Werden Benzin-Autos wirklich verschwinden? Diese Grafiken zeigen es auf einen Blick
Die Autoverkäufe in der Schweiz fallen auf den tiefsten Stand seit über 25 Jahren, wenn man die Pandemiezeit ausklammert – und der Markt wandelt sich rapide: E-Autos legen wieder zu, Hybrid-Autos sind am beliebtesten und klassische Benziner und Diesel werden zu Auslaufmodellen.
Auf Herstellerebene gilt: Tesla verliert, Skoda profitiert und die Chinesen bringen sich in Stellung. Aber natürlich gibt es noch andere spannende Entwicklungen.
Schweizer kaufen mehr E-Autos, aber …
53’250 neue Elektroautos kamen 2025 auf Schweizer Strassen, knapp 6700 mehr als ein Jahr zuvor. Damit sind deutlich über 250'000 reine E-Autos eingelöst, was einem Anteil am Bestand der Personenwagen von mehr als 5 Prozent entspricht. Mit dem erneuten Wachstum erobern batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) einen Marktanteil von 22,8 Prozent an den Neuzulassungen. Aber: Mit 15 Prozent ist die Wachstumsquote nur halb so gross wie in Europa. Selbst mehrere Schwellenländer in Asien und Südamerika sind drauf und dran, die Schweiz bei der Elektromobilität zu überflügeln.
Auch wenn teilelektrische Plug-in-Hybrid-Autos dazugenommen werden, kommen elektrifizierte Autos auf nur 34 Prozent an den Neuzulassungen (+6 Prozentpunkte). Rund jeder dritte Neuwagen von 2025 fährt also zumindest teilweise mit Strom. Bund und Wirtschaft verfehlen aber ihre eigene Zielvorgabe von 50 Prozent elektrifizierten Autos bis Ende 2025 deutlich.
Benziner und Diesel brechen ein
Auch klassische Hybridautos ohne Ladeanschluss, die allerdings kaum CO₂ einsparen, legten nochmals leicht zu. Hybride machen inzwischen ein gutes Drittel, konkret 35 Prozent der Neuzulassungen, aus.
Die Verkäufe von herkömmlichen Benzin-Autos gingen um 20 Prozent zurück, Diesel-Autos brachen um 29 Prozent ein. Der Marktanteil von Benzinern ist in wenigen Jahren von 60 auf 24 Prozent gefallen, jener von Diesel-Autos von 40 auf 7 Prozent. Zusammen erreichen sie weniger als ein Drittel der Neuzulassungen.
Swiss eMobility-Direktor Krispin Romang bilanziert: «Nach der Stagnation der vergangenen Jahre stellen wir wieder einen Aufwärtstrend fest. Doch der Markt wächst langsamer als nötig. Die CO₂-Zielwerte 2025 wurden nicht erreicht.» Da zu wenig Stromer verkauft wurden, drohen den Autoimporteuren laut dem Verband Auto Schweiz dieses Jahr Strafen in dreistelliger Millionenhöhe.
Der VW-Konzern fährt allen davon
Der VW-Konzern baut seine Führung im Schweizer Stromer-Markt aus. Mit einem E-Auto-Wachstum von rund 35 Prozent – weit über dem Marktdurchschnitt von 15 Prozent – kontrollieren die VW-Marken ein Drittel des Elektroauto-Marktes. Der frühere Dominator Tesla schrumpft und hält noch rund 12 Prozent am E-Auto-Segment. Geely aus China mit Marken wie Volvo und Polestar, BMW inklusive Mini und Hyundai-Kia folgen knapp dahinter.
Beim VW-Konzern konnten alle Marken – VW, Audi, Cupra und Porsche – mehr E-Autos absetzen. Die Deutschen profitieren primär davon, dass die Tochtermarke Skoda ihre E-Auto-Verkäufe verdoppelte.
Weitere Autokonzerne mit nennenswerten Anteilen am E-Auto-Markt sind Renault-Nissan sowie Stellantis mit Marken wie Peugeot, Citroën, Opel und Fiat.
Tesla bricht ein …
2025 verkaufte Tesla bei uns 28 Prozent weniger Autos als im Vorjahr, obwohl insgesamt 15 Prozent mehr Elektroautos gekauft wurden.
Tesla-Verkäufe in der Schweiz von 2020 bis 2025
Für das schwache Ergebnis dürfte Teslas kleine und zunehmend überalterte Modellpalette, Elon Musks politische Aktivitäten und zahlreiche neue E-Modelle von Rivalen gleichermassen von Bedeutung sein.
Tesla war in den letzten zehn Jahren fast durchgängig die populärste E-Auto-Marke der Schweiz. Doch die Absatzprobleme in anderen Ländern zeigen sich auch hierzulande: Konnten die US-Amerikaner 2024 bei uns 8936 E-Fahrzeuge verkaufen, waren es 2025 noch 6448.
Im vergangenen Jahr ist Teslas Anteil an allen Pkw-Verkäufen auf unter 3 Prozent gefallen. Mit einer aussergewöhnlich grossen Auslieferungsmenge im Dezember verhinderte Elon Musks Autokonzern einen noch grösser Absturz. Dies sollte aber nicht mit einer nachhaltigen Erholung verwechselt werden. Auch 2026 dürfte für Tesla ein schwieriges Jahr werden, da die Konkurrenz immer schneller neue E-Modelle auf den Markt bringt.
… bleibt aber knapp die beliebteste E-Auto-Marke
Tesla blieb 2025 trotz Reputationsverlust mit einem winzigen Vorsprung die meistverkaufte E-Auto-Marke der Schweiz. Mit einem Schlussspurt im Dezember fingen die US-Amerikaner den Rivalen Skoda auf der Ziellinie ab. Ende Jahr standen 6448 Teslas 6307 elektrische Skodas gegenüber, eine Differenz von gerade mal 141 Fahrzeugen.
Noch im November sah es so aus, als würde der tschechische Autohersteller Skoda, der zum VW-Konzern gehört, erstmals die populärste E-Auto-Marke der Schweiz werden.
Zwar erzielte Skoda auch im Dezember rekordverdächtige E-Auto-Auslieferungen, aber Tesla konnte sich mit einem extrem starken Finish doch noch die E-Auto-Krone sichern. Anders als in den Vorjahren war es für Musks Autokonzern kein Start-Ziel-Sieg mehr, sondern ein hart umkämpftes Rennen.
Skodas E-Auto-Verkäufe gehen durch die Decke
Tesla und Skoda liegen in der Schweiz fast gleichauf in Führung – allerdings mit unterschiedlichen Vorzeichen: Während Tesla im Rückwärtsgang fährt, konnte Skoda seinen Stromer-Absatz nahezu verdoppeln (+97 % gegenüber 2024).
Skoda legte von 3204 E-Autos im Jahr 2024 auf 6307 Stück im abgelaufenen Jahr zu. Den Tschechen scheint es von allen Marken am besten zu gelingen, Verbrenner-Umsteiger und potenzielle Tesla-Kunden für sich zu gewinnen.
Mit gebührendem Abstand folgen Audi, VW, Volvo und BMW auf den Rängen drei bis sechs der meistverkauften E-Auto-Marken. Dahinter zeigt Renault einen Aufwärtstrend, der primär dem Erfolg des Elektrokleinwagens Renault 5 geschuldet ist.
Der Renault 5 ist der beliebteste Elektro-Kleinwagen
Der kleine Retro-Stromer aus Frankreich fährt im ersten Verkaufsjahr auf Rang 7 der meistverkauften E-Autos der Schweiz. In den Top 20 ist kein weiterer Elektrokleinwagen zu finden. Die vordersten Plätze werden von mittelgrossen und grossen Stromern dominiert.
Teslas Model Y bleibt das meistverkaufte E-Auto
Musk hin oder her: Tesla hat weiterhin eine grosse Fangemeinde in der Schweiz und das Model Y war im vergangenen Jahr trotz eines Verkaufsrückgangs um 23 Prozent einmal mehr das meistverkaufte E-Auto.
Auch eine günstigere Version des Model 3, die seit Dezember angeboten wird, könnte Tesla in diesem Jahr helfen, den früheren Verkaufsschlager zurück in die Top 10 zu bringen. Ob dies gelingt, wird stark davon abhängen, wie rasch die Rivalen ihre teils deutlich günstigeren E-Autos auf den Markt bringen.
Das Model Y grüsst von Rang 1. Aber acht Modelle aus den Top 15 stammen aus dem VW-Konzern und zehn Modelle aus den Top 15 kommen von deutschen Herstellern.
Der Elektro-Neuling des Jahres kommt von Skoda
Skodas neuer Elektro-SUV Elroq schlägt in der Schweiz voll ein. Der mittelgrosse SUV fuhr 2025 aus dem Stand auf Rang 2 der beliebtesten Elektroautos.
In diesem Jahr haben die Tschechen mit dem kleineren und günstigeren Skoda Epiq den nächsten potenziellen Verkaufshit in den Startlöchern. Der Elektro-SUV wird bei rund 25'000 Euro starten (Schweizer Preise sind noch nicht bekannt), während das günstigste Tesla-Modell mindestens 37'000 Franken kostet.
Die China-Hersteller legen los
2025 sind die chinesischen Marken in der Schweiz angekommen. Prozentual deutliche Zuwächse erreichten MG, Leapmotor und BYD, allerdings auf noch niedrigem Niveau. Das Trio belegt mit jeweils weniger als 1000 E-Auto-Verkäufen die Ränge 20, 21 und 25. Ein Blick auf andere europäische Länder, wo die Chinesen ein, zwei Jahre früher losgelegt haben, lässt erahnen, dass sich dies bald ändern könnte. In mehreren europäischen Ländern verkauft BYD bereits mehr E-Autos als Tesla.
