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«April, April!»: Die Geschichte des Aprilscherzes

Am 1. April muss man auf der Hut sein und darf nicht alles glauben, was man sieht und hört. Der Aprilscherz hat in der Schweiz eine lange Tradition und auch andere Länder haben ihre eigenen Bräuche. Aber wieso eigentlich?
01.04.2022, 08:56

Im Volksmund heisst es: Schadenfreude ist die schönste Freude, denn sie kommt von Herzen. Das Lachen über andere kumuliert sich besonders an einem Tag, dem 1. April. Hier spielen wir einander Streiche, die vom einfachen Furzkissen über Falschmeldungen in den Zeitungen bis zu ausgeklügelten Rachefeldzügen reichen. Dabei sind sich Streichspieler und Gelackmeierte über die Witzigkeit oft uneins.

Umstritten ist auch die Herkunft des Aprilscherzes. Manche denken, er stehe ganz einfach in Verbindung zum launischen Aprilwetter, das uns Menschen immer wieder auf dem falschen Fuss erwischt und so auf die Schippe nimmt. Ganz so einfach ist es nicht, doch beginnen wir von vorne:

Die Wortherkunft

Die Ursprünge des Aprilscherzes lassen sich zurückführen auf die Redewendung «in den April schicken». Erste Überlieferungen stammen aus Bayern im Jahr 1618. Je nach Interpretation wird der Monatsname April abgeleitet vom lateinischen Wort «aperire», welches sich mit «öffnen» übersetzen lässt. «In den April schicken» könnte demnach als Überbleibsel alter Frühlingsbräuche verstanden werden. Der Genarrte wäre in diesem Fall der Winter, der vom Frühling vertrieben wird und nun all dessen Launen ausgeliefert ist.

In Grimms deutschem Wörterbuch von 1854 ist zwar der «Aprillsnarr» vermerkt, nicht jedoch der «Aprilscherz». Letzterer bürgerte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass sich der Brauch, am 1. April Menschen zu veräppeln, immer mehr festigte. Die Streiche im Zusammenhang mit dem 1. April wurden also so weit verbreitet und damit relevant, dass sie eine eigene Bezeichnung erhielten.

Die vielen möglichen Ursprünge

Theorien dazu, warum wir uns gegenseitig zum Aprilauftakt Streiche spielen, gibt es viele. Schlussendlich liegt es bei jedem selbst zu entscheiden, welche am besten passt. Wir stellen die gängigsten vor:

Scheindate im Lustschloss

König Heinrich IV. von Frankreich.
König Heinrich IV. von Frankreich.Bild: wikipedia

Dem französischen König Heinrich IV., der im 17. Jahrhundert regierte, wird nachgesagt, er sei ein Frauenheld gewesen. Und so kam es, dass er der mysteriösen Einladung einer unbekannten Dame gefolgt ist, die ihn am 1. April in einem Lustschloss treffen wollte. Dort angekommen erwartet ihn statt seinem Date jedoch seine Ehefrau mitsamt dem ganzen Hofstaat. Der Legende nach soll sich Königin Maria di Medici anschliessend in sarkastischem Tonfall bei ihrem Gemahlen für sein Erscheinen zum Narrenball bedankt haben.

Neujahr wurde verschoben

König Karl IX. Frankreich.
König Karl IX. Frankreich.Bild: wikipedia

Auch die zweite, weit verbreitete Theorie geht zurück auf einen französischen König. Dieses Mal war es König Karl IX., der im Jahr 1564 das Neujahresfest um vier Monate nach hinten verschob – und zwar vom 1. April auf den 1. Januar. Weil sich eine solche Information damals nicht so schnell verbreiten konnte wie heute, bekamen nicht alle den Wechsel mit und es herrschte ein Durcheinander. Viele machten sich einen Spass daraus, trotzdem Einladungen für den 1. April zu versenden und verspotteten dann jene, die der Einladung folgten.

Die Römer und ihre Feste

Hier eine Abbildung der Baccanalien, ebenfalls ein rauschendes römisches Fest.
Hier eine Abbildung der Baccanalien, ebenfalls ein rauschendes römisches Fest. Bild: wikimedia

Die Römer wussten ja bekanntlich, wie man richtig feiert. So gab es auch ein Fest namens «Quirinalia», das jedes Jahr am 17. Februar zu Ehren des Kriegsgottes Quirinus zelebriert wurde. An diesem Fest wurde albern getanzt und viel gelacht. Damals galt es besonders als ein Fest der Dummen und Narren. Durch unzählige Kalenderreformen verschob sich die «Quirinalia» nach und nach auf den 1. April.

Schlechte Investition

Bild: pixabay.com/brett_hondow

Eine weitere These für die Entstehung des Aprilscherzes führt uns nach Deutschland: 1530 sollte am Augsburger Reichstag eine Währungsreform beschlossen werden. Das gab vielen Leuten Anlass, mit Geld zu spekulieren. Sie setzten also ihr Erspartes ein in der Hoffnung, Profit zu schlagen aus dem Münzwesen, welches neu geregelt werden sollte. Als der Termin vom 1. April dann kurzfristig doch abgesagt wurde, war all ihr Geld verloren und sie galten als Narren.

Ein katastrophaler Tag für das Christentum

Ein Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere: «Sturz der gefallenen Engel».
Ein Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere: «Sturz der gefallenen Engel».Bild: Wikipedia

In der christlichen Mythologie ist der 1. April gleich aus mehreren Gründen ein Unglückstag. So wird der Geburts- oder Todestag (je nach Überlieferung) Judas Ischariots, der Jesus für 30 Silberlinge verraten haben soll, auf den 1. April datiert. Am 1. April soll auch der Kreuztod von Jesus Christus beschlossen worden sein. Und als wäre dies nicht schon genug, ist der 1. April für gläubige Christen auch der Tag, an dem Luzifer aus dem Himmelreich verstossen wurde und hinunter in die Hölle fiel.

Verschiedene Bräuche

Überall auf der Welt übernehmen die Medien eine wichtige Rolle am 1. April. Für viele Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsender gehört es dazu, jedes Jahr zu Beginn des vierten Monats Falschmeldungen zu publizieren und damit ihre Hörer hinters Licht zu führen. Das Volk feiert den 1. April jedoch überall etwas anders.

Schweiz und Deutschland: Der Aprilscherz wird hier aufgelöst mit «April, April!».

Italien und Frankreich: Hier kommt der Scherz in Form eines aus Papier gebastelten April-Fisches, der den anderen auf den Rücken geklebt wird – oftmals mit lustigen Sprüchen darauf.

England: Der traditionsbewusste Engländer reisst nur bis Punkt 12 Uhr mittags Scherze, denn sonst macht er sich selbst zum «April Fool».

Portugal: Wer hier auf einen Streich hineinfällt, wird zur Strafe mit Mehl beworfen und so weiter verspottet.

Spanien: Das Pendant zum 1. April ist in Spanien der 28. Dezember – genannt «Día de los Santos Inocentes», also «Tag der unschuldigen Heiligen». An diesem Tag ist es nicht unüblich, dass sogar die Regierung sich einen Spass erlaubt. Die verschiedenen Regionen pflegen dazu ganz eigene Bräuche.

In Spanien bewirft man sich zum «Día de los Santos Inocentes» auch gerne mal mit Mehl und Eiern.
In Spanien bewirft man sich zum «Día de los Santos Inocentes» auch gerne mal mit Mehl und Eiern. Bild: keystone
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5 Kommentare
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Geschichte als farblose Aneinanderreihung von Jahreszahlen zu betrachten, ist natürlich sträflich und langweilig, leider aber auch allzu oft die Erfahrung, die Schüler in diesem Fach machen. Ganz ohne zeitliche Einordnung geht es hingegen auch nicht.

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