US-Wahlen
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President Donald Trump and Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden during the first presidential debate Tuesday, Sept. 29, 2020, at Case Western University and Cleveland Clinic, in Cleveland, Ohio. (AP Photo/Julio Cortez)
Donald Trump,Joe Biden

US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden bei ihrer ersten Fernsehdebatte in Cleveland. Bild: keystone

Trump will Biden ausreden lassen – 5 Punkte zur letzten TV-Debatte vor den Wahlen

Heute liefern sich der Republikaner Donald Trump und der Demokrat Joe Biden das zweite und letzte Fernsehduell im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Fünf Dinge, die Sie über die TV-Debatte wissen müssen.

Renzo Ruf aus Washington / ch media



In der Nacht auf Freitag – um 3 Uhr Schweizer Zeit – treffen sich Donald Trump und Joe Biden zum zweiten und voraussichtlich letzten Mal zu einer Fernsehdebatte. Das Duell findet auf dem Gelände der Belmont University in Nashville (Tennessee) statt und soll 90 Minuten dauern, ohne Werbe-Unterbrüche. Hier sind fünf Dinge, die eine wichtige Rolle spielen werden.

Die Moderatorin

Die Debatte wird von Kristen Welker, 44 Jahre alt, moderiert. Welker, die von der «Commission on Presidential Debates», dem Veranstalter der TV-Debatten in der heissen Wahlkampf-Phase, ausgewählt wurde, ist seit fast zehn Jahren im Weissen Haus als Journalistin für den Fernsehsender «NBC» tätig. Ihre Eltern haben in den vergangenen Jahren Geld an Politikerinnen und Politiker der Demokraten gespendet.

Grund genug für den amerikanischen Präsidenten, ihre Unparteilichkeit in Frage zu stellen. «Sie ist eine Demokratin, ich kenne sie gut», behauptete Trump diese Woche, weil er das Gefühl hat, unentschlossene Wählerinnen und Wähler liessen sich von solchen Behauptungen beeinflussen. Trump beschuldigt Welker zudem, eigenmächtig die Debatten-Themen geändert zu haben. Vorgesehen war eigentlich eine Diskussion über Aussenpolitik; Welker kündigte aber an, sie werde auch Fragen zu Themen wie der Coronakrise, Rassismus in Amerika und Klimawandel stellen.

Der Präsident

In der ersten TV-Debatte pöbelte Trump gegen seinen Kontrahenten und den Moderator. Am Ende war er angeblich mit seiner Darbietung sehr zufrieden – bevor sein Umfeld ihn darauf hinwies, dass er wohl ein bisschen zu aggressiv vorgegangen sei. (Die Meinungsumfragen widerspiegelten, dass Trump im amerikanischen Publikum keinen guten Eindruck hinterliess.)

Nun hat sich der Präsident vorgenommen, stärker auf seine Berater zu hören. «Einige sagen, ich solle ihn sprechen lassen, weil er häufig den Faden verliert», sagte Trump diese Woche über Kontrahent Biden. Ob er sich aber an diesen gutgemeinten Ratschlag halten wird, ist alles andere als klar. «Manchmal hast du eine Strategie, aber dann musst du diese plötzlich ändern», sagte Trump.

Der Herausforderer

Biden muss sich darauf gefasst machen, dass er in der zweiten Debatte stärker im Rampenlicht stehen wird. Im ersten TV-Duell waren viele Amerikaner vor allem darauf gespannt, wie der 77-Jährige die konstanten Angriffe des Präsidenten parieren würde. Nun aber steht der Demokrat unter Druck, einige offene Fragen zu beantworten, denen er im Wahlkampf bisher ausgewichen ist.

So wird er sicherlich danach gefragt, ob er als Reaktion auf die Nomination der konservativen Richterin Amy Coney Barrett eine Vergrösserung des Supreme Courts in Washington befürwortet. Allem Anschein nach hat Biden bereits eine Antwort einstudiert. Dem Fernsehprogramm «60 Minutes» sagte er diese Woche, werde er zum Präsidenten gewählt, dann setze er eine Expertenkommission ein, die sich über die zunehmende Politisierung der Gerichte Gedanken machen werde.

Der abwesende Sohn

Trump wird alles daransetzen, die Karriere des 50 Jahre alten Biden-Sohnes Hunter zu thematisieren. Konservative Medien werfen dem Sprössling des ehemaligen Vizepräsidenten schon lange vor, er habe im Windschatten seines Vaters viel Geld als Berater verdient, indem er sich gegenüber ukrainischen oder chinesischen Geschäftspartnern als Verbindungsmann zu Joe Biden präsentiert habe.

Neuerdings gibt es Hinweise darauf, jedenfalls in den Augen von Trump-Verbündeten, dass Vater Biden finanziell von diesem Arrangement profitieren wollte. (Ein entsprechendes E-Mail stammt allerdings aus dem Jahr 2017, als Joe Biden nicht mehr als Vizepräsident tätig war.) Auch sei Hunter Biden Teil eines Geldwäsche-Skandals, in dem die Bundespolizei FBI ermittle, berichtete das Internet-Portal des Nachrichtensenders «Fox News Channel».

Biden hat diese Unterstellungen bisher scharf und emotional zurückgewiesen, auch weil Hunter schon lange mit einer Drogensucht kämpft. Der Demokrat wird dies auch am Donnerstag tun und sagen, der angebliche Skandal von ausländischen Mächten inszeniert worden sei; Biden muss aber aufpassen, dass er dabei nicht den Kopf verliert. Sein Image als besonnener Landesvater, der versöhnt und nicht spaltet, steht auf dem Spiel.

Der Zeitpunkt der Debatte

Mindestens 44 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner haben zehn Tage vor dem 3. November - dem eigentlichen Datum der Präsidentenwahl – bereits gewählt. Umgerechnet entspricht dies vielleicht einem Drittel aller abgegebenen Stimmen. Selbst wenn Trump oder Biden also in der letzten TV-Debatte einen groben Fehler machen, hielten sich die Auswirkungen in Grenzen.

Ein Blick auf die Meinungsumfragen zeigt: In den vergangenen Tagen sind die Zustimmungswerte für Präsident Trump gesunken, obwohl (oder vielleicht weil?) er jeden Tag Wahlkampf betreibt. Es ist ihm also nicht gelungen, mehr als 42 bis 44 Prozent der Amerikaner davon zu überzeugen, dass er gute Arbeit leistet. Schwer vorstellbar, dass dies ausreicht, wiedergewählt zu werden. (bzbasel.ch)

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