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Hundschopf, Eiger und tausende Fans – ein Bild, das wir womöglich bald nicht mehr sehen.
Hundschopf, Eiger und tausende Fans – ein Bild, das wir womöglich bald nicht mehr sehen.
Bild: EPA/KEYSTONE
Kommentar

Die Lauberhorn-Abfahrt muss und wird auch künftig zum Ski-Weltcup gehören

Wegen eines Streits um Millionen steht das wichtigste Skirennen der Schweiz auf der Kippe. Swiss-Ski und die Veranstalter der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen werden sich finden müssen. Ein Weltcup ohne dieses Highlight wäre so aufregend wie ein Winter ohne Schnee.
21.05.2020, 12:0821.05.2020, 13:08

81 Weltcuprennen sind für den kommenden Winter vorgesehen. 79 sind für die eingefleischten Fans, zwei gehören zu den wichtigsten Sportanlässen der Welt: Die Männer-Abfahrten in Kitzbühel und in Wengen.

Wenn an einem Samstagmittag im Januar die Hahnenkamm- und die Lauberhorn-Abfahrt stattfinden, sind die Rennen in Tirol und im Berner Oberland Strassenfeger. Ihre Sieger sind gefeierte Helden. Jeder, der es heil ins Ziel schafft, wird bewundert.

Die Sieger seit 1997

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Die Sieger der Lauberhorn-Abfahrt seit 1997
quelle: keystone / anthony anex
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Und nun soll die Lauberhorn-Abfahrt, das längste Rennen im Weltcup-Zirkus, nicht mehr stattfinden? Wegen ein bisschen Geld?

Man kann es sich nicht vorstellen und man will es sich nicht vorstellen. Das Lauberhorn. Schliessen wir die Augen, sehen wir die Strecke vor uns, als wären wir sie selber schon hundert Mal heruntergefahren. Dabei haben wir immer nur zugesehen.

Einzigartige, archaische Passagen

Am Start diese einmalige Bergkulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau. An einem sonnigen Tag vielleicht das schönste Panorama der Welt. Dann nach einer Gleitpassage die Anfahrt auf den Hundschopf. Ein Sprung ins Nichts, eine Mutprobe für Furchtlose. Kaum überstanden, geht's über die Minsch-Kante in den Canadian Corner, vorbei an tausenden johlenden und Raclette essenden Zuschauern durch den schmalen Alpweg.

Just another day at the office.
Just another day at the office.
Bild: KEYSTONE

Hinein in die Schlüsselstelle Kernen-S, wo schon so viele Favoriten den Sieg verschenkt haben. Brüsk gestoppt vom Fangnetz, weil sie das Risiko ausgereizt und einen Sekundenbruchteil zu spät gebremst haben. Oder zu stark gebremst und damit eine zu niedrige Ausfahrtsgeschwindigkeit haben. Nirgends ist der Skisport so archaisch wie hier und gleich danach, wenn es mit rund 100 km/h durch einen engen Tunnel geht.

Würde der Streckenverantwortliche eines neuen Veranstaltungsorts diese Ideen präsentieren, die FIS würde ihm ohne ihn lange anzuhören den Weg zur Türe zeigen. Viel zu gefährlich. Und das Rennen ist noch lange nicht vorbei. Im Haneggschuss donnern die Fahrer mit um die 160 km/h über die Piste. Und wenn Silberhornsprung und Österreicherloch überstanden sind, ist das Ziel-S nach bald zweieinhalb Minuten Fahrzeit der letzte Scharfrichter. Kein anderes Weltcuprennen ist so lange wie die viereinhalb Kilometer lange Abfahrt von der Lauberhornschulter auf 2315 m ü. M. ins Ziel in Wengen auf 1287 m ü. M.

Bestehende Strukturen überdenken

All diese Bilder sollen verschwinden? Zwischen Verband und Veranstalter gibt es Streit darüber, wie viel Geld von Swiss-Ski nach Wengen fliessen soll. Dieser Streit ist nun vollends eskaliert, weil der Schweizer Verband beim Weltverband FIS die Lauberhornabfahrt ab 2022 aus dem Weltcupkalender streichen liess. Am frei werdenden Datum soll anderswo in der Schweiz um den Sieg gefahren werden, vielleicht in Crans-Montana, dem möglichen WM-Ausrichter 2025. Auch über ein neues Rennen in Zermatt wird gesprochen. Zuvor hatten die Veranstalter in Wengen ein Gerichtsverfahren eingeleitet.

Die Vertreter von Swiss-Ski dürfen es in der momentanen Situation nicht zugeben, aber selbst sie wollen auf gar keinen Fall, dass die Lauberhorn-Abfahrt verschwindet. Sie zu opfern wäre ein Schuss ins eigene Bein.

Die jetzige, verfahrene Situation sollte Anlass dafür sein, um über bestehende Strukturen und Verantwortlichkeiten zu diskutieren. Wessen Ego das nicht zulässt, der sollte besser gehen und anderen das Ruder überlassen. Die Meinung der FIS ist klar: Es sei eines der grössten und bekanntesten Rennen, das man sicher nicht verlieren wolle, betonte FIS-Präsident Gian Franco Kasper schon Anfang Jahr.

Durchaus vorstellbar, dass eine Firma wie Red Bull sich mit dem Gedanken beschäftigen würde, mit den Veranstaltern gemeinsame Sache zu machen und ein Einladungs-Rennen mit den Topstars durchzuführen. Ob die dann lieber für schönes Geld am Lauberhorn fahren oder um Weltcuppunkte in Bansko oder Hinterstoder? Wo die TV-Zuschauer hinsehen würden, kann jetzt schon gesagt werden.

Ein Sprung ins Nichts: Beat Feuz am Hundschopf.
Ein Sprung ins Nichts: Beat Feuz am Hundschopf.
Bild: KEYSTONE

Der Berg ist der Star

Das Lauberhorn ist ein Mythos. Ein gutes Stück Schweizer Sportgeschichte in dem Sport, der unser Alpenland wie kein anderer prägte. Wir drückten Russi die Daumen und Zurbriggen, wir hofften auf Kernen, Cuche und Feuz. Und hatten wir Schweizer gerade keinen Siegesanwärter, adoptierten wir gerne Norweger, Amerikaner oder Italiener. Hauptsache, sie hielten die Österreicher in Schach.

Fahrer kommen und gehen. Der Berg bleibt. Wir müssen keine Angst haben, dass die Lauberhorn-Abfahrt aus dem Ski-Weltcup verschwindet. Selbst die grössten Streithähne der Alpen wären nicht so dumm, ihr bestes Pferd im Stall auf den Grill zu werfen.

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Alles Käse oder was? Die Swiss-Ski-Anzüge im Wandel der Zeit
quelle: keystone / zimmermann
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Dieser Streit über Winter eskaliert schnell

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