DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Daum gibt nach langem Schweigen zu, dass er Kokain konsumiert hat.
Daum gibt nach langem Schweigen zu, dass er Kokain konsumiert hat.Bild: AP
Unvergessen

Christoph Daums Haarprobe sorgt für einen der grössten Bundesliga-Skandale

20. Oktober 2000: Leverkusens Trainer Christoph Daum gibt freiwillig eine Haarprobe ab. Damit will er beweisen, dass er kein Kokser ist. Die Aktion wird zum legendären Eigentor.
20.10.2021, 00:0119.10.2021, 13:49

Es ist ein Zitat für die Ewigkeit, das Christoph Daum von sich gibt. Am 9. Oktober 2000 tritt der Trainer von Bayer Leverkusen vor die Medien und verkündet, er habe freiwillig eine Haarprobe eingereicht, die beweisen soll, dass er keine Drogen konsumiere.

Das hatte ihm Uli Hoeness, der Manager von Bayern München und Daums erklärter Intimfeind, in der Öffentlichkeit vorgeworfen. Daum sitzt Christoph Daum also da auf seinem Podest und sagt:

«Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.»
Christoph Daum erzählt den Reportern, dass er freiwillig eine Haarprobe abgegeben habe, um die Gerüchte über seinen angeblichen Drogenkonsum verstummen zu lassen.
Christoph Daum erzählt den Reportern, dass er freiwillig eine Haarprobe abgegeben habe, um die Gerüchte über seinen angeblichen Drogenkonsum verstummen zu lassen.Bild: AP

Der Schuss geht nach hinten los

Keine zwei Wochen später fliegt ihm dieser Satz um die Ohren. Denn das Resultat der Haarprobe beweist: Daum hat gekokst. Leverkusen entlässt den Trainer fristlos und der DFB löst den ab Juli 2001 geltenden, aber bereits vereinbarten Vertrag als Bundestrainer auf. Daum flüchtet nach Florida.

Zwei Monate lang ist Daum von der Bildfläche verschwunden, dann kehrt er nach Deutschland zurück – und gibt wieder eine Medienkonferenz. An dieser gesteht Christoph Daum: «Ich habe Kokain zu mir genommen.»

Kurzzusammenschnitt der beiden legendären Medienkonferenzen von Christoph Daum.Video: YouTube/patrickoone

Seine Taktik ist es offensichtlich, locker zu bleiben. Er lacht selber, als er sagt: «Die Haaranalyse, die ich habe machen lassen, muss man im Nachhinein sagen, das war ein Fehler. Ich hab's mir auch anders vorgestellt.»

Kein Erfolg mehr in Deutschland

Die Reporter lachen ebenfalls und vielleicht ist diese Aussage der Grund dafür, dass die Trainerkarriere des Christoph Daum noch nicht beendet ist. Auch wenn es sechs Jahre dauert, bis er beim 1. FC Köln wieder einen Job in Deutschland erhält.

Nach der Kokainaffäre trainiert Daum zunächst Besiktas Istanbul, das er schon einmal gecoacht hatte, Austria Wien und Fenerbahce Istanbul. Drei Meistertitel und ein Cupsieg in dieser Zeit zeigen: an seiner Fähigkeit, ein guter Trainer zu sein, hat der Skandal nichts verändert.

Leverkusen-Manager Reiner Calmund erinnert sich an das Auffliegen der Kokainaffäre.Video: YouTube/kicker

Seit dem Jahr 2006 zeigt die Erfolgskurve jedoch abwärts. Einzig ein Aufstieg mit Köln in die 1. Bundesliga und ein Supercupsieg mit Fenerbahce stehen noch in seinem Palmarès.

Seine bislang letzte Station in der Bundesliga: Christoph Daum als Trainer von Eintracht Frankfurt im Jahr 2011.
Seine bislang letzte Station in der Bundesliga: Christoph Daum als Trainer von Eintracht Frankfurt im Jahr 2011.Bild: EPA/DPA

«Aus diesen Dingen gelernt»

Sein letzter Job endete 2017, als Trainer Rumäniens verpasste er die WM-Qualifikation. Ein 0:1 gegen Montenegro war das bislang letzte Pflichtspiel einer Mannschaft unter Christoph Daum. Kein Ruhmesblatt, aber dafür hat er ein absolut reines Gewissen.

«Ich habe lange gebraucht, um Fehler einzugestehen», sagt Christoph Daum zehn Jahre nach dem Auffliegen der Kokainaffäre. «Das tut mir auch heute noch leid. Aber ich kann sagen, dass ich aus diesen Dingen gelernt habe.»

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Zieh dir das mal rein: Koks-Werbung aus den 70ern

1 / 57
Zieh dir das mal rein – Koks-Werbung aus den 70ern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

In einem kolumbianischen Dorf wird mit Coca-Paste bezahlt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zugs sanfter Titan Cadonau kommt – Langnaus Verteidigung komplett
Der meisterliche Verteidiger Claudio Cadonau (33) wechselt auf nächste Saison zu den SCL Tigers. Er hat im Emmental einen Zweijahresvertrag bis 2024 unterschrieben.

Er gehört nicht zu den besten Verteidigern des Meisters – seine Eiszeit hält sich diese Saison in Zug im Rahmen (12:59 Minuten/Spiel) und bisher hat er erst ein Tor und ein Assist gebucht. Trotzdem hatte Claudio Cadonau von Zugs Sportchef Reto Kläy noch keine Absage für eine Vertragsverlängerung bekommen. Aber eben auch keine Zusage. Und so hat er nun dem Werben von Langnaus Sportchef Marc Eichmann nachgegeben, seine Zukunft geregelt und bei den SCL Tigers für zwei Jahre unterschrieben. Spätestens am Mittwoch will Langnaus Geschäftsführer Simon Lager den Transfer offiziell bestätigen.

Zur Story