Vermisstes deutsches Model taucht in Epstein-Akten auf
Im Fall einer seit über zehn Jahren vermissten jungen Frau aus Deutschland gibt es Hinweise, die auf den US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hindeuten. Der Name der 22-jährigen Michele taucht laut Recherchen des ZDF-Dokuformats «Die Spur» und des «Spiegel» in den sogenannten «Epstein Files» auf. Epstein hatte 2019 im Gefängnis Suizid begangen. Er hatte zahlreiche Frauen und auch Minderjährige missbraucht.
Den Recherchen zufolge hatte die junge Frau 2015 die Wohnung ihrer Mutter verlassen, dann verlor sich ihre Spur. Wohin sie unterwegs war, konnte bis heute nicht geklärt werden. Angehörigen zufolge stand sie zuvor in Kontakt mit dem Modelscout Daniel Siad, einem Schweden mit algerischen Wurzeln, der für Epstein laut den Recherchen als Rekrutierer gearbeitet haben soll.
Epstein-Files: «Sieht aus wie 18, sehr interessante Person»
Michele habe immer modeln wollen, erklärte der Vater der Vermissten in der Recherche von ZDF und «Spiegel». «Er hat ihr dann angeboten, Fotos zu machen und so haben die sich kennengelernt», sagte er. Kurz vor ihrem Verschwinden habe er noch ein Telefonat zwischen den beiden mitbekommen.
Der Name des Modelscouts taucht laut ZDF und «Spiegel» rund 1800-mal in den Epstein-Akten auf. Mehrfach unterhielten er und Epstein sich demnach über junge Frauen oder Mädchen. «26, aber sie sieht aus wie 18, sehr interessante Person», heisst es etwa in einem Chat.
Siad soll Epstein im Jahr 2014 auch Fotos von Michele geschickt haben. Zudem bat er wohl um ein Flugticket und schrieb Epstein: «Du wirst sie lieben.» Ob es tatsächlich zu einer Begegnung der 22-Jährigen mit Epstein kam, geht aus den Epstein-Akten nicht hervor.
Gegen Siad wird in Frankreich inzwischen wegen des Verdachts des Menschenhandels und der Vergewaltigung ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe und für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Schicksal von Michele bleibt ungeklärt
Die Polizei war nach der Vermisstenmeldung im Oktober 2015 zunächst nicht in grossem Stil aktiv geworden, weil es keine Hinweise auf ein Verbrechen gegeben hatte. Im Frühjahr 2026 sagte die Polizei auf Anfrage von ZDF und «Spiegel», eine öffentliche Fahndung nach der damals 22-Jährigen sei weiterhin nicht geplant. Inzwischen wollen die Behörden aber wohl prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verbrechens eingeleitet werden soll.
Wo Michele sich heute aufhält und ob sie noch lebt, konnten auch die Journalisten nicht klären. Das Schicksal der damals 22-Jährigen bleibt ungeklärt.
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