Afrika
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Afrikanische Staaten verhängen Ausgangssperren – und vergessen, dass die Bürger verhungern

Das Coronavirus macht auch vor dem afrikanischen Kontinent keinen Halt. Zwar sind die Länder Afrikas momentan noch nicht so stark vom Virus betroffen, die Regierungen ergreifen jedoch schon jetzt drastische Massnahmen – mit gravierenden Folgen.

Kevin Capellini / ch media



Residents look on as a soldier patrols on the streets of Soweto, South Africa, Thursday, April 23, 2020, as the country remains in lockdown for a fourth week in a bid to combat the spread of the coronavirus. Africa has registered a 43% jump in reported COVID-19 cases in the last week, highlighting a warning from the World Health Organization that the continent of 1.3 billion could become the next epicentre of the global outbreak. (AP Photo/Themba Hadebe)

Ein Soldat patrouilliert in Soweto in Südafrika die Strassen um sicherzustellen, dass sich die Menschen an die Ausgangssperre halten. Bild: AP

Zuerst in Asien, dann Europa, danach Nordamerika und nun Afrika: Das Coronavirus breitet sich global immer stärker aus und Regierungen aller Länder sahen sich zu drastischen Massnahmen gezwungen. Lockdowns und Ausgangssperren gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Und auch wenn europäische Länder nun wieder über Lockerungen nachdenken, so ist ein Kontinent von solchen Überlegungen noch weit entfernt: Afrika.

Denn das Coronavirus breitet sich auf dem Kontinent weiter aus und in vielen Regionen ist die Gesundheitsversorgung dürftig, Corona-Tests selten und Spitäler weit entfernt. In den Slums und Ghettos der Grossstädte jedoch leben die Menschen dafür umso enger zusammen – perfekte Voraussetzungen für eine Krankheit wie das Coronavirus, welches sich so schnell verbreiten kann.

>>> Die internationale Lage zum Coronavirus im Liveticker.

Aus diesem Grund greifen viele afrikanische Staaten nun zu den gleichen Mitteln wie die europäischen Regierungen, sie verhängen Ausgangssperren und schliessen Schulen und den öffentlichen Verkehr. So verlängerte am späten Samstagabend zum Beispiel Kenia die nächtliche Ausgangssperre um weitere 21 Tage, die Regierung von Nigeria verhängte für mehrere Grossstädte, darunter die 20-Millionen-Einwohner-Stadt Lagos, eine totale Ausgangssperre und Uganda schloss bereits sämtliche Schulen und staatliche Institutionen, bevor das Land überhaupt einen einzelnen Coronavirus-Fall hatte.

Doch was in Europa gut funktioniert, kann in Afrika schnell zur Katastrophe führen. Denn der grösste Teil der Menschen in Afrika lebt von der Hand in den Mund: Was am Tag verdient wird, wird re-investiert in Lebensmittel und die nötigsten Gebrauchsgegenstände – sparen und Reserven anlegen: unmöglich. Denn in den Slums von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, leben hundert-tausende Menschen von gerade mal einem Dollar pro Tag. Und wenn sie nicht verdienen, da sie zu Hause bleiben müssen, haben sie auch nichts zu Essen.

Polizei reagiert mit Gewalt

epaselect epa08375776 South African Alex Madikane (C) stands off against City of Cape Town law enforcement officers to try prevent them from demolishing his shack during a land grab by hundreds in Khayelitsha, Cape Town, South Africa 21 April 2020. Alex Madikane's already existing shack was spared but the South African Police and City of Cape Town Metro police used tear gas, stun grenades and rubber bullets to disperse hundreds who had started to mark out plots on the open land to begin building. Residents cite overcrowding and a fear of Covid-19 contamination in the overcrowded informal settlements as the reason for seeking land onto which they wanted to build new shacks. South African is on a total lockdown of the country until the end of April to try stem the spread of the coronavirus SARS-CoV-2 which causes the Covid-19 disease.  EPA/NIC BOTHMA

Die Hütte von Alex Madikane hätte wegen des Coronavirus abgerissen werden sollen: Die Südafrikanische Regierung versucht, Häuser in den dichtbesiedelten Slums abzureissen, damit die Menschen nicht so dicht aufeinander wohnen. Bild: EPA

Das führt dazu, dass Millionen von Menschen auf sich alleine gestellt sind. Charles, ein Taxifahrer aus Nairobi, erzählt via Skype-Gespräch: «Seit Wochen darf ich keine Kunden mehr bedienen, niemanden mehr transportieren, ich kann nur noch zu Hause bleiben, zusammen mit meiner Frau und unserem Baby.» Zwar dürfe man am Tag noch einkaufen gehen, ab 19 Uhr sei es dann jedoch verboten, das Haus zu verlassen. «Einkaufen ist ja gut und recht aber mit welchem Geld?», fragt Charles. Und Charles ist nur einer von vielen. Die Menschen sind auf sich selbst gestellt – und dann oft eben auch verloren.

«Für 48 Millionen Menschen gibt es in meinem Land 400 Intensiv- und 800 Isolationsbetten in den Spitälern.»

Das bestätigt Delatrixs, eine 20-jährige Coiffeuse, ebenfalls aus Nairobi: «Ich lebe alleine und wenn ich keine Kundinnen habe, verdiene ich auch kein Geld. Wie also soll ich überleben, denn die Regierung kümmert sich nicht um uns.» So könne sie nur zu Hause bleiben und warten. Denn sie habe Angst, sich anzustecken. Aber auch wenn sie sich krank fühlen sollte, zum Arzt könne sie ja auch nicht. Denn für den Coronavirus-Test und eine allfällige Isolation im Spital müsse sie selber bezahlen – und Nahrungsmittel müsse sie auch selber mitbringen.

Doch dass sie überhaupt einen Platz in einem Spital erhalten würde, sollte sie denn krank werden, bezweifelt Delatrixs «in Kenia gibt es für 48 Millionen Einwohner gerade mal 400 Intensiv- und 800 Isolationsbetten. Da kann ich als Slum-Bewohnerin noch lange warten.»

Und so sei die Stimmung angespannt im Kawangware Slum in der kenianischen Hauptstadt, wo rund 60 Prozent der Bevölkerung in teils gigantischen Elendsvierteln lebt.

Es komme immer mehr zu Diebstählen und Gewalt. «In der Nacht höre ich oft Schüsse, das sind Polizisten, die in die Luft feuern, wenn sie Menschen auf der Strasse sehen.» Manchmal, da reiche es auch, wenn die Polizisten Menschen auf ihren Balkons sehen, denn selbst das sei in Kenia verboten. Beim zweiten von drei Skype-Gesprächen hört man denn auch durch das Telefon die Schüsse der Polizisten.

Doch es bleibt nicht nur bei Schüssen in die Luft. Fast täglich tauchen neue Whatsapp-Videos auf, die zeigen, die Polizei und Militär mit Gewalt auf Übertretungen der Ausgangssperre reagieren und mit Schlagstöcken auf alles einschlagen, das sich bewegt. Dutzende Menschen sind dabei bereits gestorben.

Hilfe kommt – so heisst es zumindest

A soldier hand out flyers about the novel coronavirus to a resident on the streets of Soweto, South Africa, Thursday, April 23, 2020, as the country remains in lockdown for a fourth week in a bid to combat the spread of the coronavirus. Africa has registered a 43% jump in reported COVID-19 cases in the last week, highlighting a warning from the World Health Organization that the continent of 1.3 billion could become the next epicentre of the global outbreak. (AP Photo/Themba Hadebe)

Ein Soldat verteilt Menschen in den Ghettos von Soweto in Südafrika einen Info-Flyer. Bild: AP

Um die Gemüter zu beruhigen versprechen die Regierungen Nothilfe, sie wollen Lebensmittelpackungen verteilen um so den ärmsten Menschen zu helfen. Doch vielerorts trifft die Nothilfe gar nicht erst ein, erzählt Alexandria, eine junge Radiojournalistin aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas. «Die Regierung erklärt den Notstand, das ist ja gut, aber sie tut das genau für Entebbe (dort liegt der internationale Flughafen, Anm. d. Red.) und die Hauptstadt Kampala.»

«Seit acht Wochen kann ich nicht mehr arbeiten, ich bin also auf Unterstützung angewiesen. Doch bekommen hätte ich bis heute überhaupt nichts.»

Doch um das restliche Land, um die restlichen 34 Millionen Einwohner des Landes, würde sich niemand kümmern, sagt sie. Und wie diese Menschen überleben sollen, die keine Arbeit und kein Geld und somit auch keine Nahrung mehr hätten, das wisse wohl niemand.

So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie

Und wo die Nothilfe eintrifft, da geschieht das hauptsächlich dank Beziehungen, erzählt etwa Delatrixs. «Seit acht Wochen kann ich nicht mehr arbeiten, ich bin also auf Unterstützung angewiesen. Doch bekommen hätte ich bis heute überhaupt nichts.» Nur dank einer ehemaligen Schulfreundin, die im kenianischen Innenministerium arbeitet, konnte sie eines der «Überlebenspäckli» heimlich erhalten. «Ansonsten wäre ich, wie so viele andere, leer ausgegangen und würde irgendwann verhungern.»

Denn die Nahrungsmittel, die Ausgegeben werden, die würden nirgendwo hinreichen und so komme es zu Gedränge, Handgemengen und engen Schlangen, Menschen stehen dicht gedrängt und warten – teils während Stunden. Währenddessen predigt die Regierung: haltet Abstand.

Aus Verständnis wird Wut

Residents desperate for a planned distribution of food for those suffering under Kenya's coronavirus-related movement restrictions push through a gate and create a stampede, causing police to fire tear gas and leaving several injured, at a district office in the Kibera slum, or informal settlement, of Nairobi, Kenya, Friday, April 10, 2020. (AP Photo/Brian Inganga)

Social Distancing wäre angesagt. Doch stattdessen kommt es bei der Nahrungsmittelabgabe im Kibera Slum in Nairobi zu Auseinandersetzungen. Bild: AP

Dass Regierungen das öffentliche Leben einschränken würden, habe man vielerorts verstehen können, berichte etwa die Wochenzeitung «The East African» zu Beginn der Corona-Pandemie in Afrika. Doch schnell seien die Einschränkungen zu einem Problem geworden. Denn die Regierungen würden zwar schnell Verbote erlassen, sich jedoch nicht um die Bürger kümmern, was nun zu Hungerkrisen und Todesfällen in ganz Afrika führen werde.

Eskaliert ist die Situation zum Beispiel in Südafrika, das Land, das in Afrika am stärksten vom Coronavirus betroffen ist. Auch dort ist die Grundversorgung mit Lebensmitteln durch die Regierung so schlecht, dass es immer wieder zu gewaltvollen Ausschreitungen zwischen der Armee und Slum-Bewohner kommt, die um Lebensmittel kämpfen. Denn zu viele Südafrikaner würden bei der Verteilung der Lebensmittel leer ausgehen. Rund 70'000 Soldaten wolle die Regierung nun mobilisieren, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, berichtet die «NZZ».

Und solch ein Vorgehen zeigt, wie schlecht viele Regierungen in afrikanischen Ländern auf eine Krankheit wie das Coronavirus vorbereitet sind, ja sogar die gleichen Fehler wie bei der Ebola-Epidemie von 2014 machen: Sie kopieren die drastischen Massnahmen aus Europa, schliessen Schulen und staatliche Behörden, stellen den lokalen Busbetrieb ein, verhängen Ausgangssperren und strapazieren das ohnehin schon überlastete System noch weiter.

Zentralistische Regierungen entscheiden, ohne sich mit den Behörden auf «kantonaler» oder Gemeinde-Ebene zu koordinieren. Betriebe werden geschlossen und Menschen ihrer Existenz-Grundlage beraubt. Und dabei geht bei den Entscheidungsträgern in afrikanischen Ländern eines vergessen: Die Lebensbedingungen in Afrika sind anders. Es gibt weder Kurzarbeitergeld noch Arbeitslosenversicherung noch Renten. Und Sparkonti haben die meisten Menschen sowieso nicht. Und so besteht die Gefahr, dass die Massnahmen der Regierungen gegen das Coronavirus noch weit gefährlicher sein könnten als das Coronavirus selbst.

WHO warnt: Zahl der Malaria-Toten in Afrika könnte wegen Corona stark steigen

In Afrika könnten in diesem Jahr doppelt so viele Menschen an Malaria sterben wie in anderen Jahren, wenn der Kampf gegen die Infektionskrankheit durch die Coronavirus-Pandemie behindert wird. Davor warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag kurz vor dem Welt-Malaria-Tag (25. April). Im schlimmsten Fall rechnet die WHO nach Modellrechnungen südlich der Sahara mit 769'000 Toten, doppelt so viele wie 2018. Das wäre eine Todesrate wie zuletzt vor 20 Jahren.

Die WHO ruft dringend dazu auf, möglichst zügig wie bislang mit Insektenspray behandelte Moskitonetze und Medikamente zu verteilen, bevor Einschränkungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus solche Aktionen womöglich einschränken oder unmöglich machen.

Mehr als 90 Prozent der Malaria-Infizierten weltweit leben und sterben nach WHO-Angaben in Afrika südlich der Sahara. Zweidrittel der Toten seien Kinder unter fünf Jahren. Weltweit waren es 2018 nach Schätzungen etwa 228 Millionen Fälle und 405'000 Tote.

Malaria wird durch Parasiten hervorgerufen, die durch den Stich einer Stechmücke übertragen werden. Betroffen sind Regionen in den Tropen und Subtropen. Seit 2004 haben die WHO und Partner weltweit mehr als zwei Milliarden behandelte Moskitonetze verteilt. (dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

Coronavirus: So trägst du die Schutzmaske richtig

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

66
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
66Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dr no 26.04.2020 22:51
    Highlight Highlight Angesichts der Bevölkerungsexplosion in afrika schafft die natur - in form von corona hier etwas ausgleich.
  • Victor Paulsen 26.04.2020 22:48
    Highlight Highlight Wir sind hier nur um uns besorgt, aktuell schaut jedes Land, dass es mit so wenig Schaden wie möglich durch die Krise kommt, was im Grunde ja verständlich ist. Aber die logische Schlussfolgerung daraus ist auch, dass es wegen genau solchen Aktionen zu mehr Armut und mehr Flüchtlingen kommt.
    Und dann mekert man wieder über diese Wirtschaftsflüchtlinge
  • Jay Zee Mzantsi 26.04.2020 20:58
    Highlight Highlight Im relativ reichen Südafrika geben 26% der Bevölkerung an, zur Zeit nicht genügend Geld für Lebensmittel zu haben, in den Townships sind es zwei Drittel. In dieser Situation fanden es gewisse Ward Councillors (eine Art Stadtbezirks-Gemeindepräsidenten) nötig Frässpäckli für die Bedürftigen zu plündern. Mehrheitlich sind das Mitglieder von der Regierungspartei, die den sehr strengen Lockdown verantworten.
  • paule 26.04.2020 18:17
    Highlight Highlight Die Politiker schauen alles den anderen ab, oder wenigstens fast alles. Nur da wo es keine Strukturen hat, weil die Länder noch heute unter der Plünderung duch die Weissen leiden nützt alles nichts. Die hätten besser alles offen gelassen, da es keine solche überalterung gibt wie bei uns.
    • lilie 27.04.2020 12:40
      Highlight Highlight @paule: Und warum gibt es keine Überalterung? Weil die Leute an AIDS, Tuberkulose, Malaria oder Mangelernährung sterben.

      Und bald auch an Covid-19.
  • Locutus70 26.04.2020 15:03
    Highlight Highlight Da braucht man gar nicht bis nach Afrika gehen - Italien und Spanien verfahren ja ebenso.
  • Clank 26.04.2020 14:47
    Highlight Highlight Die WHO macht ja auch mächtig Druck auf jede afrikanische Regierung, die keine Ausgangssperre verhängt.
    Viele Regierung befolgen einfach nur die Empfehlung, um weiterhin von Hilfe profitieren dürfen. Dass sie mit solchen Massnahmen mehr schaden anrichten als ohne, geht vor lauter Corona-Hysterie unter.
    Ich meine, wie widersprüchlich ist das denn, dass Leute dabei sterben müssen, damit sie sich an Massnahmen halten können, die ihr eigenes Leben eigentlich schützen sollte.
  • Locutus70 26.04.2020 14:27
    Highlight Highlight Ein Freund hat mir von Thailand berichtet, da ist es auch chaotisch. Es hat 52 Tote und die Regierung und Behörden verfallen total in Panik.
    Wer im Supermarkt einkaufen will, bei dem wird vorher Fieber gemessen. Ist es sogar leicht erhöht, gibt es halt nix und derjenige wird nach Hause geschickt.
  • Cirrum 26.04.2020 14:22
    Highlight Highlight Länder und Lebensräume ausbeuten und dann zuschauen, wie die Menschen verhungern.Das ist unsere zivilisierte, alle Menschen haben die gleichen Rechte, Welt.
  • Maracuja 26.04.2020 14:02
    Highlight Highlight Wieder einer dieser Artikel, der alle afrikanischen Regierungen in einen Topf wirft und gleichzeitig ausser Acht lässt, dass es auch in anderen Kontinenten Länder gibt mit vielen Menschen, die im sog. informellen Sektor tätig sind und täglich um ein kleines Einkommen kämpfen.
    Gemäss meinen Verwandten in Ghana wurde der kurze Lockdown bereits stark gelockert, gearbeitet kann fast überall wieder. Es herrscht aber Maskenpflicht. Gottesdienste, Beerdigungen usw. dürfen noch nicht wie gewohnt stattfinden. Staat hat für 3 Monate Wasserrechnung erlassen, gab Rabatt auf Strom & hat Nahrung verteilt.
    • Lucida Sans 27.04.2020 01:20
      Highlight Highlight Das meine ich jetzt ganz ehrlich. Es freut mich, von einem afrikanischen Land zu hören, dessen Regierung offensichtlich nicht in die eigene Tasche wirtschaftet. Das macht Hoffnung. Ichwünsche den Menschen dort, dass sie gesund bleiben und alles gut überstehen.
  • Red4 *Miss Vanjie* 26.04.2020 11:33
    Highlight Highlight Meine Bekannte und ihr Mann haben innerhalb weniger Tage einen Fundraiser aufgebaut wo sie Essens Päckchen für die verteilen, welche sonst während eines Lockdowns verhungern. Sie nutzen das austeilen auch um die Leute auf Covid-19 und Social Distancing zu sensibiliserien.
    • lilie 26.04.2020 12:26
      Highlight Highlight @Red4: Wow, das finde ich echt toll! 😃👍
    • Raembe 26.04.2020 16:40
      Highlight Highlight Mist! Das hätte ein Herz werden sollen. Sry 😅

      Klasse Aktion deiner Bekannten und ihres Mannes.
  • landre 26.04.2020 11:12
    Highlight Highlight Mit dem Kolonialismus (geschweige denn mit dem Postkolonialismus) haben wir wirklich einen gigantischen Schlamassel auf dem afrikanischem Kontinent angerichtet...

    Unsere lebende Generation ist aber trotzdem nicht beauftragt die entstandenen Probleme vor Ort zu lösen...

    Unsere Generation darf aber endlich mal anfangen Afrika zu respektieren für das was es ist. Und dies bezüglich müsste/ könnte die UNO-Charta entscheidend sein...

    Aber eben, solange der Spirit und die Umsetzung der UNO-Charta permanent willkürlich hintergangen wird, bleibt es weiterhin nur bei Symptombekämpfungen...
    • Calvin Whatison 26.04.2020 12:25
      Highlight Highlight Wenn meinen Sie mit Wir?
    • Sälüzäme 26.04.2020 14:03
      Highlight Highlight Natürlich müssen wir die Probleme lösen, denn wir profitieren immer noch vom gestohlenen Reichtum. Auch jetzt wird der Kontinent ausgeplündert, ohne illegale Mienen kein Smartphone, subventionierte Fangflotten leeren ihre Fischgründe, Phosphat für unsere Felder, Öl, Diamanten, Gold (75% des weltweiten Handels läuft über die Schweiz) und viele andere Rohstoffe. Nicht nur auf die Bananen schauen, durch subventionieren Export werden die lokalen Hersteller von Lebensmittel in den Ruin getrieben da die Exporte billiger sind, normalerweise eine Unmöglichkeit. Bitte genauer hinschauen was abläuft.
    • landre 26.04.2020 15:41
      Highlight Highlight @Calvin "Wir", die von Afrika vor allem materiell höchst fragwürdig profitieren.

      @Sälüzäme Hoi. Würden die dem Rechtsstaat orientierten Prinzipien (wie man Beispiele zB in der UNO-Charta nachlesen kann) respektiert werden, würde es uns allen höchst wahrscheinlich materiell und immateriell besser gehen...

      Dies Vorort zu gewährleisten und umzusetzen ist Aufgabe der entsprechenden "Bewohner-innen" und nicht den tausenden von Kilometer entfernten Mitmenschen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 26.04.2020 11:01
    Highlight Highlight Diese afrikanischen Staatschefs vergessen dabei nicht, dass ein Teil des Volkes verhungert.......und das ist das schreckliche ....sie nehmen es entweder kalt lächelnd in Kauf oder es kommt ihnen gerade gelegen.
    • lilie 26.04.2020 12:31
      Highlight Highlight @nadassagenwirjetztmal: Das kann schon sein.

      Ich fürchte aber, dass in den Lockdowns ein sehr grosser Anteil an Hilflosigkeit steckt. Im Westen können wir die Pandemie überwachen, Massnahmen ergreifen, der Bevölkerung vermitteln und deren Wirksamkeit überprüfen.

      In vielen afrikanischen Staaten ist das ko plett illusorisch. Also, was sollen sie tun? Sie tun das Gleiche wie die anderen Staaten. Dann haben sie wenigstens etwas getan.

      Es kann sein, dass so mehr Schaden ensteht, als wenn man nichts gemacht hätte. Das weiss man aber nicht, weil mans nicht überprüfen kann.

      Das ist echt scheisse.
    • Maracuja 26.04.2020 14:08
      Highlight Highlight < President Nana Akufo-Addo of Ghana has lifted a three-week lockdown in two cities, citing improved coronavirus testing and the "severe" impact of the restrictions on the poor and vulnerable in the West African nation.

      Nonessential businesses in Accra and Kumasi, the country's two largest cities, can re-open Monday and residents can return to work but must continue to practice social distancing, he said.> (CNN 20.4)

      Meine Verwandten in Ghana bewerten das Verhalten ihrer Regierung durchaus als verantwortungsvoll.
    • Randalf 26.04.2020 15:31
      Highlight Highlight
      Maracuja
      Aber du weisst schon dass der Markt in Kumasi (der grösste Markt Afrikas, über 40'000 Anbieter) nur Stunden später, nach der Öffnung, wieder geschlossen wurde?
      Die Öffnung hatte auch zur Folge, dass kein Essen mehr verteilt werden sollte und (die Öffnung) in Ghana selbst umstritten ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Frechsteiner 26.04.2020 10:10
    Highlight Highlight Wusste gar nicht, dass dieses Afrika nur ein Land ist, habe gestern das Quiz mit den 50 Ländern gemacht, dort war es noch anderst.

    Sehr beunruhigend ist der Artikel schon, aber auch recht undifferenziert
    • poltergeist 26.04.2020 10:33
      Highlight Highlight Es ist nicht ein Land aber die Probleme sind in vielen Ländern gleich: Korrupte, unfähige Regierungen. Wieso sollten die jetzt diese Krise meistern können?
    • lilie 26.04.2020 12:34
      Highlight Highlight @häxxebäse: Ich wüsste nicht, dass wir nennenswerte Geschäftsbeziehungen haben mit dikatorischen Regimes in Afrika. Das Gegenteil ist der Fall: Nur mit einem halbwegs geordneten Land kann man geschäften. Deshalb schicken wir vermutlich mehr Entwicklungshilfe in diese Länder als wir Handelsumsatz mit ihnen machen.
    • Kruk 26.04.2020 15:28
      Highlight Highlight Lilie, es geht doch vor allem um den Rohstoffhandel, und schau mal, da ist die Schweiz die grosse Drehscheibe.
      Da brauche ich glaub keine Namen zu nennen von Schweizer Firmen welche dort Kriminelles Vorgehen fördern.
      Auch die Schokolade, die Du ja so magst, die Kakao dazu kommt zu grossen Teilen aus Afrika, wobei schon eher von den vernünftigen Staaten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 26.04.2020 09:59
    Highlight Highlight Das Coronavirus ist eine Herausforderung für die hochtechnisierte Gesundheitsversorgung der entwickelten Welt - für viele Gegenden in Afrika ist es schlichtwegs eine Überforderung.

    Gerade gestern habe ich einen Artikel über Burkino Faso gelesen: 1 Million Menschen sind in provisorischen Unterkünften untergebracht wegen dem Bürgerkrieg, meist ohne fliessend Wasser. Es gibt 1 Labor, das Tests durchführen kann - für 20 Millionen Einwohner.

    Wir sorgen uns um die Flüchtlingscamps in Griechenland - das ist aber nur der "Überlauf" eines Elends viel grösseren Ausmasses.
  • Jeremy Liquidpsy 26.04.2020 09:57
    Highlight Highlight Schrecklich :/ als ob es noch nicht genug Leid gäbe in Afrika.. Jetzt können die Machthaber nochmal so richtig durchgreifen und tun was sie wollen..
  • Super8 26.04.2020 09:54
    Highlight Highlight Ich wünsche diesen Menschen so sehr gute Regierungen.
    • pamayer 26.04.2020 11:26
      Highlight Highlight Das ist sicher gut. Was sie in Afrika aber auch brauchen sind faire Preise für ihre Produkte. Noch immer ist ein Apfel aus der Schweiz teurer als eine Banane, die mehr als 1000 km transportiert wurde.
  • DrDeath 26.04.2020 09:38
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • Varanasi 26.04.2020 09:49
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Sälüzäme 26.04.2020 10:49
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Druna 26.04.2020 11:26
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Ökonometriker 26.04.2020 09:26
    Highlight Highlight Gibt's in afrikanischen Staaten wegen dem Corona-Virus überhaupt eine Übersterblichkeit?
    Die Bevölkerung in diesen Ländern ist sehr jung und das Wetter ist viel sonniger und wärmer als in Europa. Da hat es das Virus schwerer.

    Unter Umständen ist für diese Länder der Weg mit dem Lockdown der Falsche. Schon in den USA haben die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise in den folgenden drei Jahren zu min. einer Million zusätzlichen Toten geführt. Afrikanische Länder haben oft noch schwächere Sozialstaaten. Dies sollte von der Politik bedacht werden.
    • lilie 26.04.2020 09:52
      Highlight Highlight @Ökonometriker: Die Bevölkerung ist oft sehr jung, aber auch gezeichnet von Mangelernährung, schlechter Gesundheitsversorgung, Tuberkulose und AIDS.

      Ein rüstiger 75-Jähriger bei uns ist vermutlich widerstandsfähiger als viele 40-Jährige in gewissen Gegenden Afrikas.

      Das warme Wetter scheint dem Virus zudem kaum etwas anhaben zu können (siehe Ausbreitung in Südostasien).

      Und wie genau kann die Übersterblichkeit überhaupt gemessen werden? Wie zuverlässig sind die Zahlen? In einem Bürgerkriegsland wie z.B. Burkino Faso hat doch niemand mehr den Überblick.
    • elco 26.04.2020 11:12
      Highlight Highlight Natürlich ist der Lockdown der falsche Weg, nicht nur in Afrika aber dort ganz besonders.
  • Varanasi 26.04.2020 09:25
    Highlight Highlight Das ist ein toller, differenzierter Artikel, danke dafür.
    Mali z.B. hat auch nur 5 Beatmungsgeräte auf die 17 Millionen Einwohner.
    Ich denke in Indien, Bangladesh usw. sieht es ähnlich aus.
    Dazu noch Regierungen, die diese Situation ausnutzen und die Gewaltausübung ausweiten.
    Schlimm, wie immer leiden die Ärmsten am meisten.
  • weissauchnicht 26.04.2020 09:19
    Highlight Highlight Dass Afrika die europäischen Massnahmen kopiert, war absehbar. Die Folgen davon auch. Darum finde ich nach wie vor die schwedische Zurückhaltung bei den Massnahmen richtig.
    Es darf doch nicht sein, dass andernorts junge Menschen auf der Suche nach Perspektiven sterben, statt bei uns alte Menschen mit Vorerkrankungen.
    • ScottSterling 26.04.2020 12:30
      Highlight Highlight Also Moment: Weil die Massnahmen in Afrika falsch sind, sollten wir auch hier darauf verzichten?
    • AntiCapitalism 26.04.2020 16:26
      Highlight Highlight Wir sollten darauf verzichten weil Schweden es uns vormacht das es auch anders gehen kann.
    • weissauchnicht 26.04.2020 16:50
      Highlight Highlight Wir sollten auf Massnahmen verzichten, die auch hier inadäquat sind um langfristig mit dem Virus umzugehen.
  • chris791 26.04.2020 08:51
    Highlight Highlight Bei Covid-19 steckt eine erkrankte Person ohne Schutzmassnahmen im Durchschnitt 2 bis 3 Personen an. Bei Malaria sind es über die Überträgermücken 100.
    NZZ, am 24.4.2020.
    • Varanasi 26.04.2020 11:34
      Highlight Highlight Für Malaria gibt es wenigstens Medikamente im Gegensatz zu Covid.

      Was wirklich dramatisch ist, dass im Moment die Impfkampagnen gegen Masern in Hintergrund geraten und dadurch viele Menschen gefährdet werden.
      Im Kongo sind gerade über 6000 Menschen an Masern gestorben und das ist schlimm.
    • AntiCapitalism 26.04.2020 16:32
      Highlight Highlight Es gibt Medikamente. Das ist ein Witz, das ist dir hoffentlich bewusst.
      Ja, es gibt Medikamente, jedoch nicht für die Leute die sie wirklich bräuchten. Für die sind die medizinische Versorgung schlichtweg zu teuer und somit nicht erreichbar.

      Das mit den Masern ist wirklich schlimm, das stimmt. Und was noch schlimmer ist, ist dass an jedem Tag ca. 5'000 Kinder in Afrika verhungern. Das interessiert hier nur niemand.

      Wo ist die achso hoch gelobte Solidarität in Zeiten Corona? Die zählt wahrscheinlich nur für uns Schweizer oder Europäer. Mit den Afrikaner kann man es ja machen. *Kotz*
  • Sälüzäme 26.04.2020 08:39
    Highlight Highlight Und dann wundert man sich, warum diese Leute bei ins vor der Türe stehen. Viele Politiker sehen in ihnen "nur" Wirtschaftsflüchtlinge und blenden alles andere aus, wie Krieg, Terror, Korruption, Hungersnot, Gesundheitskrise etc. Haupsache die Rohstoffe für unseren luxuriösen Lebenstil sind weiterhin billig und die Marche gross genug. Noch besser ist, dass diese Geschäfte von der Schweiz aus durch steuerbegünstigte Firmen abgewickelt werden. Hoffe, Corona verändert in dieser Hinsicht etwas zum Positiven für Afrika und seine Menschen.
    • Itallion 26.04.2020 11:37
      Highlight Highlight Krieg, Terror, Korruption, Hungersnot, Gesundheitskrise etc.....du weisst schon dass das in Afrika selbsgemacht ist....
    • Neruda 26.04.2020 13:40
      Highlight Highlight Haha der Westen sorgt schon dafür, dass das so bleibt. Wehe da kommt mal einer, der sein Land emanzipieren will und die Wertschöpfung bei sich behalten will. Dann organisieren die westlichen Regierung dann schnell ein paar "Aufständische". Soweit selbstgemacht.
    • Kruk 26.04.2020 15:34
      Highlight Highlight Neruda liegt da sehr richtig, als der Niger einige Konzessionen zum Uranabbau mal nicht Frankreich überliess sondern einer Nigrisch-chinesischen Firma, gab es kurzerhand einen Putsch und das einzige was sich änderte war die vergabe genau dieser Konzessionen, welch wieder an Französische akteure übergingen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 26.04.2020 08:13
    Highlight Highlight Man kann die Bevölkerung nicht Jahrzehnte- und Jahrhunderte lang sich selber überlassen und dann glauben, man könne sie wegen einer Pandemie plötzlich autoritär dazu zwingen, zu Hause still und diskret zu verhungern.
    Das sollte eigentlich allen klar sein.
    Aber den "Reichen und Mächtigen" auf dieser Welt ist das anscheinend NICHT klar!
    Sie wollen die Konsequenzen eines globalen Systems der Ausplünderung, des Raubbaus und der Verwüstung nicht tragen und akzeptieren:
    Das ist die Rache der geschundenen Natur und der geschändeten Armen! Sie werden "krank" und verbreiten ihre "Krankheiten" ÜBERALL!

Interview

«96 Prozent der Frauen in unseren Zentren auf Lesbos sind Opfer sexueller Gewalt»

Raquel Herzog ist Gründerin einer NGO, die auf Lesbos und in Athen ein Tageszentrum für Frauen auf der Flucht betreibt. Im Interview erklärt sie, wieso Frauen, die im Lager Moria lebten, besonders auf Unterstützung angewiesen sind und wie es um die aktuelle Lage auf Lesbos steht.

Frau Herzog, vor ein paar Wochen erreichten uns Bilder vom brennenden Camp Moria. Wie ist die Situation auf Lesbos jetzt? Raquel Herzog: Im neu aufgebauten Lager sind bereits 9000 Menschen untergebracht. Währenddessen ist die schweizerische humanitäre Hilfe vor Ort. Sie sorgt sich um die Trinkwasserversorgung.

Wie sind die Bedingungen in den neuen Lagern? Es gibt 37 Toiletten. Ich bezweifle, dass es im neuen Lager ein Abfallkonzept gibt. Zudem …

Artikel lesen
Link zum Artikel