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Life-Hacks aus der Ära des Alkoholverbots: So einfallsreich waren die Schmuggler während der Prohibition

19.06.2016, 15:3303.02.2017, 16:55

Aufstrecken, wer weiss, was hier abgeht!

Tja, das, verehrte Damen und Herren, sind Vertreter der Polizeibehörde von Los Angeles beim Inspizieren eines beschlagnahmten Fahrzeuges, das einem Alkoholschmuggler gehörte. Zeitpunkt: Irgendwann während der langen, schmerzhaften Ära der Prohibition

Man meinte es ja gut – es ging u.a. um die lieben Kleinen.
Man meinte es ja gut – es ging u.a. um die lieben Kleinen.
bild: reflex.cz
Die Prohibition in den Vereinigten Staaten war das landesweite Verbot des Verkaufs, der Herstellung und des Transports von Alkohol von 1920 bis 1933. Unter dem erheblichen Druck der christlichen Enthaltungsbewegung schlug der Senat der Vereinigten Staaten den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten am 18. Dezember 1917 vor. 1920 trat er in Kraft.

Doch leider bewirkte die Prohibition genau das Gegenteil ihres Vorhabens, eine enthaltsame Nation zu schaffen: Die illegale Produktion und Verbreitung von Alkohol breiteten sich rasch aus, und die Regierung hatte weder die Mittel noch den Willen, jede Grenze, jeden Fluss oder See und jede illegale Kneipe zu überwachen. Allein in New York schätzt man, dass das Angebot von rund 5000 Bars vor 1920 auf 30'000 Speakeasies um 1927 stieg. 
QUelle: wikipedia

Und ebendiese Alkoholschmuggler und Schnapsbrenner – im Volksmund Bootleggers genannt – zeigten sich zunehmend erfinderisch, wenn es darum ging, ihre illegale Ware an den Augen des Gesetzes vorbeizuschmuggeln. Checkt mal das hier:

Das sind cow shoes, mit denen Spuren von Kuh-Hufen vorgetäuscht wurden. Viele Polizeiaktionen führten in abgelegene Waldregionen, da illegale Schnapsbrennereien und Bierbrauereien vorzugsweise dort verborgen waren. Menschliche Fussabdrücke waren da entlarvend. Gefälschte Hornvieh-Spuren sollten die Behörden auf die falsche Fährte locken.

Und wie wurden die diversen Alkoholika transportiert? In getarnten Lieferwagen wie dem oben abgebildeten, etwa ... oder in geschlachteten Schweinen:

Für die Damenwelt gab es diese gäbigen Behältnisse, die perfekt mit den damaligen Modetrends kombinierbar waren: 

Die Logik dahinter war, dass das zarte Geschlecht weniger von der Polizei behelligt würde (was freilich nur teilweise stimmte).

Bild: AP
Bild: pinterest
Bild: reflex.cz

Im Gebiet der Grossen Seen, an der Grenze zu Kanada (das keine Prohibition kannte), war der Alkoholschmuggel besonders intensiv. Hier etwa bietet ein fliegender Händler «frischen Fisch und Früchte» an. Ja, genau.

Und im Winter, wenn der Detroit River zufror, war es nur ein kurzer Weg von der kanadischen Grenzstadt Windsor nach Detroit:

Um die Aussichtslosigkeit zu illustrieren, mit der die Gerichtsvollstrecker bei der Schmugglerjagd konfrontiert waren, betrachte man einmal diese Karte:

Windsor, Ontario am Detroit River

Kein Wunder, konnte sich manch ein Bootlegger mit Autofahrten über den vereisten Detroit River eine goldene Nase verdienen.

Diese Überfahrten waren freilich nicht ohne Risiko. Die Schmuggler pflegten mit offener Tür zu fahren, damit sie sofort aussteigen konnten, sollte das Gefährt im Eis einbrechen.

Doch der Verlust von ein paar LKWs und ihrer Ladung war verkraftbar angesichts der ungeheuren Profite, welche das organisierte Verbrechen, an seiner Spitze Mafiabosse wie Al Capone oder «Legs» Diamond, einheimste.

Al Capone.
Al Capone.
Bild: AP
Jack «Legs» Diamond.
Jack «Legs» Diamond.
Bild: hvmag.com

Ausser in den Kreisen der Enthaltsamkeitsbewegung – deren Anteil an der Bevölkerung eher klein war – und in christlich geprägten ländlichen Gemeinden war die Prohibition nie populär. Weder beim Präsidenten (Woodrow Wilson hatte 1919 versucht, den 18. Zusatzartikel per Veto zu blockieren), noch bei den Behörden, die weder fähig noch willens waren, das Gesetz durchzusetzen. Und in der Bevölkerung hatte man je länger je mehr genug vom bewaffneten Kampf um Geschäftsanteile, den die illegale Branche zunehmend auf der Strasse austrug. Ausserdem wollte man sich wieder mal ungestört ein Bierchen gönnen.

Bild: reflex.cz
Bild: AP
Während der Grossen Depression wurde die Prohibition insbesondere in den grossen Städten zunehmend in Frage gestellt. Am 23. März 1933 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt ein als Cullen-Harrison Act bekannt gewordenes Gesetz, um Herstellung und Verkauf bestimmter alkoholischer Getränke zu erlauben. Am 5. Dezember 1933 hob die Unterzeichnung des 21. Verfassungszusatzes den 18. Zusatzartikel auf.
quelle: wikipedia

Als «The Noble Experiment» («Das ehrenhafte Experiment») wurde die Prohibition bei ihrer Einführung bezeichnet. Anfang der Dreissigerjahre waren sich fast alle einig: Das Experiment war gescheitert. Die Folgen sind bis heute noch spürbar.

Spätfolgen der Prohibition:
• Das organisierte Verbrechen etablierte sich erst dank der Prohibition im grossen Stil. Und obwohl den Alkoholschmugglern durch das Ende der Prohibition ihr Kerngeschäft genommen wurde, blieben die Strukturen bestehen – woraus sich der bis heute bestehende organisierte Drogenhandel entwickelte.
• Von einigen tausend kleinen und mittleren Brauereien vor der Prohibition blieb in den USA nur noch eine Handvoll Multis übrig, auch das Fachwissen der Braumeister ging weitestgehend verloren. Auch lag durch die grossflächige Rodung von Weinbergen der Weinbau noch jahrzehntelang darnieder. Dies schlug sich im Trinkverhalten nieder: Cocktails aus starken Spirituosen blieben in den USA auch nach der Prohibition noch lange beliebter als Wein und Bier.
• In den 1890er Jahren war Ethanol (aus Getreide) der erste in US-amerikanischen Automobilen benutzte Treibstoff. Die Prohibition zerstörte die zahlreichen Getreidebrennereien, die viele Landwirte zur Herstellung ihrer preiswerten Ethanolbrennstoffe benutzten. Dies führte zu erhöhten Ausgaben für die Landwirte und zum Umstieg auf ölbasierte Brennstoffe wie Benzin und Diesel.
quelle: wikipedia
Bild: reflex.cz

Geschichte – History

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