Justiz
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Zürcher Obergericht zitiert «Jim Knopf» – und will Vater mit Sohn zusammen bringen



Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Hat es ans Obergericht Zürich geschafft: Jim Knopf. Bild: Warner Bros.

Bei einem Kindesschutz-Fall hat das Zürcher Obergericht das Kinderbuch «Jim Knopf und der Lokomotivführer» als Begründung beigezogen. Denn dort gibt es den Scheinriesen «Herr Tur Tur», der beim Näherkommen gar nicht mehr furchteinflössend ist.

Dass Juristen auf Kinderbücher verweisen, kommt selten vor. Bei einem Kindesschutz-Fall im Kanton Zürich kam das Obergericht aber zum Schluss, dass der Scheinriese «Herr Tur Tur» aus «Jim Knopf» eine hervorragende Veranschaulichung sei.

Denn «Herr Tur Tur» sieht nur von Weitem furchteinflössend aus. Beim Näherkommen schrumpft er auf normale Grösse zusammen. So verhalte es sich auch bei einem Vater, der seit zweieinhalb Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem heute 11-jährigen Sohn habe.

Um das furchteinflössende - weil mittlerweile unbekannte - Wesen «Vater» auf Normalgrösse schrumpfen zu lassen, verordnete das Obergericht sechs so genannte «Erinnerungskontakte», wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht.

Vor dem Bezirksgericht in Bülach ZH werden zwei Mordtaten verhandelt. Die Anklägerin beantragt lebenslänglich für alle drei Beschuldigten und zudem Verwahrung für den Hauptangeklagten. (Archivbild)

Obergericht Zürich Bild: KEYSTONE

Diese «Erinnerungskontakte» finden unter Aufsicht statt und sollen eine komplette Entfremdung zwischen Vater und Sohn verhindern. Im vorliegenden Fall wird die Polizei ermächtigt, den Sohn abzuholen und zu den Treffen zu bringen.

Kritik an den Eltern

Die Entfremdung passierte, weil die Mutter der Überzeugung war, dass der Vater ihrem Sohn schade. Ob dies tatsächlich zutrifft, geht aus dem Urteil nicht hervor. Tatsache ist jedoch, dass der Bub mit der Zeit eine grosse Furcht vor seinem Vater entwickelte. Der Vater wurde quasi zum Scheinriesen «Herr Tur Tur».

Vater und Mutter, die nie ein Paar waren, decken sich seit Jahren mit Vorwürfen ein. Das Gericht sparte in seinem Urteil denn auch nicht mit Kritik. Die Eltern sollten ihre Streitigkeiten «künftig vom Kind fernhalten».

Ihr Verhalten sei für eine Elternschaft äusserst hinderlich und für ein Kind schädlich, da es selbst an minimaler elterlicher Übereinstimmung fehle. Der Entscheid ist rechtskräftig. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Watson - die Weltwoche der SP 02.11.2019 12:32
    Highlight Highlight Ist Jim Knopf im Jahr 2019 noch politisch Korrekt?!
  • SwissWitchBitch 31.10.2019 20:20
    Highlight Highlight Dieses "vom Vater entfremden" ist eine absolute Sauerei und gehört bestraft! Leider bekommen die wenigsten Eltern bei einer Trennung sinnvolle Hilfe, und viele können auch nicht zwischen der Paar und Elternebene unterscheiden. Leiden tun letztlich die Kinder. Ich wünschte es gäbe mehr gute Familienbegleiter.
    • SwissWitchBitch 01.11.2019 10:50
      Highlight Highlight Habe ich was davon geschrieben dass das Aufgabe des Staates ist? Das ist es nur, wenn das Kindswohl gefährdet ist.
    • Bronko 01.11.2019 11:20
      Highlight Highlight The..: Der Staat begleitet auch nicht die Trennung, sondern sorgt dafür, dass Kind u. Vater zu ihren familiären Rechten kommen.
      Dass es dafür 2.5 J. brauchte, in welchen das Kind seelischen Schaden erlitten hat (Verlustängste, Bindungsprobleme etc.), ist schon traurig. Leider wird in solchen Fällen oft prinzipiell zuerst die Mutter geschützt u. der Mann/Vater prinzipiell verdächtigt, bevor genauer hin geschaut wird.
      K..: Es müsste eine Art Taskforce der Sozialbehörde geben, die man bei einem solchen Konflikt zur Sicherung des Kontaktes zw. Kind u. Vater sofort unkompliziert einsetzen könnte.
  • Mandarinchen 31.10.2019 20:08
    Highlight Highlight Schön zu lesen dass es in der heutigen Zeit auch noch Urteile mit Hirn und Verstand gibt.
  • Sherlock_Holmes 31.10.2019 18:54
    Highlight Highlight Eine wunderschöne Metapher.

    Bei Manchem was aus der Ferne bedrohlich, furchteinflössend und unüberwindbar erscheint, zeigt sich aus der Nähe betrachtet ein Weg oder ein Zugang.

    Dies gilt nicht selten sowohl für Aufgaben oder Problemstellungen als auch für Menschen.

    Der erste Schritt auf etwas oder aufeinander zu, ist der schwierigste und zugleich der wichtigste, denn er birgt in sich die Chance zur Veränderung – hin zu einer Lösung.

    Nicht immer ist es einfach, Erfahrungen und Ängste zu überwinden und neue Wege zu beschreiten, aber es lohnt sich.

    Das erwähnte Buch zu lesen übrigens auch.
  • Harry Zimm 31.10.2019 18:05
    Highlight Highlight Nur ein Detail, ich weiss - aber das auf dem Bild ist ein Bezirksgericht. Steht oben in güld’nen Buchstaben. Mit eins, zwei Klicks mehr wäre doch ein Obergerichtssymbolbild zu finden gewesen, nicht?
  • sch'wärmer 31.10.2019 17:49
    Highlight Highlight 👏

  • Karl Bukowski 31.10.2019 17:43
    Highlight Highlight Grossartiger Vergleich. Und der Mutter gehört links und rechts eins an die ...
    • PeteZahad 01.11.2019 08:16
      Highlight Highlight Finde es immer wieder interessant, wie Leute fähig sind sich durch eine äusserst kurzen Bericht ein Bild über die tatsächliche Situation zu machen um dann Menschen zu beurteilen.
    • Karl Bukowski 01.11.2019 14:49
      Highlight Highlight falls du dich weiterbilden willst, kannst du den sehr viel längeren Artikel darüber in der NZZ lesen. Aber vielleicht gefällst du dir ja besser in deiner pseudomoralischen Bewerterrolle
    • PeteZahad 02.11.2019 10:45
      Highlight Highlight Dann meinst du ich befürworte nach dem lesen Gewalt gegen eine Partei?

Interview

«Ich fühle mich wie ein Parasit» – Corona-Patientin berichtet aus Zürcher Spital

Eine 26-jährige Zürcherin ist am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Seither verbringt sie ihre Tage im Unispital Zürich. Wie es ihr aktuell geht und wann sie aus der Quarantäne entlassen wird, erzählt sie im Interview.

Anna, du wurdest am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet, wie geht es dir aktuell?Anna Meier*: Eigentlich nicht schlecht. Ich habe immer noch etwas Halsweh, Husten und eine verstopfte Nase.

Wo befindest du dich aktuell?Ich bin in einem Zimmer im Zürcher Unispital. Rausgehen darf ich nicht. Der Raum hat zwar einen Balkon, aber betreten darf ich ihn nicht. Wenn ich das Fenster öffnen will, dann nur mit Mundschutz.

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