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Die ETH Zürich schneidet in 13 Studiengängen im neuen QS-Hochschulranking unter den Top 10 weltweit ab. Nur sechs andere Universitäten in den USA und Grosbritannien haben mehr Top 10-platzierte Studiengänge, darunter Cambridge, Harvard und Oxford. (Archivbild)

Hauptgebäude der ETH in Zürich. Ein Hochschulabschluss allein reicht heute nicht mehr aus. Bild: KEYSTONE

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung – bis zur Erschöpfung?

Eine Studie der Denkfabrik avenir suisse zeigt die Bedeutung der Weiterbildung im digitalen Zeitalter auf.



Wenn es darum geht, was bei einem Hauskauf wichtig sei, lassen sich Immobilienhändler gerne mit folgendem Spruch zitieren: «Drei Dinge: Lage, Lage, Lage.» Geht es um das Thema Karriere, sind Ökonomen, Manager und Unternehmen gerne mit einer Abwandlung dieses Spruchs zur Hand. Er lautet: «Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung.»

In der digitalen Gesellschaft ist Weiterbildung zu einem Faktor geworden, ohne den gar nichts läuft. Während die Boomer-Generation einst entweder eine Lehre oder ein Studium abgeschlossen hat, um danach ihren Beruf bis zur Pensionierung auszuüben, hangeln sich die Millenials vom Lernstudio über die Matur zum Erst-, zum Zweitstudium, hin zu einer endlos scheinenden Folge von Praktika und Zusatzausbildungen.

Sessionsprüfung an der ETH am Montag. ETH Zürich, Prüfung, Studierende, Studenten, Studentinnen, Vorlesungssaal, Test, Corona, Sicherheitsabstand

Sessionsprüfungen an der ETH. Bild: reddit / u/throwaway133755228

Sie tun dies nicht aus Interesse, sondern im Wissen, dass nur eine echte Chance für ein Leben im oberen Mittelstand hat, wer diese Ochsentour auf sich nimmt. Zu diesem Befund kommt auch eine von der Denkfabrik avenir suisse soeben veröffentlichte Studie mit dem Titel «Weiterbildung, aber gezielt». Darin heisst es:

«In der Tat haben in der Schweiz hochqualifizierte Berufe – allen voran die akademischen – für den Arbeitsmarkt stark an Bedeutung gewonnen. Übten im Jahr 1996 rund 650’000 Erwerbstätige einen akademischen Beruf aus, waren es 2019 1,25 Millionen.»

Handwerk hat zwar immer noch einen goldenen Boden und auf dem Bau kann ein tüchtiger Polier möglicherweise gar mehr verdienen als ein Ingenieur. Doch auch dieser Polier hat sein Wissen in Fachhochschulen und Kursen vertieft. Wer dies nicht tut, ist auf dem Arbeitsmarkt bald weg vom Fenster.

In den USA hat sich diese Entwicklung dramatisch zugespitzt. Das Ökonomen-Ehepaar Anne Case und Angus Deaton hat im Buch «Death of Despair» aufgezeigt, dass Männer ohne College-Abschluss zu Bürgern zweiter Klasse geworden sind und nicht nur auf dem Arbeits-, sondern auch auf dem Ehemarkt miserable Karten haben. Vor allem die Männer der unteren Mittelschicht versinken daher in Alkohol- und Drogensucht und sterben relativ früh.

In der Schweiz ist dies zum Glück nicht der Fall, doch der Trend geht ebenfalls in diese Richtung. «Dennoch haben sich die beruflichen Perspektiven von Erwerbstätigen mit einer Berufslehre ohne Vertiefung auf Tertiärstufe in den letzten 25 Jahren verschlechtert», heisst es im Bericht von avenir suisse.

Der Graben zwischen einer weitergebildeten Elite und dem Rest wird auch bei uns breiter. Oder wie avenir suisse feststellt: «Der Bildungsunterschied zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten wird also durch Weiterbildung nicht kleiner, sondern verschärft sich.»

Für avenir suisse eher untypisch kommt die Denkfabrik daher zum Schluss, dass diesmal ein staatliches Eingreifen erwünscht sei. Während sich der obere Mittelstand selbst zu helfen weiss, brauchen die weniger gebildeten Unterstützung. «Eine gezielte staatliche Bildungsunterstützung während des Erwerbslebens ist aber bei jenen Personen sinnvoll, die gar keine Weiterbildungsanstrengungen leisten und dadurch ihre Arbeitsmarktfähigkeit gefährden», heisst es in der Studie.

Die «Financial Times» macht sich derweil in einer Serie über die Nach-Corona-Zeit Überlegungen zu den Bedürfnissen der Jungen. Ihr Fazit: Sie beneiden die Boomer und möchten die gleiche Sicherheit am Arbeitsplatz haben wie ihre Eltern.

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