Afrika
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epa08548882 A satellite image made available by MAXAR Technologies shows a view of the Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) and the Blue Nile River, in the Benishangul-Gumuz region of Ethiopia, 26 June 2020 (issued 16 July 2020). The GERD dam on the Blue Nile River in Ethiopia has been under construction since 2011. The project affects Sudan and Egypt as the Blue Nile river flows north from the dam and is of vital importance to the Nile River. Recent satellite imagery revealed a large reservoir that started to fill behind the dam.  EPA/MAXAR TECHNOLOGIES HANDOUT -- MANDATORY CREDIT: SATELLITE IMAGE 2020 MAXAR TECHNOLOGIES -- the watermark may not be removed/cropped -- HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die Stauung hat begonnen: Der «Grand Ethiopian Renaissance Dam» am bauen Nil. (Aufnahme vom 26. Juni) Bild: keystone

Äthiopiens umstrittener Staudamm: Werden Wasserkriege zunehmen?

gioia foster, johannes schmitt-tegge / dpa



Der Blaue Nil schlängelte sich bis vor Kurzem noch durch ein kilometerweites abgeholztes, trockenes Becken. Nun liegt das Gebiet - von seiner Fläche fast zweimal so gross wie Berlin - unter Wasser. Die Nilfluten schiessen über die meterhohe Mauer des Staudamms hinaus und fliessen gen Norden. Die Bilder aus Äthiopien senden ein klares Signal: Das Füllen des Stausees am künftig grössten Staudamm Afrikas hat begonnen.

Äthiopien, der Sudan und Ägypten streiten seit Jahren um den Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD), der auf dem Blauen Nil in Äthiopien gebaut wird. Für Addis Abeba ist das Wasserkraftwerk die grosse Erlösung, für Kairo aber eine existenzielle Bedrohung. Die regionalen Nachbarn ringen um ein Abkommen, wie der GERD zu betreiben ist. Noch sitzen die Staaten am Verhandlungstisch.

Doch eine Lösung zu finden ist schwer. Denn die Wasserknappheit wird weiter zunehmen und Ressourcen wie das Nilwasser werden immer heisser umkämpft. Drohen auch anderswo neue Konflikte um das überlebenswichtige Nass?

Wasserknappheit bedroht schon heute Existenzen. Rund vier Milliarden Menschen - mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung - haben einen Monat pro Jahr nicht genug Wasser, heisst es in eine Studie im Magazin «Science Advances». Eine halbe Milliarde Menschen betrifft das demnach das ganze Jahr über.

«Auch ohne den Klimawandel wird die Situation noch viel schlimmer werden», sagt Rick Hogeboom von der Universität Twente in den Niederlanden. Die Bevölkerungen und Volkswirtschaften würden weiter wachsen und die Menschen würden zu viel Wasser verbrauchen. Der Nil ist dafür ein Paradebeispiel: «Kaum Wasser fliesst mehr in das Mittelmeer», sagt Hogeboom.

Die Angst um Wasserknappheit ist eine treibende Kraft bei den GERD-Verhandlungen. Ägypten ist schwer abhängig vom Nil, das Land deckt mehr als 90 Prozent seines Wasserbedarfs aus dem Fluss. Wie wird Äthiopien im Fall mehrerer Dürrejahre über das Nilwasser verfügen? Die Frage ist einer der grössten Streitpunkte zwischen Addis Abeba und Kairo. «Bei der Lösung von Wasserproblemen geht es auch darum, Emotionen in den Griff zu bekommen», sagt der Experte Dale Whittington von der University of Manchester.

epa08548935 A handout image made available by the European Space Agency (ESA) and acquired by the Sentinel-1 satellite shows a view of the Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) and the Blue Nile River, in the Benishangul-Gumuz region of Ethiopia, 09 July 2020 (issued 16 July 2020). The GERD dam on the Blue Nile River in Ethiopia has been under construction since 2011. The project affects Sudan and Egypt as the Blue Nile River flows north from the dam and is of vital importance to the Nile River. Recent satellite imagery revealed a large reservoir that started to fill behind the dam.  EPA/EUROPEAN SPACE AGENCY HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Am 16. Juli ist schon deutlich sichtbar, wie sich das Becken füllt. Bild: keystone

In Konflikten hat Wasser seit Beginn der Geschichtsschreibung eine Rolle gespielt. Das Pacific Institute im US-Staat Kalifornien zählt in seiner Datenbank mehr als 900 Konflikte, bei denen Wasser etwa als Waffe eingesetzt wurde - zum Beispiel im Peloponnesischen Krieg im Jahr 430 vor Christus, als die Spartaner die Zisternen ihrer Gegner vergiftet und so eine tödliche Plage in Athen verursacht haben sollen. Oder als Grossbritannien im Jahr 1943 die deutschen Talsperren an Möhne, Sorpe und Eder bombardierte. Durch diesen Angriff im Zweiten Weltkrieg und seine Folgen starben mehr als 1300 Menschen.

>>> Lesenswert: Wir haben den Experten gefragt, wo es Konflikte um Wasser geben könnte. Das war seine Antwort.

Der Datenbank zufolge haben solche Konflikte in den vergangenen 20 Jahren zugenommen, auch wenn Wasser selten alleiniger Auslöser war. Nach einer Studie des Joint Research Centre, eines Forschungszentrums der Europäischen Kommission, dürfte das Wechselspiel der Länder wegen Wasser zunehmen. Grund dafür sei die Kombination aus Klimawandel und Bevölkerungswachstum, heisst es in der Studie von 2018, gleich zwei grosse Sorgen in Regionen, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden.

«Das heisst nicht, dass jeder Fall zu einem Konflikt führen wird. Es hängt davon ab, wie gut die Länder auf Zusammenarbeit vorbereitet und wie sie ausgestattet sind», sagte der Forscher Fabio Farinosi, der die Studie seinerzeit leitete. Die grösste Gefahr für solche Konflikte sehen die Autoren der Studie am Gangesdelta in Asien, am Indus in Pakistan und Indien, am Flusssystem von Euphrat und Tigris in Vorderasien, am Colorado River in Nordamerika - und am Nil.

Eine Einigung scheint dort nicht greifbar. Die Positionen hätten sich im Laufe von zehn Jahren kaum verändert, sagt Mirette Mabrouk von der US-Denkfabrik Middle East Institute. Der Sprecher des äthiopischen Aussenministeriums stellte vor gut einer Woche sogar ausdrücklich klar, dass Addis Abeba «keine bindende Erklärung» zum GERD wolle. Der Ton zwischen den drei Staaten hat sich entspannt. Das Projekt ist im Grunde aber so umstritten wie bei dessen Ankündigung im Jahr 2011.

This satellite image shows the Grand Ethiopian Renaissance Dam on the Blue Nile river in the Benishangul-Gumuz region of Ethiopia on Tuesday, July 28, 2020. Ethiopia's prime minister on Wednesday, July 22, 2020 hailed the first filling of the massive dam that has led to tensions with Egypt, saying two turbines will begin generating power next year. (Maxar Technologies via AP)

Aufnahme vom 28. Juli: Äthiopien hat mit dem Staudamm ein Druckmittel gegenüber Ägypten. Bild: keystone

Und selbst bei einer Einigung sei die breitere Diskussion über das Nilbecken offen, sagt William Davison von der International Crisis Group. Denn der Blaue und der Weisse Nil fliessen nicht nur durch die drei besagten Länder - sondern durch insgesamt elf Staaten. Sie alle haben ein Interesse am Strom aus dem Wasserkraftwerk. Davison meint, es müsste neue Bemühungen für eine länderübergreifende Kooperation aller Nil-Staaten geben. Denn es ist zu bezweifeln, dass der GERD das letzte Grossprojekt auf dem Nil sein wird. (cma/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dr no 05.08.2020 13:10
    Highlight Highlight Tja der Kampf ums Wasser ist eine direkte Folge der unkontrollierten Bevölkerungsexplosion in der Region. Würde mich nicht erstaunen, wenn dieser Konflikt kriegerisch enden würde.
  • Garp 05.08.2020 13:01
    Highlight Highlight Es gibt ja bereits Wasserkriege. China-Tibet und andere Gebiete. Sie werden zunehmen, das ist unbestritten.
  • Amarillo 05.08.2020 11:22
    Highlight Highlight Zu befürchten ist, dass die Bevölkerungsexplosion auf dem afrikanischen Kontinent bereits vor einer noch grösseren Wasserknappheit kriegerische Folgen haben wird. Ein überwiegender Anteil an sehr jungen Menschen, welche in vielen Ländern auf dem Kontinent kaum berufliche und persönliche Perspektiven haben, dort auch keine gesellschaftlichen Reformen bzw. behindert von steinzeitlichen Religionsauslegungen - da kommt auch auf Europa eine Welle zu, gegen die bisherige Migrationsströme wie Rinnsale aussehen dürften, und man wird sich auf völlig neue "Lösungsansätze" gefasst machen müssen.
  • HansliZüri 05.08.2020 08:41
    Highlight Highlight Meerwasserentsalzung oder Abwasser Rezyklieren💁‍♂️.
  • THEOne 05.08.2020 07:28
    Highlight Highlight lass mich raten, nestle ist hauptsponsor des damms
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 05.08.2020 04:57
    Highlight Highlight Der Mensch macht alles, aber wirklich alles kaputt. Er sollte in 100 Jahren ausgestorben sein. Daher bitte nicht mehr vermehren.
  • homo sapiens melior 05.08.2020 00:18
    Highlight Highlight Der wahre Grund, warum die EU die Schweiz mit drin haben will, ist nicht Geld, wie viele glauben. Der Grund ist Wasser.
    Die Schweiz macht nur 0,4% der europäischen Landfläche aus, stellt aber 5% des Trinkwassers. Zum Beispiel werden Rhein, Rhone, Inn (Donau), Ticino (Po) und Etsch (Adige) aus der Schweiz gespeist. Der Genfersee ist der grösste Süsswasserspeicher des Kontinents. Die Berge sind durchzogen von weiteren Süsswasserspeichern in Form von Stauseen, was laut verschiedener Experten im weiteren Klimawandel überlebenswichtig sein wird für den Ausgleich zwischen Überschwemmung und Dürre.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 05.08.2020 05:19
      Highlight Highlight Der grösste Trinkwasserspeicher des Kontinents ist der europäische Teil von Russland. Lässt man Russland weg, ist es Finnland, gefolgt von Schweden. Schau mal auf Google Maps. Voll mit sauberen Süsswassergewässer. Ergänzend dazu ist die Luft- und Wasserqualität in Finnland jener der Schweiz auch noch überlegen. Der Bodensee hat übrigens mehr Wasser als der Genfersee und ist somit der grösste Wasserspeicher Mitteleuropas. UK trinkt aber sicher kein Wasser davon. Im Norden sicher auch keiner.

      https://epi.yale.edu/epi-results/2020/component/air
      https://epi.yale.edu/epi-results/2020/component/wrs
    • Sprachrohr 05.08.2020 08:00
      Highlight Highlight Wenn die Gletscher weg sind und die Grundwasserpegel sinken, wird es auch bei uns Versorgungsengpässe im Sommer geben, wenn auch nicht so gravierende wie in anderen Ländern.

      Zudem nimmt die Qualiät unseres Trinkwassers stetig ab.
    • homo sapiens melior 05.08.2020 16:01
      Highlight Highlight Wenn du RU und S mitzählst (Sorry, der Vänern ist mir entgangen), ist der Genfersee der 4.grösste See des Kontinents Europa.

      Der Genfersee (90m3) hat mehr als das doppelte Volumen des Bodensees (43m3).
      Gletscher machen nur 2% der jährlichen Wasserzugabe in der Schweiz aus. Die Probleme liegen anderswo.

      Hier hast du ein paar seriöse Quellen, die meine Aussagen belegen:

      https://www.bluecommunity.ch/wasser-in-der-schweiz.html

      https://boris.unibe.ch/133959/

      https://www.nzz.ch/wasserschloss-schweiz-1.16921466?reduced=true

      Was soll ich mit einer Statistik zur Luftqualität beim Thema Wasser?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Do not lie to mE 04.08.2020 22:34
    Highlight Highlight Wie die Türkei Wasser zur Kriegswaffe macht.
    „Die Türkei setzt Wasser – sowohl den Euphrat als auch Pumpstationen wie in Alouk – ein, um ihre Macht in Syrien zu demonstrieren, zu festigen und zumindest kurzfristig auch auszubauen. Die Türkei zeigt so auch, dass die syrisch-kurdische Selbstverwaltung nicht in der Lage ist, die Wasserversorgung zu sichern und schwächt so deren Legitimität“, sagt Tobias von Lossow, der am Clingendael Institut in Den Haag zu Wasser und Konflikten forscht.
    • Ian Cognito 05.08.2020 13:56
      Highlight Highlight Die Türkei ist der grösste Schurkenstaat der Region! Das wir mit denen überhaupt noch Diplomatie betreiben ist eine Schande!

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