International
Wissen

So hat China aus der Taklamakan-Wüste eine CO₂-Senke gemacht

BAZHOU, CHINA - AUGUST 27, 2025 - Populus euphratica trees growing on both banks of the Tarim River at the edge of the Taklimakan Desert in Bayingolin Mongolian Autonomous Prefecture, China on August  ...
«Chinas Grüne Mauer»: Euphrat-Pappeln wachsen an beiden Ufern des Tarim-Flusses am Rande der Taklamakan-Wüste.Bild: Future Publishing

So hat China aus der Taklamakan-Wüste eine CO₂-Senke gemacht

China hat rund um die Taklamakan-Wüste so viele Bäume gepflanzt, dass diese riesige Sandwüste nun mehr CO₂ absorbiert, als sie ausstösst.
18.02.2026, 13:4318.02.2026, 13:43

Die Taklamakan ist nach der Rub al-Chali in Arabien die zweitgrösste Sandwüste der Welt. Sie erstreckt sich über mehr als 220'000 km² im Tarimbecken, das im äussersten Westen Chinas im Autonomen Gebiet Xinjiang liegt. Da die Wüste von hohen Bergen umgeben ist, die feuchte Luft fast das ganze Jahr über fernhalten, herrschen dort extreme Bedingungen, die für die meisten Pflanzen zu trocken sind. Um die Taklamakan hat China jedoch in den letzten Jahrzehnten so viele Bäume gepflanzt, dass aus der Wüste mittlerweile eine Kohlenstoffsenke geworden ist.

Weltweit grösstes Aufforstungsprojekt

Dies zeigen Untersuchungen, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurden. Das Forschungsteam der University of California San Diego führt diesen Erfolg auf das grösste Aufforstungsprojekt der Welt zurück, das Three-North Shelter Forest Program (Drei-Norden-Schutzwald-Programm), auch bekannt als «Chinas Grüne Mauer». Im Rahmen dieses Programms hat China seit 1978 mehr als 66 Milliarden Bäume um die Ränder der Wüsten Taklamakan und Gobi gepflanzt. Allein um die Taklamakan wurden dabei 30 Millionen Hektar neu bewaldet – das entspricht etwa der Fläche Italiens.

Satellitenaufnahme des Tarim-Beckens mit der Taklamakan-Wüste in China, Satellitenaufnahme 2001.
https://de.wikipedia.org/wiki/Taklamakan#/media/Datei:Taklimakanm.jpg
Satellitenaufnahme des Tarim-Beckens mit der Taklamakan-Wüste, 2001.Bild: Wikimedia

Ursprünglich zielte das Programm darauf ab, die Wüstenbildung zu verlangsamen und die Hauptstadt Peking vor Sandstürmen zu schützen. Letzteres ist bisher nicht von Erfolg gekrönt: Peking wird vor allem im Frühjahr nach wie vor von gewaltigen Sandstürmen heimgesucht, vornehmlich aus der Wüste Gobi. Die Ausbreitung der Wüste seit den 1950er-Jahren, gegen die das Drei-Norden-Schutzwald-Programm konzipiert wurde, war eine Folge der massiven Urbanisierung des Landes und der Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dies schuf die Voraussetzungen für vermehrte Sandstürme, die Boden wegwehten und Sand ablagerten.

BAZHOU, CHINA - MAY 22, 2025 - Large-scale machinery is leveling sand dunes in the area of the sand prevention and control project on the northern edge of the Taklimakan Desert in Bayingolin Mongolian ...
Mit schweren Maschinen werden Sanddünen eingeebnet, wo China entlang der Ränder der Taklamakan-Wüste Bäume und Sträucher pflanzen will.Bild: Future Publishing

Wüste wird zur Kohlenstoffsenke

Das gewaltige Aufforstungsprogramm hatte zum Ziel, bis zum Jahr 2050 Milliarden von Bäumen zu pflanzen. Die Waldbedeckung des Landes nahm von 10 Prozent im Jahr 1949 auf heute mehr als 25 Prozent zu. Bis 2024 wurde die Aufforstung um die Taklamakan abgeschlossen. Doch nun zeigt sich ein anderer positiver Effekt: Die Aufforstung verwandelt die Wüste – die zu 95 Prozent von Wanderdünen bedeckt ist und deshalb als «biologische Leere» gilt, wie die Forscher schreiben – in eine Art riesigen CO₂-Absorber, der mehr Kohlenstoff aufnimmt als ausstösst.

Wie die Forscher schreiben, zeigen die Ergebnisse, «dass selbst die extremsten Wüsten ökologisch wiederhergestellt und zur Kohlenstoffspeicherung genutzt werden können, wodurch sie zur Eindämmung des Klimawandels beitragen».

Das Forschungsteam analysierte Daten aus Bodenbeobachtungen verschiedener Vegetationstypen und Satellitendaten zu Niederschlag, Vegetationsbedeckung, Fotosynthese und CO₂-Flüssen in der Taklamakan über die letzten 25 Jahre. Zudem nutzten sie den Carbon Tracker der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA); ein Tool, das CO₂-Quellen und -Senken weltweit modelliert. Als Resultat zeigte sich ein langfristiger Trend zur Ausbreitung der Vegetation und zur steigenden Aufnahme von CO₂ entlang der Wüstenränder. Dies stimmt zeitlich und räumlich mit der Entwicklung der Grünen Mauer überein.

BAZHOU, CHINA - AUGUST 27, 2025 - Populus euphratica trees growing on both banks of the Tarim River at the edge of the Taklimakan Desert in Bayingolin Mongolian Autonomous Prefecture, China on August  ...
Euphrat-Pappeln am Ufer des Tarim. Die Verwendung von schnellwachsenden Baumarten, die viel Wasser benötigen, hat allerdings auch den Wasserkreislauf in einigen Regionen verändert. Bild: Future Publishing

Verbesserung der Vegetaationsdecke

Der Niederschlag während der Regenzeit von Juli bis September war in der Taklamakan-Wüste während des Untersuchungszeitraums 2,5-mal höher als in der Trockenzeit; er betrug durchschnittlich etwa 16 Millimeter pro Monat. Dies führte zu einer Verbesserung der Vegetationsdecke, der Begrünung und der Fotosynthese entlang der Wüstenränder. Dadurch sank der CO₂-Gehalt über der Wüste von 416 ppm in der Trockenzeit auf 413 ppm in der Regenzeit.

Schon frühere Forschungen hatten darauf hingedeutet, dass die Taklamakan eine CO₂-Senke sein könnte. Diese Studien hatten sich jedoch auf CO₂ konzentriert, das vom Sand absorbiert wird. Sand dürfte allerdings aufgrund des Klimawandels keine stabile Kohlenstoffsenke darstellen, da steigende Temperaturen dazu führen können, dass sich die Luft im Sand ausdehnt und dadurch zusätzliches CO₂ freigesetzt wird.

«Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie stellt die Taklamakan-Wüste, wenn auch nur an ihrem Rand, das erste erfolgreiche Modell dar, das die Möglichkeit der Umwandlung einer Wüste in eine Kohlenstoffsenke demonstriert», erklärte Yuk Yung, Mitautor der Studie und Professor für Planetenwissenschaften am Caltech sowieleitender Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der NASA, gegenüber Live Science. Zwar bleibe das Potenzial der Grünen Mauer, die Wüstenbildung zu verlangsamen, unklar, fügte er hinzu. Doch ihre Rolle als Kohlenstoffsenke «könnte als wertvolles Modell für andere Wüstenregionen dienen». (dhr)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit
1 / 18
Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit
In der Schweiz befinden sich die für Aufforstung geeigneten Flächen vornehmlich im Mittelland, in den Voralpen und im Jura. Das zeigt sich deutlich in diesen Screenshots der Landesteile. Hier ist die Nordostschweiz zu sehen. (karte: crowther lab / eth zürich)
quelle: crowther lab / eth zürich
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Der CO2-Fussabdruck von Herr und Frau Schweizer ist massiv
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
79 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
ClisClis
18.02.2026 15:40registriert Juni 2021
wenn China dann plötzlich mehr gegen den Klimawandel unternimmt als Europa :D
1126
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gaston P. de Valcroix
18.02.2026 15:13registriert August 2025
Beeindruckend! Anstatt unsere industrielle Basis zu gefährden, wäre eine konsequente Unterstützung für Wiederaufforstungen der deutlich sinnvollere Weg.
10114
Melden
Zum Kommentar
avatar
Kei Luscht
18.02.2026 19:03registriert Dezember 2015
Ich frage mich, was all die SVPler nun sagen, die immer so viel Wert darauf legen, dass Klimaschutz in der kleinen Schweiz nichts bringt, solange das dreckige China nichts macht. Was wohl die neue Ausrede sein wird?
554
Melden
Zum Kommentar
79
Geisteswissenschaften fühlen sich von Bundesrat Parmelin diskriminiert
Ende Januar hat Bildungsminister Guy Parmelin für sechs wissenschaftliche Projekte insgesamt 100 Millionen Franken zugesagt. Darunter ist kein einziges aus den Sozial- oder Geisteswissenschaften.
100 Millionen Franken: So viel erhalten die sechs wissenschaftlichen Projekte über die nächsten vier Jahre insgesamt, die Bundesrat Guy Parmelin Ende Januar zu Nationalen Forschungsprogrammen erhoben hat.
Zur Story