Demonstration beim Brennerpass am Samstag: Es droht ein Verkehrschaos
Am Samstag, 30. Mai, wird der Brennerpass wegen einer Demonstration vollständig gesperrt. Die Sperrung Richtung Süden trifft dabei nicht nur die Autobahn A13 zwischen der Mautstelle Schönberg (Tirol) und der Passhöhe in beide Richtungen, sondern sie gilt auch für die Ausweichstrassen B182 und L38. Die Sperre gilt von 11 bis 19 Uhr, für LKW sogar ab 9 Uhr.
Auch der Rückreiseverkehr aus Italien nach Deutschland ist betroffen. Die Autobahn A22 Richtung Norden wird ebenfalls gesperrt.
Auf einer der wichtigsten Verkehrsrouten in Europa, vor allem für den Verkehr zwischen Deutschland und Italien, droht ein Chaos. Auch Auswirkungen bis in die Schweiz sind nicht ausgeschlossen.
Alles, was du dazu wissen willst.
Wo liegt der Brennerpass – und warum ist er so wichtig?
Der Brennerpass, oder kurz Brenner, ist zusammen mit dem Gotthard, dem Simplon und dem Mont Cenis eine der wichtigsten Verkehrsrouten Europas – sowohl für den Tourismus als auch für den Warenverkehr. Er verbindet das österreichische Tirol mit dem italienischen Bozen und dem Südtirol und wurde in den 1960er-Jahren in Betrieb genommen.
Millionen von Autos und LKWs nutzen die Autobahn jedes Jahr. Gemäss der Betreibergesellschaft Asfinag hat sich das Aufkommen seit den 60er-Jahren fast versiebenfacht. 2025 befuhren beinahe 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen LKWs die Brennerautobahn. Allein der LKW-Verkehr ist seit 2010 um rund 40 Prozent gestiegen. Dies sorgt nicht nur für Stau auf dem Brenner, sondern auch auf den Nebenstrecken.
Und genau darum geht es bei der angekündigten Demonstration.
Was wollen die Demonstranten?
Die Verkehrsbelastung rund um den Brenner ist massiv – zum Leid der Menschen, die in der Gegend wohnen. Der Ausweichverkehr sorgt regelmässig für eine Belastung in den umliegenden Gemeinden – und das nicht mehr nur an einzelnen Tagen, sondern das ganze Jahr durch.
Dagegen wehren sich nun die Anwohnerinnen und Anwohner. Angemeldet wurde die Demonstration von Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Gries am Brenner. Er sagt der «Zeit»:
Es ist nicht der erste Versuch von Mühlsteiger. Bereits früher hat der Bürgermeister zwei ähnliche Demonstrationen angemeldet. Diese wurden allerdings nicht bewilligt – aus Angst vor einem Verkehrschaos.
Mühlsteiger ging dagegen juristisch vor – und bekam Recht. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht sah die Versammlungsfreiheit verletzt: «Ein Untersagen der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung am Brenner und im Wipptal mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum», hiess es damals.
Was sind die Folgen der Demonstration?
Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) rechnet mit einem Verkehrschaos, auch weil der betroffene Tag zu einem der verkehrsstärksten Tage des Jahres zählt: «Mehr als 30'000 Autoreisende könnten betroffen sein», heisst es. Denn in drei Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt) fallen Ferienzeiten zusammen, zudem ist in Italien der 2. Juni ein Feiertag.
Wie der ADAC schreibt, müsste an solch einem Tag auch ohne Demonstration bereits mit langen Staus gerechnet werden. Und wie der ADAC am Freitagmorgen mitteilt, staut es sich beim Brenner schon am Freitagmorgen. Das Verkehrschaos ist bereits vorprogrammiert.
Von Behörden aus Deutschland, Österreich sowie Italien gibt es deswegen Kritik. So heisst es etwa, die Sperre werde erhebliche soziale, ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen. Auch vor und nach der Totalsperre werden die Auswirkungen spürbar sein, etwa wegen gestiegener Transportkosten oder ausbleibender Touristen.
Was gibt es für Alternativen? Und was heisst das für die Schweiz?
Verschiedene Behörden raten Reisenden, die Gegend grossräumig zu meiden und auf eine Autofahrt wenn möglich zu verzichten.
Als Alternativrouten werden zudem, je nach Herkunftsregion, der Gotthard, San Bernardino oder der Reschenpass genannt. Allerdings sind auch diese Routen stark staugefährdet.
Die Totalsperrung dürfte nach Einschätzung der Schweizer Behörden allerdings nicht zu einer markant höheren Gesamtbelastung auf der Gotthard- und der San-Bernardino-Route führen. Das ASTRA rechnet zwischen Mitte Mai und Mitte Juni ohnehin mit einem hohen Verkehrsaufkommen.
Sollte es zu Staus auf der A2 und der A13 kommen, werde das ASTRA die bewährten Verkehrsmanagement-Massnahmen anwenden, hiess es. Reisenden empfehle man, die Verkehrslage vor der Abfahrt zu prüfen und genügend Zeit einzuplanen.
Das ASTRA steht nach eigener Aussage im engen Austausch mit den Partnerbehörden im In- und Ausland und namentlich in Österreich, Deutschland und Italien.
