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Martin Suter ist für einmal ganz erfreut über die Verfilmung seines Buches

14.01.2016, 07:5614.01.2016, 08:40

Die schärfsten Kritiker von Romanverfilmungen sind meist die Autoren der literarischen Vorlage. Martin Suter aber gefällt die Leinwandversion von «Die dunkle Seite des Mondes», die am Donnerstag in die Deutschschweizer Kinos kommt.

Das sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen, sagte Suter der Nachrichtenagentur SDA. Die Umsetzung seines Romans «Ein perfekter Freund» habe ihm beispielsweise gar nicht zugesagt. Auch die Verfilmung von «Der Teufel von Mailand» habe er nicht gemocht.

«Small World» dagegen habe ihn überzeugt, obwohl Gérard Depardieu ganz und gar nicht seiner Vorstellung von der Figur Konrad Lang entsprochen habe. Am Schluss des Films hätte er den Schauspieler umarmen können, so beeindruckt sei er von seiner Darstellung des Alzheimerkranken gewesen.

Jürgen Prochnow, Nora von Waldstätten, Regisseur Stephan Rick, Autor Martin Suter und Moritz Bleibtreu bei der Premiere von «Die dunkle Seite des Mondes» beim Zürich Film Festival im Oktober 2015.<br data-editable="remove">
Jürgen Prochnow, Nora von Waldstätten, Regisseur Stephan Rick, Autor Martin Suter und Moritz Bleibtreu bei der Premiere von «Die dunkle Seite des Mondes» beim Zürich Film Festival im Oktober 2015.
Bild: KEYSTONE

Ähnlich erging es dem Schriftsteller auch mit Moritz Bleibtreu, der in «Die dunkle Seite des Mondes» den skrupellosen Wirtschaftsanwalt Urs Blank spielt, der nach einem Pilzli-Trip die in ihm angelegte Gewalttätigkeit nicht mehr zu kontrollieren vermag.

Dass Bleibtreu nicht dem Bild entsprach, das Suter von der Figur hatte, hat ihn nur in den ersten Minuten irritiert. Danach habe er er das Gefühl gehabt, er habe sich den Blank genau so vorgestellt – «obwohl das gar nicht stimmte».

Erfahrung, Erfindung und Recherche

Besonders gut gefallen hat Martin Suter, dass der Regisseur dem Wald viel Raum gelassen hat – genauso wie er es im Roman getan hat. «Ich wollte damals, dass Leser und Leserinnen hinterher mit anderen Augen durch den Wald gehen».

Auch die filmische Umsetzung von Blanks Horrortrip fand Suter gut – selbst wenn der Einfachheit halber darauf verzichtet wurde, das Erlebnis wie im Buch aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen. Ob Suter selber so eine Erfahrung gemacht hat, wird er immer wieder gefragt.

Mit psilocybinhaltigen Pilzen nicht, winkt er ab. «Aber 1968 war ich 20. Damals kam man in dem Alter nicht ums Kiffen herum». Einen besonders heftigen Rausch habe er in Afrika erlebt, der sei aber nicht tel quel in «Die dunkle Seite des Mondes» eingeflossen.

Romane seien immer eine Mischung aus Erfahrung, Erfindung und Recherche. «Und schon 2000, als ich den Roman schrieb, waren im Internet massenweise Erfahrungsberichte über Pilz-Trips zu finden». Die hat Suter offenbar gut verwertet. Sogar der LSD-Entdecker Albert Hofmann lobte die Authentizität der Beschreibung.

Buch gegen Film – da gewinnt meist das Buch

Regisseur Stephan Rick und sein Drehbuchteam haben sich bei der Umsetzung des Bestsellers aus dem Jahr 2000 etliche Freiheiten genommen: Statt in einer vergleichsweise gemütlichen Schweizer Stadt spielt der Psycho- und Wirtschaftsthriller jetzt in den Stahl- und Glaspalästen von Frankfurts Bankenviertel.

Suter mit der Hauptdarstellerin.<br data-editable="remove">
Suter mit der Hauptdarstellerin.
Bild: EPA/KEYSTONE

Und der Flohmarkt, auf dem der biedere Blank sich in das Hippiemädchen Lucille verliebt, liegt nicht mehr in einem Stadtpark, sondern auf einer Waldlichtung. Dazu wurde ein mythischer Wolf als Leitmotiv eingeführt, das Wirtschaftsdelikt von Blanks Kontrahent Pius Ott völlig verändert und auch der Schluss massgeblich abgewandelt.

Martin Suter stört das alles nicht. «Die dunkle Seite des Mondes» sei sein am stärksten durchstrukturiertes Buch, sagt er. Beim Eindampfen von 320 Seiten Text auf 100 Minuten Film seien Straffung und Vereinfachung unabdingbar. «Am Schluss zählt nur, ob es ein guter Film geworden ist. Wenn er etwas mit meinem Buch zu tun hat – umso besser».

Beim Vergleich von Buch und Film, so schliesst der Schriftsteller, gewinne meist das Buch. Eine Ausnahme sei «The English Patient», da sei der Film besser geworden als das Buch. «Ich hoffe aber, das sagt man jetzt nicht auch über die Verfilmung meines Romans».

(sda)

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