Unvergessen
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Fersehgeraete in einem Duesseldorfer Kaufhaus zeigen am Freitag mittag, 12. Januar 2001, die Uebertragung der Pressekonferenz des ehemaligen Bayer Leverkusen Trainers Christoph Daum, die live aus dem Hyatt-Hotel in Koeln uebertragen wurde. Daum war am Dienstag, 11. Januar 2001, aus den USA zurueckgekehrt. (KEYSTONE/AP Photo/Roland Weihrauch) === ELECTRONIC IMAGE ===

Christoph Daum gibt nach langem Schweigen zu, dass er Kokain konsumiert hat. Bild: AP

Kokainaffäre um Bundestrainer in spe

Unvergessen

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

20. Oktober 2000: Trainer Christoph Daum sorgt für einen der grössten Skandale der Bundesliga-Geschichte. Er gibt freiwillig eine Haarprobe ab, um zu beweisen, dass er kein Kokser ist. Das ist ein legendäres Eigentor, denn nun ist Daum als Drogenkonsument entlarvt und den sicheren Job als Bundestrainer los.



Es ist ein Zitat für die Ewigkeit, das Christoph Daum von sich gibt. Am 9. Oktober 2000 tritt der Trainer von Bayer Leverkusen vor die Medien und verkündet, er habe freiwillig eine Haarprobe eingereicht, die beweisen soll, dass er keine Drogen konsumiere. Das hatte ihm Uli Hoeness, der Manager von Bayern München und Daums erklärter Intimfeind, in der Öffentlichkeit vorgeworfen. Daum sitzt also da auf seinem Podest und sagt:

«Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.»

Christoph Daum, designated to take over the German national soccer team,said during a press conference held in Leverkusen, Monday Oct. 9, 2000, hehas taken a hair analysis test to dispel rumors he uses cocain. Daum also plans to refute the charges of prostitute and drug use made by Bayern Munich manager Uli Hoeness, which set off one of the most spectacular and bitter feuds in German soccer history. Daum, currently
the Bayer Leverkusen coach, said he uses the method to prove he doesn't use drugs. (AP Photo/Frank Augstein)

Christoph Daum erzählt den Reportern, dass er freiwillig eine Haarprobe abgegeben habe, um die Gerüchte über seinen angeblichen Drogenkonsum verstummen zu lassen. Bild: AP

Der Schuss geht nach hinten los

Keine zwei Wochen später fliegt ihm dieser Satz um die Ohren. Denn das Resultat der Haarprobe beweist: Daum hat gekokst. Leverkusen entlässt den Trainer fristlos und der DFB löst den ab Juli 2001 geltenden, aber bereits vereinbarten Vertrag als Bundestrainer auf. Daum flüchtet nach Florida.

Zwei Monate lang ist Daum von der Bildfläche verschwunden, dann kehrt er nach Deutschland zurück – und gibt wieder eine Medienkonferenz. An dieser gesteht Christoph Daum: «Ich habe Kokain zu mir genommen.» Seine Taktik ist es offensichtlich, locker zu bleiben. Er lacht selber, als er sagt: «Die Haaranalyse, die ich habe machen lassen, muss man im Nachhinein sagen, das war ein Fehler. Ich hab's mir auch anders vorgestellt.»

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Kurzzusammenschnitt der beiden legendären Medienkonferenzen von Christoph Daum. Video: Youtube/patrickoone

Kein Erfolg mehr in Deutschland

Die Reporter lachen ebenfalls und vielleicht ist diese Aussage der Grund dafür, dass die Trainerkarriere des Christoph Daum noch nicht beendet ist. Auch wenn es sechs Jahre dauert, bis er beim 1. FC Köln wieder einen Job in Deutschland erhält.

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Leverkusen-Manager Reiner Calmund erinnert sich an das Auffliegen der Kokainaffäre. Video: Youtube/Kicker online

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«Dass ich mich in aller Ruhe mit ihm in eine Ecke setze und ein Glas Bier trinke, das wird es wohl nicht geben», sagt Bayern-Manager Uli Hoeness rückblickend über seinen Intimfeind Daum. Video: Youtube/AudiStarTalk

Nach der Kokainaffäre trainiert Daum zunächst Besiktas Istanbul, das er schon einmal gecoacht hatte, Austria Wien und Fenerbahce Istanbul. Drei Meistertitel und ein Cupsieg in dieser Zeit zeigen: an seiner Fähigkeit, ein guter Trainer zu sein, hat der Skandal nichts verändert.

Seit dem Jahr 2006 zeigt die Erfolgskurve jedoch abwärts. Einzig ein Aufstieg mit Köln in die 1. Bundesliga und ein Supercupsieg mit Fenerbahce stehen noch in seinem Palmarès.

epa02667731 Frankfurt coach Christoph Daum directs his players during the Bundesliga match VfL Wolfsburg versus Eintracht Frankfurt at Volkswagen Arena in Wolfsburg, Germany, 03 April 2011.
(ATTENTION: EMBARGO CONDITIONS! The DFL permits the further utilisation of the pictures in IPTV, mobile services and other new technologies only no earlier than two hours after the end of the match. The publication and further utilisation in the internet during the match is restricted to six pictures per match only.)  EPA/PETER STEFFEN

Seine bislang letzte Station in der Bundesliga: Christoph Daum als Trainer von Eintracht Frankfurt im Jahr 2011. Bild: EPA/DPA

«Aus diesen Dingen gelernt»

Zuletzt wurde er im März 2014 beim türkischen Erstligisten Bursaspor entlassen, seither ist Daum ohne Job. Aber dafür hat er ein absolut reines Gewissen.

«Ich habe lange gebraucht, um Fehler einzugestehen», sagt Christoph Daum zehn Jahre nach dem Auffliegen der Kokainaffäre. «Das tut mir auch heute noch leid. Aber ich kann sagen, dass ich aus diesen Dingen gelernt habe.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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