi gepflanzt. Allein um die Taklamakan wurden dabei 30 Millionen Hektar neu bewaldet – das entspricht etwa der Fläche Italiens.
Ursprünglich zielte das Programm darauf ab, die Wüstenbildung zu verlangsamen und die Hauptstadt Peking vor Sandstürmen zu schützen. Letzteres ist bisher nicht von Erfolg gekrönt: Peking wird vor allem im Frühjahr nach wie vor von gewaltigen Sandstürmen heimgesucht, vornehmlich aus der Wüste Gobi. Die Ausbreitung der Wüste seit den 1950er-Jahren, gegen die das Drei-Norden-Schutzwald-Programm konzipiert wurde, war eine Folge der massiven Urbanisierung des Landes und der Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dies schuf die Voraussetzungen für vermehrte Sandstürme, die Boden wegwehten und Sand ablagerten.
Wüste wird zur Kohlenstoffsenke
Das gewaltige Aufforstungsprogramm hatte zum Ziel, bis zum Jahr 2050 Milliarden von Bäumen zu pflanzen. Die Waldbedeckung des Landes nahm von 10 Prozent im Jahr 1949 auf heute mehr als 25 Prozent zu. Bis 2024 wurde die Aufforstung um die Taklamakan abgeschlossen. Doch nun zeigt sich ein anderer positiver Effekt: Die Aufforstung verwandelt die Wüste – die zu 95 Prozent von Wanderdünen bedeckt ist und deshalb als «biologische Leere» gilt, wie die Forscher schreiben – in eine Art riesigen CO₂-Absorber, der mehr Kohlenstoff aufnimmt als ausstösst.
Huge-scale ecological engineering around the edges of one of the world's largest and driest deserts has turned it into a carbon sink that absorbs more CO2 than it emits, research suggests. https://t.co/FmxPAevfzO
— Live Science (@LiveScience) February 11, 2026
Wie die Forscher schreiben, zeigen die Ergebnisse, «dass selbst die extremsten Wüsten ökologisch wiederhergestellt und zur Kohlenstoffspeicherung genutzt werden können, wodurch sie zur Eindämmung des Klimawandels beitragen».
Das Forschungsteam analysierte Daten aus Bodenbeobachtungen verschiedener Vegetationstypen und Satellitendaten zu Niederschlag, Vegetationsbedeckung, Fotosynthese und CO₂-Flüssen in der Taklamakan über die letzten 25 Jahre. Zudem nutzten sie den Carbon Tracker der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA); ein Tool, das CO₂-Quellen und -Senken weltweit modelliert. Als Resultat zeigte sich ein langfristiger Trend zur Ausbreitung der Vegetation und zur steigenden Aufnahme von CO₂ entlang der Wüstenränder. Dies stimmt zeitlich und räumlich mit der Entwicklung der Grünen Mauer überein.
Verbesserung der Vegetaationsdecke
Der Niederschlag während der Regenzeit von Juli bis September war in der Taklamakan-Wüste während des Untersuchungszeitraums 2,5-mal höher als in der Trockenzeit; er betrug durchschnittlich etwa 16 Millimeter pro Monat. Dies führte zu einer Verbesserung der Vegetationsdecke, der Begrünung und der Fotosynthese entlang der Wüstenränder. Dadurch sank der CO₂-Gehalt über der Wüste von 416 ppm in der Trockenzeit auf 413 ppm in der Regenzeit.
Schon frühere Forschungen hatten darauf hingedeutet, dass die Taklamakan eine CO₂-Senke sein könnte. Diese Studien hatten sich jedoch auf CO₂ konzentriert, das vom Sand absorbiert wird. Sand dürfte allerdings aufgrund des Klimawandels keine stabile Kohlenstoffsenke darstellen, da steigende Temperaturen dazu führen können, dass sich die Luft im Sand ausdehnt und dadurch zusätzliches CO₂ freigesetzt wird.
«Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie stellt die Taklamakan-Wüste, wenn auch nur an ihrem Rand, das erste erfolgreiche Modell dar, das die Möglichkeit der Umwandlung einer Wüste in eine Kohlenstoffsenke demonstriert», erklärte Yuk Yung, Mitautor der Studie und Professor für Planetenwissenschaften am Caltech sowieleitender Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der NASA, gegenüber Live Science. Zwar bleibe das Potenzial der Grünen Mauer, die Wüstenbildung zu verlangsamen, unklar, fügte er hinzu. Doch ihre Rolle als Kohlenstoffsenke «könnte als wertvolles Modell für andere Wüstenregionen dienen». (dhr)
