Schulden: Stadt- und Landbewohner nähern sich beim Schuldenmachen an

10.09.15, 13:52

Landbewohner verschulden sich zwar weniger als Städter. Ihr Risiko steigt aber etwas an, während es in den Städten sinkt. Zudem bestätigt sich weiterhin, dass Junge oft früh in die Schuldenfalle geraten und jahrelang darin steckenbleiben.

Dass das Schuldenrisiko in den Städten sinkt, macht das Beratungs- und Inkassounternehmen Intrum Justitia am Donnerstag am Beispiel von Neuenburg dingfest. Diese Stadt mauserte sich vom einstigen Sorgenkind zur Kommune mit dem zweitkleinsten Verschuldungsrisiko hinter Thun.

Am anderen Ende der Skala findet sich Freiburg. Zwar ist dort das Verschuldungsrisiko gesunken, zu einer Rangverbesserung reichte es aber nicht. Am zweitgrössten ist das Risiko in der Schuldenfalle zu landen in St. Gallen.

Bei den Kantonen stieg das Risiko gemäss dem Intrum-Justitia-Radar 2015 allgemein an. Das Bild ist indessen uneinheitlich. Im ländlich geprägten Kanton Glarus ist das Risiko am geringsten, im Wirtschaftskanton Zug am höchsten.

Die Schuldenfallen blieben sich gleich. Hohes Absturzrisiko droht generell bei einer Veränderung der Lebenssituation: Beim ersten Auszug von Zuhause, im häufigen Wohnortwechsel oder bei einer Scheidung.

Nach wie vor sind Alleinstehende und Alleinerziehende einem deutlich höheren Schuldenrisiko ausgesetzt als Ehepaare oder gar Familien. Und ebenfalls gilt weiter: Je höher die Bildung, desto geringer das Schuldenrisiko.

Mobiltelefon und Gesundheitsrechnungen

Bei Jugendlichen zeigt es sich, dass sie oft früh in die Schuldenfalle geraten und lange darin stecken bleiben. Wer sich zwischen 18 und 25 Jahren erstmals verschuldet, läuft grösste Gefahr, nie mehr aus der Negativspirale herauszukommen. Nach Erkenntnissen von Intrum Justitia sind zwei von fünf Personen in dieser Altersklasse auch nach fünf Jahren noch verschuldet.

Jungen Frauen droht die Schuldenfalle im Gesundheitsbereich etwa bei unbezahlten Arztrechnungen oder versäumten Prämienzahlungen. Junge Männer verschulden sich eher für diverse Telekommunikationsgeräte und -angebote.

Auch hier gibt es einen Stadt-Land-Graben. In den Städten ist das Verschuldungsrisiko im Jugendalter höher, auch wenn die Tendenz hier allgemein sinkt. Dabei weisen junge Erwachsene französischer oder italienischer Sprache das höchste Risiko auf.

Zudem laufen Betreibungen bei rund zwei Drittel der Jugendlichen auf eine Pfändung hinaus. Und in zwei Fünfteln dieser Fälle kann nichts gepfändet werden und es kommt um Verlustschein. Die Jungen belasten den Steuerzahler stärker mit diesen Scheinen als die anderen Altersklassen. (sda)

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