Afrika
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07845692 Supporters of Tunisia's jailed presidential candidate Nabil Karoui celebrate in front of his headquarters as results come in, in Tunis, Tunisia on 15 September 2019. The first round of the presidential election in Tunisia was held on 15 September.  EPA/STR

Anhgänger Karouis feiern in Tunis das starke Abschneiden ihres Kandidaten. Bild: EPA

Politisches Erdbeben in Tunesien – etablierte Parteien erleiden krachende Niederlagen

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Tunesien kommt einem politischen Erdbeben gleich. Die etablierten Parteien werden abgestraft. In die Stichwahl kommen zwei Kandidaten, die nur wenig mit dem alten System zu tun haben: «Robocop» und «Berlusconi».



Bei der Präsidentenwahl in Tunesien kommt es zu einer Stichwahl zwischen zwei politischen Aussenseitern. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis gewann der Verfassungsrechtler Kaïs Saïed die erste Runde der Wahl mit 18.4 Prozent der Stimmen, wie die Obere Unabhängige Wahlbehörde am Dienstag mitteilte. Dahinter lag der derzeit inhaftierte Medienunternehmer Nabil Karoui mit 15.6 Prozent. Ein Termin für die Stichwahl steht noch nicht fest.

Tunisian independent law professor Kais Saied speaks to his supporters and the media after advancing to the second round in the country's presidential elections, in his office in Tunis, Tunisia, Tuesday, Sept.17, 2019. Tunisia's electoral authority says that jailed media magnate Nabil Karoui and independent law professor Kais Saied are advancing to the country's presidential election runoff. (AP Photo/Mosa'ab Elshamy)
Kais Saied

Verfassungsrechtler Kaïs Saïed holte am meisten Stimmen. Bild: AP

Mit Nabil Karoui zieht ein Medienunternehmer in die Stichwahl ein, der von vielen als «Berlusconi Tunesiens» bezeichnet wird. Die Justiz wirft dem Chef des privaten Fernsehsenders Nessma TV Geldwäsche und Steuerhinterziehung vor. Die Vorwürfe sind bereits drei Jahre alt. Kurz vor Beginn des offiziellen Wahlkampfs vor drei Wochen wurde Karoui festgenommen. Seine Anhänger sehen darin ein politisches Manöver.

epa07846094 Nabil Karoui, businessman co-owner of a private TV station, who has been arrested and jailed in a case involving alleged tax evasion and money laundering, submits his candidacy for the presidential election in Tunis, Tunisia, 02 August 2019 (issued 16 September 2019). Media reports state that Nabil Karoui claimed to have won in the first round of Tunisia's presidential election. Official preliminary results are expected on 17 September.  EPA/STRINGER

Sitzt noch in Haft: Der zweitplatzierte Nabil Karoui. Bild: EPA

Wahlkampf von Tür zu Tür

Auch der Juraprofessor und Verfassungsrechtler Kaïs Saïed hat derzeit kein politisches Amt inne. Als unabhängiger Kandidat ging er im Wahlkampf von Tür zu Tür und versuchte, die Menschen so zu überzeugen. In den sozialen Netzwerken bezeichnen viele den 61-Jährigen als «Robocop», weil er im Gegensatz zu den anderen Kandidaten geschliffenes, monotones Hocharabisch spricht - und nicht den lokalen tunesischen Dialekt. Er gilt als konservativ und befürwortet, dass Homosexualität in Tunesien weiter unter Strafe steht.

Mit der Wahl der beiden Aussenseiter in die Stichwahl wurden vor allem derzeit amtierende Politiker und die Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien abgestraft. Ministerpräsident Youssef Chahed kam auf lediglich 7.4 Prozent der abgegebenen Stimmen, Verteidigungsminister Abdelkarim Zbidi lag mit 10.7 Prozent knapp davor. Und auch der Kandidat der islamisch-konservativen Ennahda, Abdelfattah Mourou, verpasste mit 12.9 Prozent deutlich den Einzug in die Stichwahl.

Current Tunisian Prime Minister and presidential candidate Youssef Chahed prepares to cast his ballot during the first round of the presidential election, in La Marsa, outside Tunis, Tunisia, Sunday Sept. 15, 2019. Tunisia is holding a cacophonous presidential election this weekend, with voters choosing among 26 candidates for a new leader who can secure the North African nation's young democracy and tackle unemployment, corruption and the economic despair in its provinces. (AP Photo/Riadh Dridi)

Erreichte lediglich 7.4 Prozent: Der amtierende Ministerpräsident Youssef Chahed. Bild: AP

Denkzettel für das Establishment

Für die etablierten Parteien sei das Ergebnis ein Denkzettel, findet Politikwissenschaftler Max Gallien von der London School of Economics. Beide Kandidaten stellten sich als Bruch zu den bestehenden Strukturen in Tunesiens politischem System dar.

Die Wahlbeteiligung lag mit 45 Prozent weit unter dem Wert der vorangegangenen Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren. Damals hatten knapp 63 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimmen abgegeben. Trotz umfassender demokratischer Reformen nach den arabischen Aufständen 2011 sind viele Tunesier unzufrieden und hadern vor allem mit der schlechten Wirtschaftslage.

In Tunesien hat der Präsident nur geringe Befugnisse und ist vor allem für die Leitlinien der Aussen- und Sicherheitspolitik verantwortlich. Bereits in drei Wochen steht die nächste Wahl in Tunesien an. Dann sind die Wähler aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. (sda/afp)

Wahlen in Tunesien

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

9
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

78
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

70
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

103
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

131
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

116
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

85
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

9
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

78
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

70
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

103
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

131
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

116
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

85
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • knight 18.09.2019 00:28
    Highlight Highlight pyros nach wahlen sind herrlich ;-)
  • Röschtigraben1 17.09.2019 21:51
    Highlight Highlight So wie ich gehört habe, soll die Stichwahl in 2 Wochen stattfinden.
    Kleine info: falls Karoui verurteilt wird, kommt automatisch der 3. Platzierte in die Stichwahl. Und das ist der Kandidat der Ennahda Partei die als islamistisch eingestuft wird. Auch Kaïs Saïd ist sehr konservativ. Die Menschen in Tunesien haben von daher die Wahl zwischen Pest und Cholera, wie viele sagen.

    Und übrigens, nur weil man rote Pyros ab brennt heisst das noch lange nicht, dass ein Land stabil ist.
  • bebby 17.09.2019 20:52
    Highlight Highlight Tunesien ist glaub ich der letzte erfolgreiche Rest des Arabischen Frühlings, hoffen wir, dass es so bleibt.
    Die Leute in Lybien und Aegypten sind hingegen mindestens so schlecht dran wie davor.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 17.09.2019 19:33
    Highlight Highlight Gerne nächste Woche ein Bericht über die Wahl, wer dann ins Parlament gewählt wurde.
  • Gapunsa 17.09.2019 18:39
    Highlight Highlight Wenn ich rote Pyros nach einer Wahl sehe ,weis ich dass ein Land stabil ist.
    • [Nickname] 17.09.2019 21:38
      Highlight Highlight Naja in der Schweiz sind es halt die Cüplis und das falsche Lachen danach in der SRF Tagesschau.

Samuel Little ist der schlimmste Serienmörder in der Geschichte der USA

35 Jahre lang hat er gemordet. In den ganzen USA - in welchem Ausmass hat bis heute niemand gewusst. Bis jetzt. Denn jetzt packt Samuel Little über all seine begangenen Morde aus - und das waren sehr viele.

Der zunächst wegen dreifachen Mordes in Kalifornien verurteilte US-Amerikaner hat im Zuge weiterer Ermittlungen bisher insgesamt 93 Morde gestanden. Damit sei der 79-jährige Little der schlimmste Serienmörder in der Geschichte der USA.

Das teilte die Bundespolizei FBI am Sonntag (Ortszeit) …

Artikel lesen
Link zum Artikel