Schweiz
Gesellschaft & Politik

Ex-SP-Nationalrat Strahm kritisiert Migrationspolitik seiner Partei

Ex-SP-Nationalrat Strahm geht mit seiner Partei hart ins Gericht.
Ex-SP-Nationalrat Strahm geht mit seiner Partei hart ins Gericht.Bild: X

Ex-Nationalrat Strahm kritisiert SP-Migrationspolitik

07.04.2026, 08:0007.04.2026, 08:00

Der frühere Berner SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm geht mit seiner Partei hart ins Gericht. Sie habe kein Konzept gegen die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!». Nicht die SP, sondern die SVP sei die heutige Partei der Arbeiter. Dies nicht, weil sie viel für die Arbeiter tue, sondern weil sie diesen eine Identität anbiete.

Der Ökonom wirft seiner Partei im Gespräch mit der «NZZ» ausserdem vor, die Debatte über die SVP-Initiative verlaufe «auf einem erbärmlichen Niveau, ohne jegliche Lösungsvorschläge». Menschen bis weit ins linke Lager seien bei der hohen Zuwanderung mindestens besorgt.

Diese hohe Zuwanderung schaffe auch soziale Probleme und überfordere die Gesellschaft; vor allem, wenn die Zahlen so hoch seien wie in der Schweiz, so Strahm. Es gebe eine Wachstumsmüdigkeit. Wer das Wirtschaftswachstum nur mit der Zunahme des Bruttoinlandproduktes messe, betreibe «Vulgärökonomie». Entscheidend sei das Wachstum pro Kopf.

Kaufkraftverlust auch wegen Zuwanderung

«Die untersten 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung haben, je nach Region, in den letzten zehn Jahren nur an Kaufkraft eingebüsst, weil Mieten, Krankenkassenprämien und Verkehrskosten viel stärker gestiegen sind als die Durchschnittsteuerung. Das hängt auch mit der Zuwanderung zusammen», sagt Strahm.

Und wie gehe die SP mit diesen sozialen Folgen als einstmalige Partei der Arbeiter um? Sie schweige nicht nur, sondern verdränge die sozialen Auswirkungen und Ängste aufgrund der Zuwanderung, wirft Strahm seiner Partei vor. Durch dieses Schweigen überlasse die SP die sozialen Fragen der SVP. «Viele Bedenken der Menschen werden ignoriert. Die Fragen der zuwanderungsbedingten Wohnungsnot werden heruntergespielt», warnt er.

Die Probleme bei der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt kämen in dieser Debatte gar nicht erst vor. Aber niemand, auch die Sozialdemokraten nicht, könne «ernsthaft sitzenbleiben und davon ausgehen, dass sich das von selbst lösen» werde.

Kritik an SP-Elite

Zudem kenne und spüre diese Elite die Auswirkungen nicht mehr – auf die Bevölkerung, in den Quartieren, in den Agglomerationen, in den Schulen. Und die Konsequenzen für die Arbeitsbevölkerung schon gar nicht, attackiert Strahm die Parteiführung der Sozialdemokraten.

Das habe einen Grund: Es gebe bei der SP im Parlament nur wenige, die sich mit der Berufsbildung und der schwierigen beruflichen Integration der Schwächeren und der Migranten auskennen. In der SP hätten sich in den letzten zwei Jahrzehnten nur wenige für die Bekämpfung des Fachkräftemangels starkgemacht. Dies sei «nicht einmal aus bösem Willen» geschehen, so Strahm. Die Partei kenne sich «schlicht nicht mehr aus».

Die SP, die FDP und die Bildungselite hätten bei der Zuwanderung oft dieselbe Grundposition, stellt Strahm fest. Es habe sich in aller Stille – in der Schweiz und in Europa – eine «kosmopolitische Klasse» gebildet. Diese bestehe aus Konzernchefs, Diplomaten, Beamten, Professoren, linksliberalen Politikern, NGO-Aktivisten: Für sie sei Migration an sich etwas Positives. Manche, auch SP-Exponenten, forderten sogar «no borders» – eine Welt ohne Grenzen. (nil/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Der Geisterbär
1 / 12
Der Geisterbär
cute news tier bärhttps://www.reddit.com/r/NatureIsFuckingLit/comments/1runi7x/a_ghost_bear/
quelle: reddit
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Was ist Geld für dich?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
300 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bauchtasche
07.04.2026 08:42registriert April 2024
Mit mehr Menschen wie Strahm könnte die SP den Wähleranteil der SVP innehaben. Vorerst bleiben wohl leider Leute am Ruder, welche aus ideologischen Gründen negieren, dass ein stärkeres Ansteigen der Nachfrage als des Angebots zu höheren Preisen führt.
23426
Melden
Zum Kommentar
avatar
001328.9cb45ed3@apple
07.04.2026 09:10registriert Februar 2025
die Verweigerung über die Zuwanderung zu sprechen ist wirklich absurd, nicht nur von der SP. Man könnte sich doch einfach fragen: was ist das beste für unsere Bevölkerung? Dann käme man zum Schluss, dass es Migration durchaus braucht, aber viel zu hoch ist. Wer das nicht anerkennt, betreibt Realitätsverweigerung.
21319
Melden
Zum Kommentar
avatar
closer2edit
07.04.2026 08:58registriert September 2023
Freue mich schon auf die Nestbeschmutzer Kommentare auf diese Aussagen von Strahm. Für mich findet sich viel Wahrheit in seinen Worten.

Natürlich von der Ecke, die sich autoritätskritisch, offen und inklusiv wähnt. ;)
17122
Melden
Zum Kommentar
300
Massiv höhere Sozialhilfekosten für Ukrainer – jetzt äussert sich der Bundesrat
Die SVP will verhindern, dass Personen mit Schutzstatus S nach fünf Jahren gleich viel Sozialhilfe erhalten wie Einheimische. Der Bundesrat lehnt den Vorstoss ab, skizziert aber eine Lösung.
Noch liegt das Datum in weiter Ferne, doch der Unmut ist bereits jetzt gross: Im März 2027 werden die ersten Ukrainerinnen und Ukrainer mit Schutzstatus S seit fünf Jahren in der Schweiz leben und dadurch die Aufenthaltsbewilligung B erhalten. Mit diesem Ausweis haben sie Anspruch auf gleich hohe Sozialhilfeleistungen wie Schweizerinnen und Schweizer. Die Kantone und Gemeinden rechnen deshalb mit Zusatzkosten von 300 Millionen Franken, wie der «Blick» diese Woche berichtete. Die Zentralschweizer Sozialdirektorinnen- und Sozialdirektorenkonferenz spricht von einschneidenden finanziellen Folgen.
Zur Story