«Match Momentum»: Das steckt hinter der verwirrenden WM-Grafik
Wer die Spiele der Fussball-WM 2026 aufmerksam verfolgt, begegnet regelmässig einer Grafik mit verschiedenfarbigen Ausschlägen rund um eine waagrecht angeordnete Nulllinie. Der Name: «Match Momentum». Die Statistik wird von den TV-Sendern prominent eingeblendet und soll helfen, den Spielverlauf besser zu verstehen.
Für viele Zuschauer bleibt allerdings die Frage: Was genau zeigt diese Grafik eigentlich? Das Unternehmen «inplayradar», das den Wert berechnet, klärt auf.
Just seen Turkey’s match momentum chart... 😳
— Out of Context Football Manager (@nocontextfm1) June 14, 2026
That is a Football Manager defeat if I’ve ever seen one. pic.twitter.com/GAgHzcvHkc
Was ist «Match Momentum»?
Das «Match Momentum» soll sichtbar machen, welche Mannschaft in einer bestimmten Phase eines Spiels mehr Druck entwickelt. Anders als klassische Statistiken, die den Ballbesitz oder die Torschüsse wiedergeben, betrachtet diese Kennzahl nicht das Fazit der gesamten Partie, sondern vor allem das aktuelle Geschehen auf dem Platz.
Die Idee dahinter: Fussballspiele verlaufen häufig in Wellen. Mal drängt eine Mannschaft den Gegner tief in die eigene Hälfte zurück, dann übernimmt wieder das andere Team die Kontrolle. Genau diese Wechsel soll das «Match Momentum» erfassen.
Wie wird der Wert berechnet?
Für die Berechnung werden zahlreiche Offensivaktionen ausgewertet. Dazu zählen unter anderem:
- Tore
- Torschüsse
- die Qualität von Abschlüssen (Expected Goals)
- Vorstösse in die Angriffszone
- Flanken
- Eckbälle
- Ballkontakte im Strafraum
- Freistösse im Angriffsdrittel
- Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte
- Platzverweise
Entscheidend ist dabei der Zeitfaktor. Die Berechnung basiert nicht auf dem gesamten Spiel, sondern auf den Aktionen der jeweils vergangenen fünf Minuten. Das System analysiert also fortlaufend, welche Mannschaft zuletzt mehr offensive Gefahr erzeugt hat.
Hydration breaks have proven to be a chance to switch momentum during the games.
— Yash (@Odriozolite) June 15, 2026
A story of the FIFA World Cup so far! pic.twitter.com/eCj4YD5Tgi
Wie liest man die Grafik?
Zunächst erhält jedes Team einen eigenen Wert zwischen null und zehn. Null bedeutet praktisch keine Offensivgefahr. Zehn steht für maximale offensive Aktivität.
Anschliessend werden die Werte beider Mannschaften miteinander verglichen. Die Differenz ergibt das eigentliche «Match Momentum».
In der Darstellung bedeutet das: Ausschläge in die eine Richtung stehen für Druckphasen des Heimteams. Ausschläge in die andere Richtung zeigen Vorteile für die Auswärtsmannschaft. Befindet sich die Kurve nahe der Nulllinie, neutralisieren sich beide Teams weitgehend. Die Grafik für den deutschen Auftaktsieg gegen Curaçao zeigt die Überlegenheit der DFB-Elf.
Je grösser die Ausschläge, desto deutlicher war die offensive Aktivität einer Mannschaft in den vergangenen Minuten.
Was verrät das «Match Momentum» über ein Spiel?
Die Statistik kann helfen, Entwicklungen sichtbar zu machen, die Zuschauer zwar wahrnehmen, aber schwer beziffern können. So lässt sich beispielsweise erkennen, welche Mannschaft eine längere Druckphase hatte, wann ein Spiel gekippt ist, ob ein Team nach einem Rückstand stärker wurde oder ob sich ein Tor bereits durch zahlreiche Angriffe angekündigt hatte.
Gerade nach einer Partie kann die Grafik einen kompakten Überblick darüber geben, welche Mannschaft in welchen Phasen die Initiative übernommen hat.
Ist «Match Momentum» wirklich neu?
Zwar erleben viele Fans die Statistik bei der WM 2026 zum ersten Mal. Tatsächlich wurde sie aber auch schon in der vergangenen Bundesligasaison genutzt. Blue Sport setzt sogar schon seit 2023 auf diese Grafik.
Dort gehört sie zu den sogenannten «Bundesliga Match Facts», die von der Deutschen Fussball Liga (DFL) gemeinsam mit dem Cloud-Computing-Anbieter Amazon Web Services (AWS) entwickelt werden.
Bei der WM wird das «Match Momentum» nun regelmässig während der Spiele eingeblendet und erreicht dadurch erstmals ein breites Publikum. Um die Statistik zu erfassen, arbeitet die FIFA mit dem KI-Unternehmen inplayradar zusammen. (riz/tonline)
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