Interview
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Texterin Vera Zingg (v.l.n.r), Multimedia-Produzent Marco Waldner und Filmer Robert Wittmer begeben sich auf die Spuren des Abfalls im Mittelmeer. bild: zvg

Interview

Wie diese 3 Zürcher das Mittelmeer vom Plastik befreien wollen

Sie sind zu dritt und wurden aufgeschreckt von den zahlreichen Berichten über Plastik in den Weltmeeren: Vera, Robert und Marco segeln sechs Wochen durch das Mittelmeer und hoffen, so viel Abfall wie möglich einsammeln zu können.



Vera, du segelst zusammen mit Robert und Marco durch das Mittelmeer, um Müll einzusammeln. Warum genau das Mittelmeer?
Vera Zingg: Weil es ein Hotspot für Plastikansammlungen ist. Wir Europäer haben eher einen Bezug zum Mittelmeer. Unser Projekt soll dabei helfen, den Menschen bewusst zu machen, dass auch im Mittelmeer sehr viel Abfall durch die Gegend schwimmt.

Wo beginnt euer Trip?
Mit unserem angemieteten Segelschiff segeln wir ab Athen los. Sobald wir auf dem Wasser unterwegs sind, fischen wir den uns entgegenkommenden Abfall aus dem Meer. Zudem haben wir einen Mikroplastikfilter, der das Meerwasser auf Kleinstpartikel untersucht und Netze, mit denen wir die Teile direkt aus dem Wasser fischen. Nebst dem Wasser wollen wir auch einige griechische Inselstrände vom Abfall befreien.

Was macht ihr mit dem eingesammelten Abfall?
Alles, was wir einsammeln, wird protokolliert. Wir zählen jedes einzelne Röhrli und jeden einzelnen Zigarettenstummel. Anhand dieser protokollierten Daten können WissenschaftlerInnen herausfinden, aus welchen Produkten sich der Abfall zusammensetzt und durch welche Massnahmen die Meeresumwelt besser geschützt werden kann – denn was wir weiterhin sehen wollen, sind gesunde Wale und Delphine ohne 40 Kilogramm Plastik im Bauch.

Eure Idee ist schön und gut. Aber ist es nicht auch etwas naiv zu glauben, dass ein Segeltörn das Mittelmeer vom Abfall befreien könnte?
Klar, in gewisser Weise ist sie das. Aber uns ist klar, dass wir die Welt zu dritt verändern können. Wir wollen mit unserem Projekt ein noch grösseres Bewusstsein für den Abfall im Meer und die damit einhergehende Lebensraumzerstörung vieler Meeresbewohner schaffen. Und wir wollen, dass sich die Leute darüber empören. Nur so wird sich längerfristig etwas ändern.

Hand aufs Herz: Wollt ihr nicht auch einfach schöne Ferien haben?
Absolut. Aber uns war es wichtig, Abenteuer und Ferien mit etwas Sinnvollem zu verbinden – und wir wollen zu einem nachhaltigeren Tourismus beitragen.

Was macht ihr mit dem eingesammelten Müll? Könnt ihr den auf dem Segelboot transportieren?
Darüber zerbrechen wir uns aktuell noch den Kopf. Allen Abfall können wir nicht auf dem Boot behalten, da es nicht so viel Platz hat. Daher müssen wir ihn wohl lokal entsorgen lassen. Wir versuchen derzeit mit lokalen Organisationen Kontakte zu schliessen, die sich für Abfallrecycling einsetzen. Einige Plastikstücke werden wir sicher mit nach Hause nehmen und der Forschung zur Verfügung stellen. Die Teile liefern möglicherweise wertvolle Daten.

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Blick ins Innere des Segelschiffs. bild: zvg

Anfang Juni kehrt ihr wieder nach Zürich zurück. Was wäre das Schönste, das in diesen sechs Wochen passieren könnte?
Dass wir mehr Wale und Delphine beobachten können, als Plastikteile einzusammeln. Aber das ist ziemlich sicher utopisch. Darum: Wir wollen ein Abenteuer erleben, Leute mit unserer Begeisterung für den Meeresschutz anstecken und so viel Abfall entfernen wie möglich. Und hoffentlich ganz viel tolles Bild- und Videomaterial mit nach Hause nehmen, damit wir den Menschen da draussen zeigen können, wie es dem griechischen Mittelmeer so geht.

Auf den Spuren des Abfalls

watson bleibt mit den drei Zürcher Segler und ihrer Suche nach den Spuren des Abfalls in Kontakt. Mitte Mai erzählen uns Vera, Marco und Robert was sie unterdessen erlebt haben und wie viel Plastik sie schon eingesammelt haben.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 27.04.2019 16:48
    Highlight Highlight Die, die sich empören sind meistens genau die, die dann gar nichts machen. Man hat sich ja empört, das muss reichen. Von daher ist dieser eine Satz wirklich stocknaiv.

    Aber ich finde es toll, dass die drei im Gegensatz zu so vielen anderen etwas machen!
  • tin-tin 27.04.2019 16:16
    Highlight Highlight Coole Aktion. Wünsche euch dreien viel Spass und Erfolg! Ladet doch Greta ein, vielleicht segelt sie auch gerne ;-)
  • Stinkmuff 27.04.2019 16:12
    Highlight Highlight Bleibt zu hoffen, dass die jeweiligen lokalen Behörden den Abfall nicht wieder irgendwo ins Meer werfen.
  • IchSageNichts 27.04.2019 16:08
    Highlight Highlight end-of-pipe solution ist ja nicht wirklich die Lösung
  • Shelley 27.04.2019 15:22
    Highlight Highlight Es ist wichtig, dass angefangen wird etwas zu machen, egal wie klein die Aktion ist, sonst wird es nie besser. In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass der ganze Müll gar nicht erst ins Meer kommt. Plastik sollte eh nur dort eingesetzt werden wo notwendig und richtig. Aber sicher nicht für „Rörli“, unnötige Verpackungen, Plasticksäckchen etc. Es ist sowieso schwachsinnig wertvolles Erdöl für Einwegprodukte zu verwenden.
  • BigDaddy 27.04.2019 14:49
    Highlight Highlight Ich Brummbär dachte kurz sarkastisch: andere sammeln etwas wertvollstes aus dem Mittelmeer. Aber diese geretteten Menschen möchte ja eh keiner aufnehmen, resp. man wird noch angezeigt, wenn man das macht.
    Aber dann... Ja, ist vielleicht sinnvoll. Aber gibt es nicht schon zig Leute, die uns vor Augen gehalten haben, wie viel Plastik im Meer ist? Ihr wollt den ein bissel rausfischen und den lokal entsorgen? Wahrscheinlich zählen ja schon die kleinen Gesten. Gutes Gelingen euch.
    • Laurel 27.04.2019 16:43
      Highlight Highlight Ich bin zuversichtlich; auf ihrem Segelboot findet hoffentlich auch wertvolles aus dem Mittelmeer Platz! Sie haben bestimmt ihr iphone mit dabei
  • Altruide 27.04.2019 14:45
    Highlight Highlight Finde den Grundgedanken gut und sehr "edel".
    Ich war an vielen teils fast unberührten Stränden in Griechenland inkl. Caretta Schildkröten 😍
    Was tatsächlich ein Problem war, war je nach Strömung kam mehr oder weniger Abfall an den Strand angeschwemmt. Teilweise auch gleich aus wenigen Kilometer entfernten Mülldeponien - daher ist das lokale Entsorgen vielleicht gar nicht so ökologisch wie man zuerst vermutet.
    Schön wäre es, wenn man allen Schiffen auf den Meeren einen Mikroplastikfilter einbauen könnte und jedes Schiff das so auf dem Meer herumfährt, gleich auch zur Säuberung beiträgt.
  • m. benedetti 27.04.2019 14:28
    Highlight Highlight Die Vermüllung der Umwelt ist tatsächlich ein grosses Problem, auch in der Schweiz. Der Kampf dagegen ist zwar weltweit im Gang, aber eigentlich grossflächig hoffnungslos, ausser man beginnt bei der Produktion. Dass ihr trotzdem nicht verzagt ist gut so.
  • Laurel 27.04.2019 14:24
    Highlight Highlight Ein Traum kann der Beginn zu Grossem sein; viel Erfolg beim Segeltrip! Dieser wird bestimmt in EUCH etwas bewegen. Ich hoffe, ihr werdet dank diesem Trip wirklich kreativ. Dass seit über 20 Jahren Fakten ignoriert werden und viele den Karda…&Je…r Familiys hinterhereifern, wir uns von Zal…do zumüllen lassen; und so immer genügend Material für euch liefern werden – ignorieren wir jetzt einfach mal. Ich bleib zuversichtlich, und setz auf euch.
  • Heinzbond 27.04.2019 14:15
    Highlight Highlight Wenn nur jeder etwas machen würde...

    Dann wäre es auch nicht so viel...
    • Heinzbond 27.04.2019 17:15
      Highlight Highlight Weshalb bitte schön blitzen?

      Es reicht ja wenn erst mal jeder auf dem Weg zur Arbeit, Familie oder in der Ausgang anfängt...
  • birkir einsteinson 27.04.2019 14:07
    Highlight Highlight Tolle Aktion👍 viel Glück!

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Herr Krämer, Sie sind Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik und entlarven als solcher gern zwielichtige Datenanalysen. Haben Sie derzeit eine Lieblingsstatistik? Walter Krämer: Ja. Das ist die Tabelle der Fussball-Bundesliga. Ich wohne direkt neben dem BVB-Stadion und bin seit mehr als einem Dutzend Jahren BVB-Aktionär.

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