Collien Fernandes tritt in Talkshow auf – das hat sie gesagt
Wie können Frauen besser vor digitaler Gewalt geschützt werden? Mit dieser Frage befassten sich am Sonntagabend die Gäste in der deutschen Talkshow von MOderatorin Caren Miosga. Das Gespräch generierte im Vorfeld besondere Aufmerksamkeit, weil die Schauspielerin Collien Fernandes, die kürzlich schwere Vorwürfe (siehe auch Hinweis am Ende des Texts) gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat, darin zu Wort kommt. Ulmens Anwalt bezeichnete Fernandes' Teilnahme als rechtswidrig.
Doch um die konkreten Vorwürfe gegen den Schauspieler ging es in der Talkshow dann gar nicht mal so sehr. Die erste Viertelstunde diskutierte Moderatorin Miosga das Thema grundsätzlich mit Fernandes, die durch ihre öffentlichen Vorwürfe eine deutschlandweite Debatte ausgelöst hat. Ob sie mit so viel Reaktion gerechnet habe, wollte Miosga auch wissen.
Sie habe mit sehr viel Hass gerechnet, erklärte Fernandes und habe deswegen auch unmittelbar nach dem Bekanntwerden ihrer Geschichte das Internet gemieden. Die grosse positive Resonanz habe sie hingegen «sehr überrascht». Dass deutschlandweit tausende Menschen auf die Strassen gehen, um gegen sexualisierte digitale Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren, «damit habe ich im Leben nicht gerechnet», erklärte die Schauspielerin.
Sie wirft ihrem Ex-Mann vor, über Jahre Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und über diese mit zahlreichen Männern kommuniziert zu haben. Dabei habe er auch Videos und Bilder einer Pornodarstellerin verschickt, die den Anschein erweckten, Fernandes nackt oder bei sexuellen Handlungen zu zeigen, so der Vorwurf, den sie bei Miosga erneuerte. Auch sei es in einigen Fällen zu Telefonsex gekommen, bei dem Männer davon ausgingen, mit ihr zu sprechen.
Fernandes spricht «vom Täter»
Darüber hinaus berichtete Fernandes im Studio:
Erfahren habe sie von den Fake-Profilen in ihrem Namen durch einen beruflichen Kontakt, der in dem Glauben war, mit ihr online geflirtet zu haben und sie bei einem Treffen darauf ansprach. Ulmens Namen erwähnte Fernandes bei ihren Schilderungen nicht, stattdessen sprach sie ausschliesslich vom «Täter».
«Was ist das für ein Gefühl, wenn man das entdeckt?», wollte Miosga von ihr über das Auffliegen der Fake-Profile wissen. Die Frage liess die Schauspielerin jedoch unbeantwortet. Auch wie sie es finde, dass es nun Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Nachstellung gegen Ulmen gebe, kommentierte sie nicht. Stattdessen machte sie an mehreren Stellen auf strukturelle Probleme beim Thema sexualisierte digitale Gewalt aufmerksam.
So passiere es häufig, dass Frauen, die digitale Gewalt zur Anzeige bringen, erleben, dass die Fälle «wegen Geringfügigkeit» eingestellt werden, kritisierte Fernandes. Das habe eine Signalwirkung an die Betroffenen. «Man muss sich in Deutschland nicht über dieses riesige Dunkelfeld wundern», erklärte sie mit Blick auf Fälle, die nicht zur Anzeige gebracht werden. Lobende Worte fand sie für die Handhabe gleichartiger Fälle in Spanien, wo es schärfere Gesetze gebe.
Hubig schweigt zu Fernandes Vorwürfen
Fernandes hat sowohl einen Wohnsitz in Deutschland als auch einen in Spanien. Nachdem sie dort Anzeige gegen Ulmen erstattet habe, habe sie von ihm ein umfassendes Schreiben bekommen, in dem argumentiert wurde, warum der Fall unbedingt in die Zuständigkeit der deutschen Justiz geholt werden solle, erzählte sie. Es sei jedoch noch nicht sicher entschieden, ob der Fall nun letztendlich in Spanien oder in Deutschland verfolgt werde. In Spanien drohten weitaus härtere Strafen bei Fällen digitaler Gewalt, erklärte Fernandes an anderer Stelle.
Im Vorfeld der Sendung hatte Ulmens Anwalt kritisiert, dass sich die Schauspielerin bei Miosga äussern wolle, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Miosga wies während der Sendung mehrfach darauf hin, dass für Ulmen die Unschuldsvermutung gelte.
Im zweiten Teil der Sendung diskutierte Miosga das Thema Schutz vor digitaler Gewalt unter anderem mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig. Zu Fernandes Vorwürfen wollte Hubig sich «überhaupt nicht äussern», unter Verweis darauf, dass es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele. Eine klare Antwort hatte sie auf Miosgas Frage, ob digitale Gewalt in Deutschland nicht ernst genug genommen werde. «Ich würde leider sagen Ja», so die SPD-Politikerin. Es gebe Strafbarkeitslücken bei diesem Thema, die in einem neuen Gesetzentwurf geschlossen werden sollen. So solle beispielsweise neben der Verbreitung auch bereits das Herstellen pornografischer Deepfakes strafbar werden.
Kritik an Bundeskanzler Merz
«Süddeutsche Zeitung»-Journalist Ronen Steinke gab zu bedenken, dass eine Gesetzesverschärfung vermutlich nur einen geringen Effekt auf die Häufigkeit von digitaler Gewalt habe. Stattdessen sei es für die Prävention wichtiger, wie sensibilisiert das soziale Umfeld für das Thema sei. Vor diesem Hintergrund kritisierte er die Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz. Bei einer Regierungserklärung am Mittwoch hatte Merz angesprochen auf das Thema digitale Gewalt gegen Frauen darauf verwiesen, dass «ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.»
In einem Fall, in dem der Beschuldigte «Christian heisst und weisser nicht sein könnte» mit dem Finger auf Zugewanderte zu zeigen, «das ist wirklich schäbig», erklärte Steinke. Zudem unterbinde es die Diskussion in der Gesellschaft, die es so dringend brauche. Auch Jura-Studentin Theresia Crone, die selbst Betroffene von digitaler Gewalt ist, kritisierte Merz scharf. Es fühle sich an, als sei ihre Gewalterfahrung ein politisches Instrument, so die 23-Jährige.
Ob auch sie Merz‘ Aussage deplatziert gefunden habe, wollte Miosga von Hubig wissen. Das würde sie so nicht sagen, antwortete die Justizministerin. Der Bundeskanzler habe schliesslich auch deutlich gesagt, dass er gegen Gewalt sei. Sie mahnte an, in der Debatte den Blick nicht von den eigentlich wichtigen Punkten abzuwenden.
Hinweis der Redaktion: Christian Ulmen wird von seiner Ex-Frau Collien Fernandes vorgeworfen, über Jahre Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber mit zahlreichen Männern kommuniziert zu haben. Er soll laut Fernandes künstlich generierte pornografische Inhalte, die ihr ähnelten, verbreitet haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die «initiale Berichterstattung» des «Spiegel» gerichtliche Schritte einzuleiten.
Verwendete Quellen:
- ARD-Sendung "Caren Miogsa" vom 29. März 2026

