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Was du über die Bauernfängerei «Initiative Q» wissen musst



Seit Oktober geistert ein neues «Werde schnell und ohne Aufwand reich»-Schema durch die Social-Media-Kanäle und E-Mail-Inboxen. «Initiative Q» heisst das Projekt und bei Google sind die weltweiten Anfragen dieses Begriffs seit Ende Oktober explodiert.

Weltweite Google-Anfragen des Begriffs «initiative q»

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Auch die Schweiz wurde vom «Initiative Q»-Hype nicht verschont:

Schweizer Google-Anfragen des Begriffs «initiative q»

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Doch worum geht es dabei? Und ist es gefährlich? Wir klären auf.

Was ist «Initiative Q»?

«Initiative Q» will nach eigenen Angaben den weltweiten Zahlungsverkehr umkrempeln – ähnlich wie einige Kryptowährungen. Das Kreditkartensystem sei alt und nicht mehr standesgemäss. Es brauche jetzt eine weltweite digitale Währung – und Q soll diese heissen. 

Deklaration der Interessenbindung

Der Autor hat sich für Recherchezwecke bei «Initiative Q» angemeldet.

Mitmachen kann man nur auf Einladung. Wer sich auf der Homepage registriert, dem werden eine gewisse Anzahl Qs gratis versprochen. Wer zusätzlich Personen überredet, sich ebenfalls registrieren zu lassen, kriegt weitere Qs dazu. Damit sorgen die Macher der «Initiative Q» bei ihren Mitgliedern für einen Anreiz, ihr Projekt zu bewerben. Das geschieht mit einem Einladungslink – in den letzten Tagen hat der Autor dieser Zeilen von unzähligen Leuten einen Einladungslink erhalten. Die Masche zieht.

Im Moment ist ein Q noch völlig wertlos. Sobald aber eine genügend grosse Anzahl Menschen am Projekt teilnehmen und Q als Zahlungsmittel benutzen würde, erhalte Q einen Wert. Dieser soll bis zu einem Dollar ansteigen – wer fleissig neue Registrierungen organisiert, könnte so mehrere zehntausend Dollar «gratis» einsacken. So lauten die Versprechen. Die Macher nennen ihr Projekt eine selbsterfüllende Prophezeiung. 

Geil! Geil! Geil! Und erst noch gratis!

Langsam mit den jungen Pferden. Damit ein Q einen Dollar erreicht, müsste das Projekt die führende Währung im Weltmarkt werden und einen Gesamtwert von zwei Billionen erreichen. Das ist zehnmal mehr als der gesamte Kryptomarkt im Moment mit seinen mehreren tausend Coins, Tokens und Währungen.

Ah, okay. Aber es ist doch möglich! Ich wette, die Leute von Q haben eine wahsinnig gute Idee!

Man weiss es nicht.

«Initiative Q» lässt sich nicht in die Karten blicken, wie und mit welchen technischen Lösungen die weltweit führende Währung erfunden werden soll. Die Liste der Versprechungen ist aber sehr umfangreich. 2021 soll das fertige Produkt zum Einsatz kommen können.

Bei seriösen Projekten im Kryptosektor werden die einzelnen Entwicklungsschritte jeweils auf GitHub präsentiert und die grundlegenden Probleme und Lösungsansätze in einem Whitepaper veröffentlicht.

Beides existiert bei «Initiative Q» nicht, was für ein erstes Stirnrunzeln sorgt. Deshalb beginnen wir jetzt damit, Alarmsignale 🚨 zu verteilen. Der erste Zwischenstand lautet: 🚨🚨

Aber in meiner Einladung steht, dass hinter «Initiative Q» lauter Ex-Paypal-Leute stecken!

Auf der Homepage wird das Team nicht vorgestellt, was zu einem seriösen Projekt dieser Art dazugehören würde. Damit verdient sich «Initiative Q» ein weiteres 🚨.

Von den versprochenen Ex-Paypal-Menschen outet sich nur ein gewisser Saar Wilf. Wilf gründete Fraud Sciences Corp., das später von Paypal für 169 Millionen übernommen wurde. Wilf gründete vier weitere Start-ups, darunter Gemalto, das später für 35 Millionen Dollar verkauft wurde.

Zwischenstand: 🚨🚨🚨

Aber es ist gratis!

Gratis ist nichts. Wenn etwas gratis erscheint, dann bist du vermutlich das Produkt – oder deine Daten.

Wer seine Qs einheimsen will, muss im Moment zwar nur Namen und E-Mail-Adresse hinterlegen. Weitere Qs gibt es für «zukünftige Aufgaben». Da kommt noch was.

Aber bereits mit E-Mail-Adresse und Namen lässt es sich gut geschäften. Millionen sollen sich bereits registriert haben. Eine derart umfangreiche Liste von Menschen, die aufs schnelle und einfache Geld aus sind, ist viel wert. Zum Beispiel für Online-Casino-Seiten. Oder ICOs, Betrüger und viele andere.

Es ist offensichtlich, dass die Initiative bei der E-Mail nicht den Schlussstrich zieht. Ein umfangreicherer Datenstrip wird folgen – der Gebrauch von Q soll später an eine App gebunden werden. Die wiederum kann diverse Zugriffsrechte verlangen. Facebook macht es vor. Das Fass hat keinen Boden. 🚨

Zwischenstand: 🚨🚨🚨🚨

Gibt es weitere Alarmsignale?

Ja. Diverse.

Der Verteilschlüssel: 20% aller Qs sind für die Hersteller reserviert. Das reicht für eine potentielle Marktmanipulation (sollte es denn je einen Markt geben). Der Verdacht, es handle sich dabei um einen Exit-Scam, liegt nahe. 🚨

Die geschürte und völlig überrissene Erwartungshaltung: Sämtliche Kommunikation von Seiten der Initiative schreit nach FOMO (Fear of missing out – die Angst, etwas zu verpassen). Seriöse Projekte spielen nicht mit diesem Gefühl. 🚨

Die Zentralisierung: Q betont immer wieder, keine Kryptowährung mit einer Blockchain oder einem anderen dezentralen Schutzmechanismus zu sein. Damit bleibt nur eine Schlussfolgerung: Die «Initiative Q» ist zentralisiert und wird von privater und unbekannter Hand kontrolliert. Die wenigen anonymen Machthaber hätten im Erfolgsfall sämtliche Stränge der neuen «Weltwährung» in den Händen. 🚨

Die Möglichkeit, weitere Qs zu drucken: Auf der Homepage steht: «Once the initial 2 trillion Q are fully distributed, the monetary committee may create and distribute new Qs ... » – «Sobald die anfänglichen zwei Billionen Qs verteilt sind, kann das ‹monetary committee› weitere Qs drucken und verteilen.» Das Geldgremium könnte die Qs damit je nach Lust und Laune abwerten, sich bereichern, und, und, und. 🚨

Das Pseudo-Pyramidenschema: Nur wer fünf neue Registrierungen – und das während einer beschränkten Zeit – vermittelt, bekommt die maximale Anzahl Qs. Zwar fliesst kein Geld (das wäre dann ein echtes Pyramidenschema), aber immerhin werden verkaufbare Daten vermittelt. Deshalb das «pseudo»: 🚨

Marketing im Vordergrund: Wer sich auf der Homepage über das Projekt informieren will, erfährt detailliert, wie er zum Missionar werden kann. Ausser dem Versprechen, sämtliche Probleme der modernen Zahlungsindustrie zu lösen, gibt es keine konkreten Informationen über das Projekt selber, geschweige denn die Möglichkeit, externe Gutachten zu studieren. 🚨

Fazit

Ob und in welchem Grad «Initiative Q» betrügerisch vorgeht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Dafür fehlt schlicht die Transparenz.

Dass die vorhandenen Informationen mindestens zehn Alarmsirenen aufheulen lassen, sollte aber zur Vorsicht mahnen.

Endstand: 🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨

Venezuela setzt auf staatliche Kryptowährung

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Video: srf/SDA SRF

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lörrlee 20.11.2018 11:34
    Highlight Highlight Funktioniert wohl nur erfolgreich im Moment, weil viele Leute den Bitcoin-Wahn mitgekriegt haben und ihn aber verpasst oder mit schlechten Zahlen beendet haben.

    FOMO-Effekt ist zeitlich perfekt gewählt.
  • Klaus0770 19.11.2018 15:25
    Highlight Highlight Bereits nach den ersten paar Sätzen war mir klar, dass das Ganze ein Betrug ist! Ich muss mich registrieren und fünf neue Kunden Werben! Dass nennt sich Schneeball-System und ist Illegal.

    Aber immer wieder Lustig zu sehen, wieviele ohne Hirn durchs Leben laufen! Vor allem dann, wenn schnelles Geld versprochen wird!
    • Flötist 19.11.2018 20:58
      Highlight Highlight Du hast nicht verstanden wie ein Schneeball-System funktioniert. Dabei wird Geld eingesetzt, wo die unteren die oberen finanzieren. Nichts davon trifft auf diese Bauernfängerei zu. Aber es klingt so schön “Schneeball System”.
    • Dani B. 21.11.2018 01:16
      Highlight Highlight Hallo Klaus! Hättest Du weiter gelesen, wüsstest Du, dass es kein ILLEGALES Schneeballsystem ist. Auch kein Betrug. Aber eine effiziente Masche, um an Adressen von geldgeilen Tölpeln zu kommen.
  • Marco Rohr 19.11.2018 14:59
    Highlight Highlight Jetzt bleibt aber mal locker, Watson. Alles, was man "preisgeben" muss, ist die eMail-Adresse. Zudem ist auf der Website erklärt, dass man - wenn alles gut läuft - frühestens 2021/22 etwas bekommt. Ich denke das "Risiko" ist überschaubar.
    • Flötist 19.11.2018 20:59
      Highlight Highlight Das ist es tatsächlich. Und die Vorgehensweise der Initianten ist effektiv. Als Bitcoin lanciert wurde, wurde dies auch belächelt.
    • Marco Rohr 20.11.2018 10:06
      Highlight Highlight An alle Kritiker hier: ich habe einen Screenshot der Kommentare hier gemacht. Gerne können wir in 5 Jahren nochmal sprechen und Bilanz ziehen :)
    • meine senf 20.11.2018 15:49
      Highlight Highlight Bei Bitcoin gibt es im Gegensatz dazu keine einzelne zentrale Instanz, der man vertrauen muss und man muss auch nicht seine E-Mail-Adresse irgendwo eingeben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Therealmonti 19.11.2018 14:41
    Highlight Highlight Selber schuld, wer bei sowas mitmacht.
  • Toerpe Zwerg 19.11.2018 13:33
    Highlight Highlight Bitcoins ohne Coins.
    • reconquista's creed 19.11.2018 14:31
      Highlight Highlight Bit?
    • Eine_win_ig 19.11.2018 18:00
      Highlight Highlight Bitte ein Bit!
  • Repplyfire 19.11.2018 12:38
    Highlight Highlight Danke für die Analyse
  • TheGoon 19.11.2018 12:12
    Highlight Highlight Shitcoin Airdrop aus der Hölle.
    In etwa gleich wie XRP, IOTA, EOS oder andere leere Versprechen.
    • Leckerbissen 19.11.2018 13:33
      Highlight Highlight schreib mir den XRP nicht ab! Ich besitze ordentlich viel vom dem Seich:D
  • Grave 19.11.2018 12:08
    Highlight Highlight Kurz gesagt: Gugus !
    • Ludwig XVI 19.11.2018 12:16
      Highlight Highlight Gugus mit G. G wie Gurke und Geld :-)

      Der werte Herr hat den wohl weisesten Spruch der Geschichte in Gugus verpackt.
    • TheWall_31 19.11.2018 12:41
      Highlight Highlight Gugus gsi, Gugus gebliebe. Und Gurke fangt au mit G ah.
    • gigus 19.11.2018 12:46
      Highlight Highlight huhu!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Stein 19.11.2018 11:57
    Highlight Highlight Korrektur zum Titel.

    Digitale Bauernfängerei.

    Man dürfte ja auch etwas mit der Zeit gehen, sprachlich. 😎
  • LukasBrunner 19.11.2018 11:56
    Highlight Highlight Für mich klingt das nach einem kurzen Hype. Sehr wahrscheinlich dass sich dies auch nie durchsetzen wird.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 19.11.2018 11:53
    Highlight Highlight Aha schön das sich solche Schneeballsystem erahlten können, es werden sich (leider) genügend Dumme finden...
  • HeroOfGallifrey 19.11.2018 11:48
    Highlight Highlight Unseriös umschreibt dieses Projekt am Besten. Aber es werden wieder einige Leute reinfallen, schliesslich gibt es genügend "Vollidioten" die auf YouTube-Selfmade-Traders, "Finanzexperten" und "Motivations-Coaches" reinfallen und ihr Geld verbraten, also wieso nicht auch auf Initiative Q?

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