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Warum viele Beziehungen im Februar enden – was Geld damit zu tun hat

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Warum viele Beziehungen im Februar enden – was Geld damit zu tun hat

Im Februar häufen sich die Trennungen. Nicht Untreue oder Alltag sind der häufigste Auslöser, sondern Geldkonflikte. Warum finanzielle Spannungen Beziehungen oft stärker belasten als fehlende Romantik und was du dagegen tun kannst.
19.02.2026, 14:2019.02.2026, 14:20
Olga Miler
Olga Miler

Wie war euer Valentinstag?
Romantisch gefeiert?
Bewusst ignoriert?
Oder vielleicht sogar gestritten?

Der Februar gilt als Trennungsmonat. Rund um den Valentinstag lässt sich in Daten tatsächlich ein Trennungsspitzenwert erkennen: Analysen von Beziehungsstatus-Änderungen und Suchanfragen zeigen, dass sich ein spürbar erhöhter Anteil von Paaren in der Zeit um den 14. Februar bis kurz danach trennt. Einzelne Auswertungen sprechen davon, dass rund 10 bis 15 Prozent aller Trennungen in diese Phase fallen.

Einer der stärksten Prädiktoren für eine Scheidung ist nicht Untreue. Es sind Geldstreitigkeiten.

Studien zeigen: Paare, die häufig über Geld streiten, haben eine bis zu 69 Prozent höhere Scheidungswahrscheinlichkeit. Rund ein Drittel der Menschen in Beziehungen nennt Geld als Hauptkonfliktquelle.

Dabei geht es selten nur um Zahlen. Es geht um Sicherheit. Macht. Fairness. Zukunft. Denn nicht der Kontostand entscheidet über die Stabilität einer Beziehung, sondern wie ihr mit Geld umgeht. Hier sind 4 zentrale Punkte, die jede Beziehung finanziell stabiler machen.

1. Geld ist nie nur Geld

Wenn Paare über Geld streiten, geht es selten wirklich um die 200 Franken für ein Wochenende oder um die neue Kaffeemaschine.

Oberflächlich schon.
Tatsächlich aber um viel mehr: Sicherheit, Freiheit, Wertschätzung, Kontrolle.

Geld ist in Beziehungen ein Machtfaktor – selbst dann, wenn niemand bewusst Macht ausüben will.

Wer mehr verdient, fühlt sich oft verantwortlicher.
Wer weniger verdient, fühlt sich schneller abhängig.
Wer alles organisiert, weiss mehr – und entscheidet mehr.

Und genau hier beginnt häufig das Problem – besonders dann, wenn eine Person die Hauptverantwortung für die Finanzen übernimmt und damit automatisch Wissens- und Entscheidungsmonopol entwickelt.

Studien zeigen: Wenn man Geldkonflikte statistisch berücksichtigt, verliert die reine Einkommenshöhe an Bedeutung für das Scheidungsrisiko. Heisst: Nicht der Kontostand destabilisiert Beziehungen – sondern ungelöste Spannungen rund um Geld.

Typische verdeckte Konflikte lauten:

  • «Ich trage mehr bei – also sollte ich mehr entscheiden.»
  • «Ich arbeite Teilzeit für die Familie – aber mein Beitrag zählt weniger.»
  • «Ich habe Angst vor Schulden – du gehst mit Risiko zu locker um.»

Mehr als Budgetfragen sind es Identitätsfragen, die zu Konflikten führen können.

Was ihr konkret tun könnt

1. Sprecht über eure Geldgeschichte
Welche Erfahrungen habt ihr mit Geld gemacht? Gab es Mangel? Streit? Sicherheit? Unsere finanzielle Prägung entsteht oft lange vor der Beziehung – und wirkt unbewusst weiter. Wer sie kennt, versteht auch die Emotion hinter dem Konflikt.

2. Definiert eure finanziellen Grundwerte und Geldtypen
Geht es euch primär um Sicherheit? Freiheit? Wachstum? Grosszügigkeit? Unterschiedliche Geldtypen sind normal – problematisch werden sie nur, wenn man sie nicht kennt. Wer sich damit vertiefen möchte, kann beispielsweise Ken Hondas Konzept aus «Happy Money» anschauen. Oft erkennt man sich oder den Partner in bestimmten Mustern wieder.

3. Macht Geld zum wiederkehrenden Thema – nicht zum Notfallgespräch
Wer nur spricht, wenn es brennt, verbindet Geld automatisch mit Stress. Regelmässige, strukturierte Gespräche – oder bewusst geteilte Verantwortung – helfen, Fakten von Emotionen zu trennen. So erkennt ihr Spannungsfelder früh, statt dass sich Emotionen über Monate aufstauen.

Finanzielle Souveränität in der Partnerschaft beginnt nicht beim Kontomodell, sondern beim gegenseitigen Austausch und Bewusstsein.

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2. Das klassische Gemeinschaftskonto ist nicht mehr Standard

Arbeitet ihr noch mit einem einzigen gemeinsamen Konto?

Für viele Paare funktioniert das gut. Doch der Trend geht klar in Richtung Mischmodelle. In den USA hat sich der Anteil der Paare mit sowohl gemeinsamen als auch getrennten Konten fast verdoppelt – von 9 Prozent auf 17 Prozent. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Paare ab, die sämtliche Finanzen vollständig zusammenlegen.

Ein Modell, das sich bewährt hat, ist das sogenannte 3-Konten-Modell:

  • Ein gemeinsames Konto für Fixkosten und Haushaltsausgaben.
  • Individuelle Konten: Für persönliche Ausgaben
  • Klare Regeln zu Einzahlungen und Transparenz

Entscheidend ist nicht das Modell selbst – sondern die Regeln, welche ihr festlegt:

  • Wer zahlt wie viel ein?
  • 50/50 – oder proportional zum Einkommen?
  • Welche Ausgaben gehören ins Gemeinschaftsbudget – welche nicht?

Gerade bei unterschiedlichen Einkommen ist eine prozentuale Aufteilung oft fairer als halbe-halbe. Sie verhindert, dass eine Person überproportional belastet wird – oder sich finanziell eingeschränkt fühlt.

3. Wer entscheidet – und warum das heikel ist

In vielen Beziehungen übernimmt eine Person die operative Finanzrolle.

Dabei sagen 97 % der Frauen und 93 % der Männer, dass wichtige Finanzentscheide idealerweise gemeinsam getroffen werden sollten.

Die Realität sieht anders aus.

Schweizer Studien zeigen: Langfristige Finanzentscheide – etwa zu Hypothek, Vorsorge oder grösseren Investitionen – werden meist von einer Person allein gefällt. Nur etwa jeder 10. Entscheid wird tatsächlich gemeinsam getroffen.

In einer UBS-Studie geben zudem vier von fünf Frauen, die sich nicht aktiv einbringen, an, sie überliessen Investitionsentscheide dem Partner oder der Partnerin, weil sie ihn oder sie für kompetenter halten.

Das Problem? Wer das Geld organisiert, hat meist mehr Informationen. Und wer mehr Informationen hat, beeinflusst die Richtung.

Das muss kein böser Wille sein.
Aber es schafft ein Wissens- und Machtgefälle – das in Krisensituationen, bei Krankheit oder im Trennungsfall plötzlich schmerzhaft sichtbar wird.

Drei Dinge, die ihr tun könnt

1. Vier-Augen-Prinzip bei strategischen Entscheiden
Hypothek, Vorsorge, Investitionen oder grössere Anschaffungen: Keine Entscheidung ohne gemeinsames Gespräch – auch wenn eine Person fachlich stärker ist. Kompetenz darf unterstützen, aber nicht ersetzen.

2. Informationsparität herstellen. Beide sollten jederzeit wissen:

  • Wo liegen welche Vermögenswerte?
  • Welche Versicherungen bestehen?
  • Welche Verpflichtungen oder Schulden laufen?
  • Wer hat welche Zugriffsrechte?

Eine gemeinsame Übersicht oder ein einfaches Finanz-Dashboard genügt. Entscheidend ist: Niemand ist vom Wissen des anderen abhängig.

3. Verantwortung bewusst teilen
Auch wenn eine Person gerne organisiert: Bereiche können rotieren oder gemeinsam vorbereitet werden. Eine recherchiert, die andere hinterfragt. So entsteht Mitverantwortung statt der Delegation.

Finanzielle Souveränität bedeutet nicht, alles gleich gut zu können. Aber es bedeutet, transparent informiert zu sein.

4. Der Gender Wealth Gap beginnt oft in Beziehungen

Frauen haben häufig andere Erwerbsbiografien als Männer. Trotz aller Fortschritte arbeiten in der Schweiz mehr als doppelt so viele Frauen in Teilzeit wie Männer.

Die Folge: geringere Einkommen, tiefere Pensionskassenbeiträge, weniger Vermögensaufbau und tiefere Altersrenten.

Was im Alltag pragmatisch wirkt, wird langfristig zur Vorsorgelücke.

Innerhalb der Partnerschaft wächst so ein oft unsichtbarer Vermögensunterschied – besonders in Konkubinatsbeziehungen kann das problematisch werden. Anders als in der Ehe gibt es hier keine automatische Absicherung über Vorsorge oder Erbrecht.

Was ihr konkret tun könnt

1. Vorsorgelücken aktiv ausgleichen
Wenn eine Person wegen Kinderbetreuung oder Teilzeit weniger einzahlt, könnt ihr zusätzlich ein Polster aufbauen oder z. B. die kleinere Säule 3a oder Pensionskasse aufstocken.

2. Absicherung transparent regeln
Erwerbsausfallversicherung, Risikolebensversicherung oder Todesfallabsicherung sollten gemeinsam geprüft werden – insbesondere, wenn eine Person finanziell stärker abhängig ist.

3. Konkubinat aktiv absichern
Unverheiratete Paare sollten prüfen, ob eine Begünstigung in der Pensionskasse möglich ist, ob ein Konkubinatsvertrag sinnvoll ist und wie die erbrechtliche Situation geregelt ist. Ohne klare Regelung besteht im Ernstfall kein automatischer Schutz.

Geld kann trennen. Oder verbinden.
Der Unterschied liegt in der Bereitschaft, die Finanzen gemeinsam zu gestalten.

Wie handhabt ihr das Thema Geld in eurer Beziehung? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 💰

Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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Bild: Evelyn Harlacher
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