Baby auf Kokain getestet: Kita-Kette von Schweizer Partners Group in USA unter Druck
Darüber berichtet die «NZZ am Sonntag». Seit dem Börsengang im Herbst 2024 hat die Aktie über 90 Prozent an Wert verloren. Von knapp 28,5 US-Dollar ist der Wert kontinuierlich auf bis aktuell 2,05 Dollar abgesackt.
Nun gerät das Unternehmen zusätzlich politisch unter Druck: Der demokratische Senator Jeff Merkley hat eine Untersuchung gegen Kinder-Care sowie die Learning Care Group eingeleitet, die beide Finanzinvestoren gehören. Merkleys Vorwurf: Private-Equity-Firmen wie die Partners Group stellten Gewinne über das Wohl der Kinder. Besonders kritisch sieht er, dass gewinnorientierte Betreiber Studien zufolge häufig beim Personal sparen, was sich negativ auf die Betreuungsqualität auswirken könne.
Im Fokus steht Kinder-Care auch wegen hoher staatlicher Subventionen. Allein 2024 erhielt das Unternehmen über 850 Millionen Dollar. Trotzdem kämpft der Konzern seit der Pandemie mit Problemen: Die Auslastung stagniert, zuletzt schrieb die Firma Verluste. Bei einem Umsatz von rund 2,7 Milliarden Dollar lasten zudem etwa 1,5 Milliarden Dollar Schulden auf dem Unternehmen. Vor dem Börsengang sollen dennoch hohe Dividenden von mehr als 300 Millionen Dollar an die Eigentümer geflossen sein.
Baby positiv auf Kokain getestet
Zusätzlich belasten zahlreiche Skandale das Unternehmen. Medienberichte dokumentieren Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung in verschiedenen Bundesstaaten – von unangemessenen Strafen wie das Einsperren eines Kindes bis hin zu gravierenden Vorfällen wie Verletzungen oder Drogenfunden in Einrichtungen. Im US-Bundesstaat Wisconsin soll ein 11-monatiges Baby positiv auf Kokain getestet worden sein. Die Droge wurde daraufhin im Rucksack einer der Mitarbeitenden gefunden.
Kinder-Care will von der Kritik nichts wissen und betont gegenüber der «NZZ am Sonntag», man wolle «Familien unterstützen und eine sichere, fördernde und hochwertige Lernumgebung bieten, in der sich ihre Kinder entfalten können».
Auch die Partners Group äussert sich gegenüber der Zeitung und weist die Kritik zurück. Sie sieht die Vorwürfe des Senators als Chance, ihren «unternehmerischen Investment-Ansatz» darzustellen. Man habe in Qualität und Personal investiert, etwa durch höhere Löhne und bessere Ausbildung. Zudem erfüllten 85 Prozent der Kinder-Care-Zentren erhöhte Standards, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen.
Sammelklage gegen die Kinder-Care-Führung
Dennoch drohen rechtliche Konsequenzen. Eine Sammelklage wirft dem Unternehmen, der Partners Group sowie den beteiligten Banken vor, Anleger beim Börsengang unzureichend über Risiken informiert zu haben. Da die Partners Group als Mehrheitsaktionär grossen Einfluss hatte, könnte sie mitverantwortlich sein.
Finanziell bleibt der Schaden begrenzt, da Kinder-Care nur eine von vielen Beteiligungen der milliardenschweren Schweizer Private-Equity-Gruppe ist. Doch der Imageschaden ist erheblich. Ob und wann sich Partners Group aus dem Investment zurückzieht, ist offen. (hkl)
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