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bild: screenshot

Was du über die Bauernfängerei «Initiative Q» wissen musst

19.11.2018, 11:3420.11.2018, 02:53

Seit Oktober geistert ein neues «Werde schnell und ohne Aufwand reich»-Schema durch die Social-Media-Kanäle und E-Mail-Inboxen. «Initiative Q» heisst das Projekt und bei Google sind die weltweiten Anfragen dieses Begriffs seit Ende Oktober explodiert.

Weltweite Google-Anfragen des Begriffs «initiative q»

Auch die Schweiz wurde vom «Initiative Q»-Hype nicht verschont:

Schweizer Google-Anfragen des Begriffs «initiative q»

Doch worum geht es dabei? Und ist es gefährlich? Wir klären auf.

Was ist «Initiative Q»?

«Initiative Q» will nach eigenen Angaben den weltweiten Zahlungsverkehr umkrempeln – ähnlich wie einige Kryptowährungen. Das Kreditkartensystem sei alt und nicht mehr standesgemäss. Es brauche jetzt eine weltweite digitale Währung – und Q soll diese heissen. 

Deklaration der Interessenbindung
Der Autor hat sich für Recherchezwecke bei «Initiative Q» angemeldet.

Mitmachen kann man nur auf Einladung. Wer sich auf der Homepage registriert, dem werden eine gewisse Anzahl Qs gratis versprochen. Wer zusätzlich Personen überredet, sich ebenfalls registrieren zu lassen, kriegt weitere Qs dazu. Damit sorgen die Macher der «Initiative Q» bei ihren Mitgliedern für einen Anreiz, ihr Projekt zu bewerben. Das geschieht mit einem Einladungslink – in den letzten Tagen hat der Autor dieser Zeilen von unzähligen Leuten einen Einladungslink erhalten. Die Masche zieht.

Im Moment ist ein Q noch völlig wertlos. Sobald aber eine genügend grosse Anzahl Menschen am Projekt teilnehmen und Q als Zahlungsmittel benutzen würde, erhalte Q einen Wert. Dieser soll bis zu einem Dollar ansteigen – wer fleissig neue Registrierungen organisiert, könnte so mehrere zehntausend Dollar «gratis» einsacken. So lauten die Versprechen. Die Macher nennen ihr Projekt eine selbsterfüllende Prophezeiung. 

Geil! Geil! Geil! Und erst noch gratis!

Langsam mit den jungen Pferden. Damit ein Q einen Dollar erreicht, müsste das Projekt die führende Währung im Weltmarkt werden und einen Gesamtwert von zwei Billionen erreichen. Das ist zehnmal mehr als der gesamte Kryptomarkt im Moment mit seinen mehreren tausend Coins, Tokens und Währungen.

Ah, okay. Aber es ist doch möglich! Ich wette, die Leute von Q haben eine wahsinnig gute Idee!

Man weiss es nicht.

«Initiative Q» lässt sich nicht in die Karten blicken, wie und mit welchen technischen Lösungen die weltweit führende Währung erfunden werden soll. Die Liste der Versprechungen ist aber sehr umfangreich. 2021 soll das fertige Produkt zum Einsatz kommen können.

Bei seriösen Projekten im Kryptosektor werden die einzelnen Entwicklungsschritte jeweils auf GitHub präsentiert und die grundlegenden Probleme und Lösungsansätze in einem Whitepaper veröffentlicht.

Beides existiert bei «Initiative Q» nicht, was für ein erstes Stirnrunzeln sorgt. Deshalb beginnen wir jetzt damit, Alarmsignale 🚨 zu verteilen. Der erste Zwischenstand lautet: 🚨🚨

Aber in meiner Einladung steht, dass hinter «Initiative Q» lauter Ex-Paypal-Leute stecken!

Auf der Homepage wird das Team nicht vorgestellt, was zu einem seriösen Projekt dieser Art dazugehören würde. Damit verdient sich «Initiative Q» ein weiteres 🚨.

Von den versprochenen Ex-Paypal-Menschen outet sich nur ein gewisser Saar Wilf. Wilf gründete Fraud Sciences Corp., das später von Paypal für 169 Millionen übernommen wurde. Wilf gründete vier weitere Start-ups, darunter Gemalto, das später für 35 Millionen Dollar verkauft wurde.

Zwischenstand: 🚨🚨🚨

Aber es ist gratis!

Gratis ist nichts. Wenn etwas gratis erscheint, dann bist du vermutlich das Produkt – oder deine Daten.

Wer seine Qs einheimsen will, muss im Moment zwar nur Namen und E-Mail-Adresse hinterlegen. Weitere Qs gibt es für «zukünftige Aufgaben». Da kommt noch was.

Aber bereits mit E-Mail-Adresse und Namen lässt es sich gut geschäften. Millionen sollen sich bereits registriert haben. Eine derart umfangreiche Liste von Menschen, die aufs schnelle und einfache Geld aus sind, ist viel wert. Zum Beispiel für Online-Casino-Seiten. Oder ICOs, Betrüger und viele andere.

Es ist offensichtlich, dass die Initiative bei der E-Mail nicht den Schlussstrich zieht. Ein umfangreicherer Datenstrip wird folgen – der Gebrauch von Q soll später an eine App gebunden werden. Die wiederum kann diverse Zugriffsrechte verlangen. Facebook macht es vor. Das Fass hat keinen Boden. 🚨

Zwischenstand: 🚨🚨🚨🚨

Gibt es weitere Alarmsignale?

Ja. Diverse.

Der Verteilschlüssel: 20% aller Qs sind für die Hersteller reserviert. Das reicht für eine potentielle Marktmanipulation (sollte es denn je einen Markt geben). Der Verdacht, es handle sich dabei um einen Exit-Scam, liegt nahe. 🚨

Die geschürte und völlig überrissene Erwartungshaltung: Sämtliche Kommunikation von Seiten der Initiative schreit nach FOMO (Fear of missing out – die Angst, etwas zu verpassen). Seriöse Projekte spielen nicht mit diesem Gefühl. 🚨

Die Zentralisierung: Q betont immer wieder, keine Kryptowährung mit einer Blockchain oder einem anderen dezentralen Schutzmechanismus zu sein. Damit bleibt nur eine Schlussfolgerung: Die «Initiative Q» ist zentralisiert und wird von privater und unbekannter Hand kontrolliert. Die wenigen anonymen Machthaber hätten im Erfolgsfall sämtliche Stränge der neuen «Weltwährung» in den Händen. 🚨

Die Möglichkeit, weitere Qs zu drucken: Auf der Homepage steht: «Once the initial 2 trillion Q are fully distributed, the monetary committee may create and distribute new Qs ... » – «Sobald die anfänglichen zwei Billionen Qs verteilt sind, kann das ‹monetary committee› weitere Qs drucken und verteilen.» Das Geldgremium könnte die Qs damit je nach Lust und Laune abwerten, sich bereichern, und, und, und. 🚨

Das Pseudo-Pyramidenschema: Nur wer fünf neue Registrierungen – und das während einer beschränkten Zeit – vermittelt, bekommt die maximale Anzahl Qs. Zwar fliesst kein Geld (das wäre dann ein echtes Pyramidenschema), aber immerhin werden verkaufbare Daten vermittelt. Deshalb das «pseudo»: 🚨

Marketing im Vordergrund: Wer sich auf der Homepage über das Projekt informieren will, erfährt detailliert, wie er zum Missionar werden kann. Ausser dem Versprechen, sämtliche Probleme der modernen Zahlungsindustrie zu lösen, gibt es keine konkreten Informationen über das Projekt selber, geschweige denn die Möglichkeit, externe Gutachten zu studieren. 🚨

Fazit

Ob und in welchem Grad «Initiative Q» betrügerisch vorgeht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Dafür fehlt schlicht die Transparenz.

Dass die vorhandenen Informationen mindestens zehn Alarmsirenen aufheulen lassen, sollte aber zur Vorsicht mahnen.

Endstand: 🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨

Venezuela setzt auf staatliche Kryptowährung

Video: srf/SDA SRF
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