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ARCHIVBILD ZUM FREIWILLIGEN ABSTIEG VON AROSA UND ZUM AUFSTIEG VON BERN 1986 --- Ein Angriff der Berner im Playoff-Final der Meisterschaft der Nationalliga B EHC Chur gegen den SC Bern, aufgenommen am 1. Maerz 1986 in Chur. (KEYSTONE/Str)

Der Churer Torhüter Renato Tosio verhindert 1986 den direkten SCB-Aufstieg. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

SCB oder ZSC, das war hier die Frage – wie die Berner 1986 am grünen Tisch aufstiegen

7. April 1986: Die Rekurskammer des SEHV beendet einen üblen Streit: Der Zürcher SC steigt ab, der SC Bern am grünen Tisch auf. Je nach Lesart war dieser Akt ein normaler Vorgang oder ein Skandal. Bis heute wird hitzig darüber diskutiert.



Der Zürcher SC (heute ZSC Lions) und der SC Bern sind seit 1989 in der höchsten Spielklasse vereint und nicht wegzudenkende Grössen des Schweizer Eishockeys. In dieser Zeit wurden sie insgesamt 16 Mal Schweizer Meister.

Wer die lang anhaltende Dominanz der zwei Grossklubs als selbstverständlich anschaut, darf sich in Erinnerung rufen, dass beide in den 1980er-Jahren grösste Mühe hatten, sich einigermassen gut zu etablieren. Besonders bitter war der Ausgang der Saison 1981/82.

In einem hart umkaempften Spiel zwischen dem drittletzten der Tabelle, dem SC Bern, und dem Leader EHC Arosa trennten sich die Mannschaften 4 :4, aufgenommen am 17. Januar 1982. Hier wehrt SCB-Torhueter Grubauer mit Unterstuetzung durch Benacka den Aroser Goalgetter Guido Lindemann ab. (KEYSTONE/Str)

Der SCB ist gegen Arosa auf verlorenem Posten. Bild: KEYSTONE

In der damals acht Mannschaften umfassenden Hauptrunde der Nationalliga A wurde der SCB Siebter, der ZSC Achter. Sie mussten sich in der Auf-/Abstiegsrunde behaupten, in der es unter sechs Mannschaften um zwei Plätze im Oberhaus ging. Lugano und Ambri-Piotta waren hoch überlegen und bescherten dem Tessin einen Doppelaufstieg. Bern und Zürich stiegen synchron ab.

Die Relegation 1981/82:

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bild: screenshot wikipedia

Für den Eishockey-Chef des «Sport», einen ausgewiesenen Fachmann, war dies zu viel. Er appellierte in einem Leitartikel auf der Frontseite an die Flexibilität des nationalen Verbandes SEHV: Die NLA soll per Dekret subito auf zehn Teams aufgestockt werden. Das Schweizer Eishockey könne es sich nicht leisten, die Vertreter der beiden grössten Eishockey-Marktzentren gegen Gegner wie Wetzikon und Grindelwald spielen zu lassen.

ARCHIVBILD ZUM FREIWILLIGEN ABSTIEG VON AROSA UND ZUM AUFSTIEG VON BERN 1986 --- Der Churer Goalie Renato Tosio wehrt einen Angriff der Berner ab, aufgenommen im Maerz1986 in Chur beim Playoff-Final der Meisterschaft der Nationalliga B EHC Chur gegen den SC Bern. (KEYSTONE/Str)

In den 1980er-Jahren sind die «Bergler» den «Städtern» noch überlegen. Bild: KEYSTONE

Zürich und Bern seien die Städte mit dem grössten Zuschauerpotential, also müssten sie die Nutzniesser der ohnehin überfälligen Aufstockung sein. Die Aufstockung würde endlich auch die Einführung der Playoffs (die 1985 tatsächlich eingeführt wurden) ermöglichen. Der Fachjournalist argumentierte mit viel Logik und schrieb auch: «Aussergewöhnliche Umstände rechtfertigen aussergewöhnliche Massnahmen.»

Das Postulat wurde im Verband nie traktandiert. Es wäre ein Kunstgriff gewesen, den sich das NL-Komitee nie hätte erlauben können. Der SCB verpasste den Platz in der NLA nur um einen Rang, aber der ZSC wurde in der Poule nur Fünfter, noch hinter Sierre. Die Zürcher hätten also nicht nur künstlich promoviert, sondern auch noch an den Wallisern vorbei gelotst werden müssen. Das Postulat des «Sport» war dennoch ernst gemeint. Die Zeitung erschien montags, mittwochs und freitags, während der 1. April 1982 auf einen Donnerstag fiel.

Der Ausraster von Vögeli

Vier Jahre später wurde ein weiteres Dekret Tatsache, weil es unumgänglich war. Diesmal ging es nicht um ZSC/SCB sowohl als auch, sondern um ZSC/SCB entweder oder. Das abschliessende Verdikt der SEHV-Rekurskammer am 7. April 1986 besagte, dass der Zürcher SC als Zehnter und Letzter der NLA absteigt und dass der SC Bern als Zweiter der NLB den Platz einnimmt, der durch den freiwilligen Rückzug des EHC Arosa frei geworden ist. Bern war in den Aufstiegsspielen an Chur beziehungsweise Renato Tosio gescheitert. Die Rekurskammer schmetterte die Einsprache der Zürcher ab.

Die Qualifikation 1985/86:

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bild: screenshot wikipedia

Den ersten Entscheid zu der Streitfrage – der freiwillige Abstieg eines Klubs war in den Reglementen nicht vorgesehen – hatte das NL-Komitee am 19. März gefällt. Der Anwalt Anton Cottier hielt die Sitzung mit den übrigen Komitee-Mitgliedern sowie Klubvertretern in den Räumlichkeiten seiner Kanzlei in Freiburg ab. Die Journalisten warteten an jenem Mittwochnachmittag vor verschlossener Tür auf Holzstühlen. Noch bevor ihnen der Entscheid mitgeteilt wurde, wussten sie, was es geschlagen hatte.

Aus dem Innern war die unverkennbare Stimme von Sepp Vögeli zu vernehmen. Der Hallenstadion-Direktor verfluchte und beleidigte die Komitee-Mitglieder aufs Übelste. Als die Tür aufging, kam Vögeli herausgestapft. Mit hochrotem Kopf ging er fluchend an den Journalisten vorbei. Wiederum im «Sport» war danach dies zu lesen: «Von den ZSC-Vertretern wurde das Urteil natürlich mit Enttäuschung aufgenommen. Unverständlich aber, wie Sepp Vögeli reagierte. Was er sich an persönlichen Beleidigungen an die Adresse der SEHV-Exponenten erlaubte, war schlicht peinlich.»

Sepp Voegeli, Rennleiter der Tour de Suisse, aufgenommen im Juni 1985. (KEYSTONE/Str)

Sepp Vögeli 1985 als Rennleiter der Tour de Suisse. Bild: KEYSTONE

Dabei konnte ein Aussenstehender der Argumentation des NL-Komitees durchaus folgen: Ein ordentlicher Absteiger (ZSC) wird durch einen ordentlichen Aufsteiger (Chur) ersetzt, ein ausserordentlicher Absteiger (Arosa) durch einen ausserordentlichen Aufsteiger (Bern).

Ist Berner Geld nach Arosa geflossen?

Der damalige Fall hallt heute noch nach. Sporadisch ist zu lesen, alles sei ein Betrug und ein Skandal gewesen. Der damalige Aroser Präsident Peter Bossert (späterer Chef Technik im SEHV und noch späterer Präsident und Sanierer des EHC Kloten) habe den Ausstieg des EHC von langer Hand geplant und mit dem SCB rechtzeitig gemeinsame Sache gemacht.

Man könne nicht ausschliessen, dass Geld von Bern das Schanfigg hinauf geflossen sei. Mit seinem angeblich immensen Einfluss auf das Schweizer Eishockey habe Bossert die Mitglieder des NL-Komitees gefügig gemacht, sodass diese gar nicht anders gekonnt hätten, als sich für die Variante Bern zu entscheiden. Überdies sei ja Samuel Burkhardt, ein Ehrenmitglied des SCB, Präsident des Komitees, gewesen.

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Peter Bossert muss damals im Fernsehen Stellung nehmen. bild: screenshot srf

Wer immer eine Verschwörungstheorie unterstützt, findet haufenweise Argumente und lässt allfällige Gegenargumente weg. In dem Fall macht es sich gut zu verschweigen, dass Burkhardt für die denkwürdige Sitzung in den Ausstand treten musste.

Die Rekursinstanz hätte immer noch die Möglichkeit gehabt, den Entscheid des NL-Komitees umzustossen. Aber auch in den gut zwei Wochen zwischen den beiden Sitzungen habe Bossert mit immaterieller oder materieller Überzeugungskraft so gewirkt, dass er zuletzt auch die Rekurskammer auf seiner Seite wusste. Der dreiköpfigen unabhängigen Rekursinstanz gehörte unter anderen der Neuenburger Denis Oswald an, das spätere Schweizer IOC-Mitglied. (pre/sda)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • supi 07.04.2020 14:46
    Highlight Highlight Hmm .. ich meine der Bericht ist nicht vollständig ohne die Rolle von Fasel zu betrachten.

    In mehreren Gesprächen seit damals hat er persönlich erwähnt, dass er damals als #SIHF Verantworlicher, Zitat: "über den Tisch gezogen wurde" von Bossert und seinen Allierten im Verband.

    Gemäss der Club Chronik von Arosa ist auch bekannt, dass der Entscheid Arosa zurückzuziehen bereits an Weihnachten gefallen ist. Hätten sie bereits dann kommuniziert wäre eine einvernehmliche Lösung möglich gewesen.

    Gerne errinnere ich an den Fall Aplanalp in Fribourg .. dort wurde es besser gelöst.
    • Ämmitaler 07.04.2020 21:25
      Highlight Highlight Fasel war vermutlich beleidigt, dass er als SEHV-Präsident zu wenig begrüsst wurde. Über den Tisch gezogen oder übergangen werden konnte er gar nicht. Denn er hatte mit der Sache überhaupt nichts zu tun, geschweige denn etwas in der Sache zu entscheiden. Zuständig war einzig das NL-Komitee unter dem genannten Präsidenten Samuel Burkhardt. Fasel wird auch so zitiert, dass er von einem "Skandal" sprach. Damit kann er nicht den Entscheid des NL-Komitees gemeint haben. Vielleicht, wer weiss, fühlte er sich tatsächlich übergangen.
  • Mbokani 07.04.2020 12:34
    Highlight Highlight Und das geilste an der Geschichte sind für mich die Ewiggestrigen, welche noch heute rumheulen. Einfach köstlich...
    • Rollspin 07.04.2020 16:55
      Highlight Highlight Das ist doch kein Rumheulen Mbokani....

      Das ist einfach Fakt!!! Und es ist genüsslich euch das immer und immer wieder unter die Nase zu reiben. Lieber nie A Meister und dafür stolz und mit Herz dabei.
    • Mbokani 07.04.2020 22:37
      Highlight Highlight Da habe ich dich wohl getroffen..."Lieber nie Meister im A..." Das Gefasel von Verlierern, welche ihre Impotenz mit Stolz und Herz schönreden.
    • Rollspin 08.04.2020 17:06
      Highlight Highlight Öhmm getroffen?.... :-)

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Aber das ist ja nichts neues.

      Das wissen wir ja alle das es bei euch immer ein bisschen länger geht.

      Aber auch verwöhnte Jungs werden nicht alles Kaufen können. Vor allem keine Sympathie schon gemerkt?
  • Realtalk 07.04.2020 11:16
    Highlight Highlight Solch ein Szenario wäre heute unvorstellbar. Der Z hätte im A bleiben müssen. Das Bern als zweiter im B der Aufstieg zugesprochen wurde, entbehrt jeglicher Logik und kann nur auf einen Kuhhandel und Vitamin B zurückgeführt werden.
    • Ich hol jetzt das Schwein 07.04.2020 11:56
      Highlight Highlight Kannst du das auch ohne Verschwörungstheorie begründen?
    • Realtalk 07.04.2020 20:45
      Highlight Highlight Ich sage ja dass es keinen logischen Grund für diese Entscheidung gab.
    • Ich hol jetzt das Schwein 07.04.2020 22:23
      Highlight Highlight Ja, doch, schlüssige Argumentation...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lümmel 07.04.2020 09:10
    Highlight Highlight @Tikkannen @MarcAurel

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