International
Syrien

UNO-Vertreter warnt vor «gigantischem Friedhof» in Aleppo

Syrians evacuated from eastern Aleppo walk with their belongings near a puddle of water in government controlled Jibreen area in Aleppo, Syria November 30, 2016. REUTERS/Omar Sanadiki
Syrische Flüchtlinge verlassen die belagerten Gebiete der Stadt Aleppo.Bild: OMAR SANADIKI/REUTERS

«Humanitäre Tragödie», «gigantischer Friedhof»: UNO über Aleppo

01.12.2016, 04:2401.12.2016, 04:59

Angesichts steigender Zahlen von Toten und Flüchtlingen im nordsyrischen Aleppo haben ranghohe UNO-Vertreter erneut ein düsteres Bild der Lage vor Ort gezeichnet. Die Grossstadt könnte sich in «einen gigantischen Friedhof» verwandeln, wurde der Sicherheitsrat gewarnt.

Ohne Gegenmassnahmen könne sich die umkämpfte Grossstadt in «einen gigantischen Friedhof» verwandeln, sagte UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien in einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Sicherheitsrats am Mittwoch.

70'000 Menschen vertrieben

Der Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, sprach angesichts verstärkter Luftangriffe auf den Ostteil der Metropole von einer «humanitären Tragödie», die sich verschlimmere.

Wegen Kämpfen in den Rebellenvierteln und Luftangriffen wurden allein in den vergangenen Tagen fast 70'000 Menschen vertrieben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Mindestens 26 Zivilisten, darunter mehrere Kinder, starben in Ost-Aleppo durch Artilleriebeschuss. Dutzende wurden verletzt. Die Menschenrechtler und Aktivisten machten das Regime für den Angriff verantwortlich.

Angeblich flüchtende Menschen getötet

Rettungshelfer berichteten, beim Beschuss des Stadtteils Dschubb al-Kubba seien 45 Menschen getötet worden. Bei den Opfern handle es sich um Zivilisten, die in Stadtteile unter Kontrolle der Regierung fliehen wollten, sagte Abdel Rahman Hassan von der Organisation Weisshelme.

Fotos der Helfer zeigten Leichen, die neben Gepäckstücken auf der Strasse lagen. Am Dienstag waren bei einem Luftangriff zehn Menschen auf der Flucht getötet worden.

Bemühungen, die Beteiligten des Konflikts mittels einer UNO-Resolution zu einer Feuerpause zu bewegen, blieben erneut ohne Erfolg. Vertreter mehrere Länder forderten im Sicherheitsrat, eine zehntägige Feuerpause durchzusetzen, um humanitäre Helfer in die Stadt zu lassen. Zivilisten müssten umgehend eine Pause vom Bombenhagel bekommen, sagte etwa Grossbritanniens UNO-Botschafter Matthew Rycroft.

«Ohne uns keine Resolution»

In this Oct. 6, 2016, photo, Russian U.N. Ambassador Vitaly Churkin speaks at U.N. headquarters. Russia's government lodged a formal complaint in September with the United Nations over a top U.N. ...
«Vorwand des Westens»: Russlands UNO-Botschafter Witali Tschurkin.Bild: Bebeto Matthews/AP/KEYSTONE

Sein russischer Amtskollege Witali Tschurkin sagte dagegen, dass der Westen solche humanitären Fragen nur als Vorwand nutze, um seine politische Agenda für einen Regimewechsel in Syrien voranzutreiben. «Ohne unsere Sorgen zu berücksichtigen, wird keine Resolution verabschiedet werden», sagte Tschurkin.

Vertreter mehrerer Länder machten Russland allein für die Unfähigkeit des Rats verantwortlich, die Gewalt in Aleppo zu stoppen. Russland ist in dem Bürgerkrieg Verbündeter des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Zehntausende flüchten

Einwohner aus Aleppo berichteten, unter den Menschen herrschten Panik und Verzweiflung. Vor der aktuellen Offensive lebten nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 250'000 Menschen in den Rebellengebieten im Osten der Stadt. Die neben Damaskus grösste Stadt des Landes gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg.

Nach Angaben der Menschenrechtler suchten in den vergangenen Tagen mehr als 30'000 Zivilisten in Gebieten unter Kontrolle kurdischer Einheiten Zuflucht, etwa 20'000 in Vierteln des Regimes. Mehr als 15'000 Zivilisten seien zudem in andere Rebellenviertel im Südosten Aleppos geflohen, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur dpa. (kad/sda/dpa)

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Oberster Schweizer Tierschützer: «Timmy wird sterben und niemand wird mehr an ihn denken»
Peter V. Kunz ist Präsident des Verbands Schweizer Tierschutz. Im Interview mit watson erklärt er, warum wir uns für gestrandete Buckelwale, nicht aber für vernachlässigte Hühner interessieren.
Seit einiger Zeit konzentriert sich das öffentliche Interesse stark auf Einzelschicksale von Tieren. Wir hatten den einsamen Pinguin, der in die falsche Richtung watschelt; dann kam das Äffchen Punch, das wir dabei beobachteten, wie es Anschluss an seine Gruppe suchte. Und seit knapp drei Wochen ist es nun Timmy, der Wal, mit dem Hunderttausende mitleiden. Warum interessieren Tierschicksale so fest?
Peter V. Kunz: Auch als Tierrechtler bin ich ja in erster Linie Mensch. Beim Lonely Penguin hatte ich Tränen in den Augen. Wenn ich Aufnahmen von Timmy oder von Punch sehe, dann bewegt mich das wie jeden anderen auch. Trotzdem habe ich gemischte Gefühle: Denn so sehr mich diese Einzelschicksale bewegen, so irrelevant sind sie letztlich für das Tierwohl im Allgemeinen. Die Tiere, die systematisch leiden, bleiben unsichtbar.
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