International
USA

Vorwahlen in Iowa: So kam es zum Resultate-Chaos

Diese App ist schuld: So kam es zum Resultate-Chaos in Iowa

Chaos statt Aufbruch: Die Demokraten sind in den Vorwahlkampf gestolpert. In Iowa versagte wohl eine neue App zur Ergebnisübermittlung. Die Partei hatte aus ihr ein grosses Geheimnis gemacht.
04.02.2020, 12:3411.02.2020, 09:47
Johannes Bebermeier / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die Bewerber sind sauer, der Spott ist riesig: Im Bundesstaat Iowa wollten die US- Demokraten mit einem grossen Spektakel in den Wettbewerb um die US-Präsidentschaftskandidatur starten. Doch auch Stunden später ist noch nicht klar, wer nun eigentlich gewonnen hat. Die Partei sah sich am Montagabend nicht in der Lage, Ergebnisse zu veröffentlichen.

Die Demokraten in Iowa begründen die Verzögerung damit, dass sie Ungereimtheiten in drei Ergebnissen festgestellt hätten. Die Stimmen sollen nun per Hand überprüft werden. Es habe keinen Hackerangriff gegeben.

Elizabeth Hendrix, of Des Moines, Iowa, precinct captain for Democratic presidential candidate former South Bend, Ind., Mayor Pete Buttigieg, tries to persuade Tim Gannon, of Des Moines, Iowa, to join ...
Lange Gesichter bei den Demokraten in Iowa.Bild: AP

Nicht ausreichend getestet?

US-Medien berichten hingegen, dass es Probleme mit der App und auch der Telefonhotline gegeben habe. «Die App, über die die Ergebnisse an die Partei gemeldet werden sollten, hat versagt; das Backup-Telefonsystem hat auch versagt», schrieb Joe Bidens hochrangige Kampagnen-Mitarbeiterin Dana Remus. 

Wie die «New York Times» berichtet, soll die App sehr kurzfristig in den vergangenen zwei Monaten entwickelt worden sein. Es habe keine ausreichenden Tests gegeben, in der eine bundesstaatenweite Übermittlung von Ergebnissen simuliert worden wäre, wie der Zeitung mehrere anonyme Quellen gesagt haben.

Mehrere Verantwortliche in Iowa berichteten am Montag von Problemen mit der App und der Telefonhotline, als sie die Ergebnisse ihres Bezirks übermitteln wollten. Einige sollen eine Stunde lang in der Warteschlange gehangen haben. 

Die Demokraten in Iowa hatten laut «New York Times» ein Geheimnis daraus gemacht, welche App sie nutzen. Nun berichtet die Zeitung, dass es sich um ein Programm der Technologiefirma Shadow handelt. Die Abteilung Cyber-Sicherheit beim Heimatschutzministerium hat erklärt, dass die Behörde die App nicht überprüft habe. 

«Noch nicht bereit für die Prime-Time»

Eine anonyme Quelle sagte der «New York Times», dass es schon vorher die Sorge gab, dass die App an Orten mit schlechter Netzabdeckung nicht funktionieren könnte. Oder dass es die Netze überlasten könnte, wenn viele Menschen gleichzeitig die Ergebnisse abliefern wollten.

Auch die Geheimniskrämerei um das Programm sei infrage gestellt worden. «Das ist eine dringende Mahnung, dass Online-Wahlen noch nicht bereit für die Prime-Time sind», sagte der Informatikprofessor J. Alex Halderman der Zeitung.

Auch wenn die Ergebnisse aus Iowa im Laufe des Tages manuell übermittelt werden und feststeht, ob Bernie Sanders sich zu Recht zum Sieger erklärt hat: Das App-Problem wird die Demokraten weiter beschäftigen. Im Bundesstaat Nevada steht am 22. Februar die nächste demokratische Vorwahl an. Die Ergebnisse müssen auch hier aus den Bezirken in die Zentrale übermittelt werden. Zum Einsatz kommen soll dafür: dieselbe App wie in Iowa.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Demokraten kandidieren gegen Trump
1 / 7
Diese Demokraten kandidieren gegen Trump
Bernie Sanders, Senator aus Vermont, Jahrgang 1941. Sanders ist zwar ein unabhängiger Senator, aber Mitglied der demokratischen Fraktion.
quelle: epa/epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie klingen die Farben von Trump, Globi und Andreas Thiel?
Video: watson
Neuer Index zeigt: Schweiz bietet weltweit beste Bedingungen für den Kapitalismus
Die Schweiz bietet laut einem neuen Index der University of Virginia weltweit die besten Bedingungen für den Kapitalismus. Rückwirkend berechnet lag sie 2009 noch auf Rang 5. Grund für den Aufschwung sind die starken Banken.
Die Schweiz führt den neuen Global Capitalism Index (GCI) an. Mit 96,9 von 100 möglichen Punkten liegt sie 2025 vor den USA (95,0), Hongkong (94,5), Kanada (93,8) und Singapur (93,3). Das zeigt die erste Ausgabe des Index, den Forschende der University of Virginia Anfang Oktober veröffentlicht haben. Auf dem letzten Platz der 161 bewerteten Länder liegt Venezuela mit 8,9 Punkten.
Zur Story