Yonnihof
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Yonnihof Rotlicht

Bild: Shutterstock

Yonnihof

Kreis 4 Quartier-Tier



Viele Leute fragen mich, wie es ist, an der Zürcher Langstrasse zu wohnen. Das fragen sie meist so ein bisschen erwartungsvoll. Als ob gleich eine CSI-Folge losgehen oder man wenigstens in einer Vorabendsendung einen Nippel zu sehen bekommen würde. 

Schnell zur Spezifizierung: Ich wohne nicht an der Langstrasse selber, sondern an einer Querstrasse, ca. 20m entfernt, sehe aus meinem Erkerfenster jedoch genau auf den übelsten, dreckigsten, stinkigsten Abschnitt dieser sagenumwobenen Strasse. 

Und ich sage Euch: Ich liebe es. 

Im Haus ennet der Strasse liegt ein Bordell und ich habe während des Sommers, wenn's zu heiss ist, die abgeklebten Pufffenster geschlossen zu halten, schon manche Dame und in manche Dame hinein gesehen. Das ist im ersten Moment aufregend – so aufregend, dass sich bei meiner Einweihungsparty sowie bei all meinen Partys während des Sommers immer wieder regelrechte Trauben um mein Wohnzimmerfenster bilden. Und dann stellen sich sehr wichtige Fragen, wie: „Hat sie gerade seinen... OH GOTT!!“ und „Täuscht das, oder hat sie dazwischen nicht geduscht?“ Es erfolgte dann auch schon die eine oder andere Salve des Applauses, wenn der Akt denn erfolgreich vollzogen war. 

An der Ecke findet sich mein Lieblingstürkenlädeli, 24/7 geöffnet und mit den liebsten Verkäufern des Universums. Ich finde, man sollte Leute zum Anti-Aggressionstraining da hinschicken. Was diese Menschen an Besoffenen, Bekifften, Be-Anderesubstanzen-ten in stoischer Ruhe über sich ergehen lassen, ist unglaublich. Vielleicht sollte Carlos da mal ein Praktikum machen?

"Ghaufsch du gschiider Fläschli Rotwii, isch de Schlafmittel vom Natur."

Als ich vor Kurzem einmal schlaflos war und im Pischi mit Jacke drüber zum Türken ging, meinte meine Lieblingsverkäuferin: "Jetz ghaufsch du aber gheine Redbull wie immer, suscht ghasch du niemeh schlafe. Ghaufsch gschiider Fläschli Rotwii, isch de Schlafmittel vom Natur." Ich liebe sie unglaublich fest!

Ebenfalls herzallerliebst sind die Szenen, welche sich im Coop (liebevoll "Drogencoop" genannt) und im Denner im Quartier abspielen. Das Schöne ist: Ich kann samstags gleich nach dem Aufstehen, ungeschminkt und im Trainer da einkaufen gehen und fühle mich in keinster Weise underdressed.
Gerade erst beobachtete ich einen jungen, ziemlich alkoholisierten Herrn, der auf Italienisch auf eine Verkäuferin einredete und ihr sehr offensichtlich den Hof machte. Diese lachte herzhaft und versuchte ihm dreimal beizubringen, dass sie aus Brasilien sei. Er wollte das aber nicht hören. Für ihn war sie Italienerin und eine grosse Bellezza. Die Liebe kennt im Kreis 4 eben keine Nationalitäten. 

Seit ich hier wohne, wurde ich schon angerotzt, angepinkelt (jedoch nicht getroffen) und angemacht - aber auch unzählige Male angelächelt. Man hat mich schon für eine Kindergärtnerin gehalten und mich als schönste Frau der Welt betitelt. Mit einer Prostituierte hat mich noch niemand verwechselt - ich weiss nicht, ob ich deswegen ein bisschen beleidigt sein soll. Und - wichtig - ich hatte noch nie ernsthaft Angst. 

Das Langstrassenquartier ist chaotisch und bunt. Und ja, manchmal wird's auch brenzlig, ich will das nicht schönreden. Aber solange ich noch ungebunden und jung (oh ja, jung) bin, werde ich hier bleiben. An der "verrücktesten Strasse der Schweiz". 

Yonnihof

Yonni Meyer

Sie gilt als das neueste Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen - direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony - aber nicht weniger unverblümt.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dieter heck 08.04.2014 17:54
    Highlight Highlight der einzige artikel der wirklich gut ist. mehr davon.
  • Hans Peter 14.03.2014 09:26
    Highlight Highlight endlich ein Medium, welches mit Fotografien den Sachverhalt darstellt. Thx!
    Benutzer Bild
  • Cyprian Zając 12.03.2014 10:59
    Highlight Highlight Die Langstrasse wie man sie kennt. Auch sehr nett ist das Hard Quartier... wobei man morgens die Migros meiden sollte, weil man sonst von hippen, bio-einkaufenden, baby-um-den-bauch-tragenden Eltern verstörte blicke erntet wenn man im Trainer mit Sonnenbrille auftaucht. Zum Glück gibt es aber den Coop am Albisriederplatz.. egal wie zerstört man ist, es gibt immer mindestens jemanden der kaputter ist.

Yonnihof

Schwanger!

Vom Tag, der mein Leben für immer veränderte.

Ich hatte mir das alles ja ganz anders vorgestellt.

Ich dachte, mein Körper würde mir Rosamunde Pilcher-artig (rest in peace, Rosy) rückmelden, dass das Wunder des Lebens in mir reift. Süsse Lendenfrüchtchen-Vibes. Oxytocin-getränkte Benommenheit. Wie ein Nebel aus regenbogenfarbigen Einhorntränen würde sich die zukünftige Mutterschaft über meine Weltsicht legen. Den Brüdern Grimm würde SCHLECHT werden, da war ich mir sicher.

Am Ende waren da einfach nur diese riesigen Möpse. Wir waren …

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