Schwerste Eskalation seit April zwischen USA und Iran – die 6 wichtigsten Punkte
Das ist passiert
Die USA und Iran haben sich in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) erneut angegriffen. Die jüngsten Ereignisse stellen die grösste Eskalation seit Beginn der Waffenruhe Anfang April dar. Der Iran erklärte als Reaktion auf erste US-Angriffe die Hormus-Strasse wieder für komplett gesperrt. Die USA widersprachen dieser Darstellung. Donald Trump warf dem Iran schwere Verstösse gegen die Waffenruhe vor.
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Das ist über die US-Angriffe bekannt
Die Angriffe in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) wurden von den USA initiiert. Donald Trump kündigte entsprechende Aktionen an, nachdem er kurz zuvor den Iran öffentlich erneut zur Unterzeichnung eines Abkommens aufgefordert hatte.
Iranische Staatsmedien meldeten wenige Stunden nach Trumps Worten Explosionen im Bereich mehrerer Hafenstädte entlang der Südküste. Demnach wurden zwei Menschen verletzt. Laut der Nachrichtenagentur Irna und dem Rundfunk wurden auch Explosionen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Weitere Detonationen gab es Berichten zufolge auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas.
Ausserdem soll es nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mehrere Angriffe gegeben haben. Der staatliche iranische Rundfunk meldete weiter Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. Details dazu lagen zunächst nicht vor.
Die Angriffe wurden offenbar über mehrere Stunden hinweg ausgeführt. Das US-Kommando im Mittleren Osten erklärte die Operationen am frühen Donnerstagmorgen Schweizer Zeit für beendet. Es seien militärische Aufklärungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen im ganzen Land attackiert worden, die eine Bedrohung für die US-Streitkräfte und internationale Handelsschiffe dargestellt hätten. Das US-Militär bleibe wachsam und kampfbereit, hiess es weiter.
Das ist zur iranischen Reaktion bekannt
Der Iran reagierte umgehend mit neuerlichen Angriffen auf US-Anlagen in den mit den Amerikanern verbündeten Staaten Kuwait und Bahrain. Die Luftfahrtbehörden in Kuwait sperrten deswegen am frühen Morgen den Luftraum für die zivile Luftfahrt. Die Luftabwehr sei im Einsatz, teilte die Armee mit. Auch in Bahrain schrillten die Sirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bewohner wurden dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren und den nächsten sicheren Ort aufzusuchen.
Laut iranischer Darstellung wurde in Bahrain das regionale Hauptquartier der US-Marine mit Kamikazedrohnen angegriffen. Die iranischen Revolutionsgarden gaben zudem an, auch in Kuwait zwei US-Basen angegriffen zu haben. Insgesamt seien 18 Ziele attackiert worden. Ziel waren unter anderem auch Flugabwehrsysteme. Sämtliche Angaben können nicht unabhängig verifiziert werden.
Das sagt Trump
US-Präsident Donald Trump warf Teheran laut einem Medienbericht einen besonders schweren Bruch der geltenden Feuerpause vor. Sie sei «die am häufigsten gebrochene Waffenruhe in der Geschichte der Welt», zitierte ein Reporter des US-Senders Fox News aus einem Gespräch mit dem Präsidenten. Auf welchen Vorfall sich Trump mit diesem Vorwurf konkret bezog, blieb unklar.
Trump habe zwar ein Ende der Bombardierungen in Kürze in Aussicht gestellt, berichtete Fox-News-Reporter Trey Yingst auf der Plattform X. Sollte Teheran jedoch kein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen, «werden wir sie in Grund und Boden bomben», drohte Trump demnach.
Das sagt der Iran
Nebst den Angaben zu den Angriffszielen erklärte das iranische Regime, die Strasse von Hormus als Reaktion auf die US-Angriffe wieder komplett gesperrt zu haben. Offiziell begründete das iranische Militärhauptquartier die angebliche Vollsperrung mit einer «veränderten Sicherheitslage» nach den erneuten US-Angriffen. Sämtlichen Schiffen sei die Passage durch die Meerenge untersagt. Das gelte auch für Öltanker und Frachter, hiess es.
Die Islamische Republik hatte kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht. Teheran betonte zuletzt, die Strasse von Hormus sei nicht blockiert. Faktisch mussten sich Reedereien jedoch mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und durften anschliessend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt der Iran hohe Gebühren. In letzter Zeit hatten nach Angaben Teherans mehrere Schiffe die Strasse passiert.
Die USA widersprachen der jüngsten Darstellung des Irans. Entgegen der Behauptungen über eine Vollsperrung habe der Iran keine absolute Kontrolle über die Hormus-Strasse. Früher am Abend sprach US-Präsident Donald Trump zudem von einer «geheimen Mission» des US-Militärs, durch welche zahlreiche Schiffe in den vergangenen Wochen an den iranischen Einheiten im Gebiet vorbeigeschleust worden seien. Auch diese Angaben sind bisher nicht unabhängig verifiziert.
Experte: Eskalation oder Eingeständnisse der USA
Die neuerliche Eskalation ist die schwerste seit Anfang April eine Waffenruhe ausgerufen worden war. Seither gab es erfolglose Verhandlungsversuche, die Parteien liegen aber weit auseinander. In der Realität herrscht eine Pattsituation.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz glaubt, ohne eine baldige Einigung sei eine weitere Eskalation wahrscheinlich. «Doch eine Eskalation allein wird kaum zu nennenswerten Zugeständnissen seitens des Irans führen», schrieb er auf X. Letztendlich werde keine Militäroperation, «ob begrenzt oder umfangreich, kurz oder lang, den Iran dazu zwingen, ein Abkommen zu den Bedingungen der USA zu akzeptieren».
Wenn Trump wirklich ein Abkommen wolle, müsse er zumindest auf einige der Kernforderungen des Irans eingehen, schrieb Citrinowicz.
con mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa.
