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Gibt es bald einen neuen Auto-Giganten? Fiat Chrysler spricht mit PSA

30.10.2019, 15:0030.10.2019, 17:25
Fiat fusioniert sich hoch.
Fiat fusioniert sich hoch.
Bild: AP

Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) spricht mit dem französischem Auto-Riesen PSA über die Bildung eines globalen Autogiganten. Falls eine Abmachung gelinge, würde der weltweit viertgrösste Hersteller entstehen, hiess es am Mittwoch aus dem französischen Wirtschafts-und Finanzministerium.

«Es gibt laufende Diskussionen, die darauf abzielen, eine der führenden Mobilitätsgruppen der Welt zu schaffen», bestätigte FCA in einer knappen Erklärung. Die Gespräche seien erst am Anfang, erfuhr die Nachrichtenagentur aus Kreisen in Paris. Einen Termin zum Abschluss gebe es bisher nicht.

Der neue Verbund käme laut Branchenangaben auf einen Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen. Grösser seien nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund. Der französische Staat verfolge als wichtiger PSA-Anteilseigner die Gespräche mit «Aufmerksamkeit und Offenheit», hiess es.

Aktien ziehen an

Bild: EPA

Das «Wall Street Journal» hatte am Dienstag berichtet, Fiat Chrysler und PSA wären an der Börse zusammen rund 50 Milliarden Dollar wert. Peugeot-Chef Carlos Tavares soll den Konzern laut Zeitung als Vorstandsvorsitzender führen. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann – Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli – würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen.

Laut Medien wird eine Fusion «unter Gleichen» debattiert. Die Unternehmen machten zu Details zunächst keine Angaben. Die Aktien von FCA gingen in Mailand kräftig nach oben, die PSA-Papiere stiegen in Paris.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach.

Peugeot-Chef soll der neue Ober-Chef werden.
Peugeot-Chef soll der neue Ober-Chef werden.
Bild: AP

Fiat Chrysler wollte sich zuvor bereits mit dem französischen Hersteller Renault verbinden und den weltweit drittgrössten Autohersteller formieren. Die Gespräche scheiterten jedoch. Nach monatelangen Verhandlungen zog Fiat Chrysler im Juni seine Offerte für einen Zusammenschluss zurück.

Autobauer stehen unter Druck, denn sie müssen riesige Beträge in autonome Autos und Elektromobilität investieren. Eine mögliche Fusion bietet nach Ansicht des Experten Stefan Bratzel viele Chancen. PSA könnte so auf dem US-Markt Fuss fassen, sagte der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. PSA sei mit seinen Marken bislang nicht in Nordamerika vertreten. FCA hat hingegen eine starke Marktposition mit Chrysler, Dodge und Jeep.

Bild: EPA

Fiat ohne Elektroantriebe

In der Branche wird immer wieder auf Schwächen von Fiat Chrysler hingewiesen. Denn FCA hatte unter der Führung des mittlerweile verstorbenen Autobosses Sergio Marchionne auf grosse Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den grossen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in den USA erfolgreich.

Das hilft in Europa aber nicht beim Einhalten von CO2-Zielen spätestens ab 2021. Im Heimatkontinent von Fiat verliert der Konzern zudem Marktanteile und fuhr zuletzt nur haarscharf an einem operativen Verlust vorbei.

Der französische Staat drängt darauf, dass die industrielle Präsenz von PSA gewahrt bleibt, berichteten Kreise des Wirtschafts- und Finanzministeriums. PSA hat im Stammland Frankreich zahlreiche Fabriken. Der Staat hält über eine Förderbank 12,23 Prozent der Anteile von PSA und 9,75 Prozent der Stimmrechte. Weitere grosse Anteilseigner sind die Peugeot-Familie und der chinesische Hersteller Dongfeng.

In Rom hielt sich die Regierung zurück. «Es ist eine Marktoperation, ich glaube, es ist richtig, im Augenblick keine Erklärungen abzugeben», sagte Industrieminister Stefano Patuanelli laut Nachrichtenagentur Ansa. (aegsda/awp/dpa)

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Die Autoindustrie ist unter Druck

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