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Der Fall «Maddie McCann» – eine Chronologie ihres Verschwindens

Der Vermisstenfall der kleinen Maddie McCann löste eine der grössten Suchaktionen der Geschichte aus. 15 Jahre nach dem Verschwinden hat die portugiesische Staatsanwaltschaft nun einen Verdächtigen im Fall benannt.
22.04.2022, 19:0322.04.2022, 21:10

Das Verschwinden der dreijährigen Britin Madeleine McCann vor 15 Jahren in der Algarve zählt zu einem der aufsehenerregendsten Fälle weltweit. Nun hat die portugiesische Staatsanwaltschaft im Fall «Maddie» zum ersten Mal einen Verdächtigen bekannt gegeben.

Eine Chronik des mysteriösen Verschwindens der kleinen Maddie McCann:

Das Verschwinden

Kurz vor ihrem vierten Geburtstag im Mai 2007 verschwindet Maddie aus dem Hotelzimmer einer Ferienanlage am Ferienort Praia da Luz in Portugal. Die Eltern speisten zum Zeitpunkt des Verschwindens in einer Tapas-Bar rund 50 Meter vom Zimmer entfernt. Bei einem Kontrollgang stellten sie fest, dass eines der drei Kinder nicht mehr im Bett liegt. Das Fenster des Apartments stand offen. Mit diesen Angaben wendeten sich die Eltern von Maddie an die portugiesische Polizei.

Während Wochen suchte die Polizei und freiwillige Helferinnen und Helfer nach der verschwundenen Maddie. Fotos des blonden Mädchens gehen um die Welt. Die Eltern flehen im Fernsehen mögliche Entführer an, das Kind freizulassen.

Kate und Gerry McCann zeigen während einer Pressekonferenz ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine (Maddie).
Kate und Gerry McCann zeigen während einer Pressekonferenz ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine (Maddie). Bild: keystone

Verdacht gegen die Eltern

Trainierte Spürhunde nehmen Anfang August 2007 im Auto der Eltern Leichengerüche sowie Blutspuren der Verschwundenen war, woraufhin die Eltern verdächtigt wurden. Diverse Medien berichten, die Eltern hätten die Leiche verschwinden lassen. Erst im März 2008 entschuldigten sich mehrere Boulevardzeitungen, die Eltern beschuldigt zu haben.

Im August 2008 veröffentlicht die portugiesische Polizei einige Ermittlungsakten zum Fall. Die Leichen- und Blutspuren seien nicht eindeutig Madeleine zuzuordnen. Für ein Verbrechen gebe es keine Beweise.

Grösste Suchaktion der Geschichte

Bild: sda

Die Eltern glauben weiterhin, dass ihre Tochter noch am Leben ist – und lassen nichts unversucht, um auf das Verschwinden ihrer Tochter aufmerksam zu machen: mit Bannern in Stadien, Plakaten an zahlreichen Flughäfen Europas, mit Besuchen beim Papst sowie mit der Gründung einer Stiftung. Gerald McCann sagt 2015: «Wir werden jeden Stein umdrehen, um nach ihr zu suchen».

Ein Teil der Suchaktion: Ein Banner flimmert während dem FA-Cup-Finale 2007 in Glasgow über den Bildschirm.
Ein Teil der Suchaktion: Ein Banner flimmert während dem FA-Cup-Finale 2007 in Glasgow über den Bildschirm.bild: wikipedia

Ermittlungen gegen Tatverdächtigen

Seit 2020 wird der deutsche Christian B. als mutmasslicher Entführer des Mädchens verdächtigt. Dies gibt die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Juni 2020 bekannt. Seither wird gegen B. wegen Verdacht des Mordes ermittelt. Der Mann verbüsst derzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen einer Sexualstraftat und Rauschgifthandels.

Den Ermittlern zufolge habe man B. in Verbindung mit dem Fall gebracht, da er sich zur Tatzeit in der Algarve aufhielt. Im Februar 2022 veröffentlicht der TV-Sender Sat1 eine Recherche zum Fall. Die Investigativdoku gibt Hinweise darauf, dass der Verdächtige zum Zeitpunkt des Verschwindens im Funknetz in der Nähe der Hotelanlage eingeloggt war.

Nun hat die portugiesische Staatsanwaltschaft den Deutschen Christian B. zum «formellen Verdächtigen» erklärt. Den Namen teilte die Staatsanwaltschaft der portugiesischen Region Faro in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme zwar nicht mit – sie betonte aber, deutsche Behörden seien aufgrund eines internationalen Rechtshilfeersuchens der portugiesischen Staatsanwaltschaft tätig geworden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um den inhaftierten Christian B., der unter Mordverdacht steht. B. sitzt zurzeit im norddeutschen Oldenburg (Niedersachsen) eine mehrjährige Haftstrafe wegen der Vergewaltigung einer Frau im Jahr 2005 in deren Haus in der Nähe von Praia da Luz ab.

Die Oldenburger Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag ganz allgemein, dass es jüngst ein Rechtshilfeersuchen aus Portugal gab, dem stattgegeben wurde. Details zu dem Beschuldigten nannte der Sprecher aber nicht. Das Verfahren werde in Portugal geführt, hiess es. Die formelle Einstufung einer Person als verdächtig stellt noch keine Anklage dar, ist aber eine Voraussetzung dafür. Denn die Massnahme unterbricht unter anderem die Verjährung, die nach portugiesischem Recht bei Mord nach 15 Jahren eintritt. Da das Mädchen am 3. Mai 2007 aus der Apartmentanlage in Praia da Luz verschwand, wäre die Verjährung schon in wenigen Tagen eingetreten.

B. bestreitet weiterhin, etwas mit dem Verschwinden von Madeleine zu tun zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

(cst, mit Material der sda)

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2 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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In vino veritas
22.04.2022 21:29registriert August 2018
Mich würde ein Auflistung der Theorien und ihre objektive Bewertungen interessieren.

Was hat es mit dem Beruhigungsmittel auf sich? Warum haben die Spürhunde angeschlagen? Die werden ja wohl kaum im Wagen Leichen spazieren fahren. Das Blut kann man doch auf DNA testen? Fragen über fragen, doch was bleibt ist ein wahrscheinlich totes Mädchen und viele Theorien...
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