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Stan Wawrinka bereitet sich in Saudi-Arabien auf die neue Saison vor.
Stan Wawrinka bereitet sich in Saudi-Arabien auf die neue Saison vor.bild: twitter/visitsaudinow
Analyse

Wawrinka in Saudi-Arabien – die Marionette der Öl-Milliardäre

Stan Wawrinka spielt auf Einladung des Königshauses von Saudi-Arabien um ein Preisgeld von einer Million Dollar. Er lässt sich damit von einem Regime für Propaganda instrumentalisieren, das Menschenrechte mit Füssen tritt, Frauen unterdrückt und Dissidenten foltert und hinrichtet. Wawrinka macht die Hand auf. Nicht aber den Mund. Eine Analyse.
12.12.2019, 16:2013.12.2019, 11:16
Simon Häring / ch media

Tatort Intercontinental Hotel in Ryadh, Hauptstadt, Zentrum der Macht und der Hochfinanz des Königreichs Saudi-Arabien. Hier, in einer der exklusiven Suites, logiert seit Dienstag der Schweizer Stan Wawrinka. Auf Einladung von Abdulaziz bin Turki bin Faisal bin Abdulaziz Al Saud – und damit eines Vertreters des Königshauses persönlich.

Acht der Weltbesten Tennis-Spieler ermitteln bis Samstag den Sieger des Diriyah Tennis Cup. Alimentiert wird das Einladungsturnier von Saudi Aramco, dem grössten Ölproduzenten der Welt. Das Unternehmen hat 2018 einen Gewinn von 111.1 Milliarden Dollar erwirtschaftet und ist damit das profitabelste der Welt. Sein Börsenwert: 2 Billionen (!) Dollar. Am Mittwoch ging Aramco an die Börse und erwirtschaftete damit über 25 Milliarden Dollar. Geld, das direkt in die Modernisierung Saudi-Arabiens fliessen wird.

Wawrinka bereits aus dem Millionen-Rennen
Stan Wawrinka wird beim Diriyah-CUP in Saudi-Arabien die für den Sieger reservierte Prämie von einer Million Dollar nicht einstreichen. Der Waadtländer verlor zum Auftakt gegen den Franzosen Gaël Monfils 3:6, 3:6. Nach der Niederlage spielt der Schweizer am Freitag im Trostturnier gegen John Isner, der Fabio Fognini unterlag. (sda)
Die acht Tennis-Stars im traditionellen Thobe.
Die acht Tennis-Stars im traditionellen Thobe.bild: twitter/DiriyahCup

Digital, vernetzt, weltoffen und effizient – so skizziert Kronprinz Mohammed Bin Salman seine «Vision 2030». Am Roten Meer soll die Retortenstadt Neom, ein von erneuerbaren Energien erleuchtetes Technologie-Paradies entstehen. «Weg vom Öl!», heisst der Schlachtruf. Das schwarze Gold soll vor allem Exportschlager sein und weniger zu Hause verbraucht werden.

Mit diesem Video wirbt Stan Wawrinka für den Diriyah Tennis Cup.Video: YouTube/Diriyah Tennis Cup

Sport-Stars machen die hohle Hand

Saudi-Arabien als leuchtendes Beispiel für die Zukunft? Als Symbol für eine offene Gesellschaft? Gebaut auf Innovation und beseelt von einem visionären Geist? Wohl eher nicht. Saudi-Arabien tut das, was Autokratien schon immer getan haben: Den Sport für Propaganda missbrauchen. Das Tennisturnier ist nur ein Teil der Diriyah Season. Anfang Dezember boxten auf der gleichen Bühne Anthony Joshuah und John Ruiz Jr. im «Clash on the Dunes» (Kampf auf den Sanddünen) um die Krone im Schwergewicht.

Die Highlights des Kampfs Ruiz vs. Joshua II.Video: YouTube/DAZN_DE

Ende November gastierte die Formel E in Diriyah, das am nordwestlichen Rand von Riad liegt, Herkunftsort der Herrscherdynastie Al Saud ist und seit 2010 Weltkulturerbe ist. Die perfekte Kulisse, um im Schaufenster der Welt ein Pfauenrad zu schlagen. Die Diriyah Season als Täuschung der Welt, ausstaffiert mit bombastischer Schaufensterdekoration, glanzvollen Wettkämpfen in einer Kulisse überwältigender Architektur.

Sportswashing nennen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International das. Imagepflege also, immer mit freundlicher Genehmigung der Sportler. Wenn die Scheichs mit den Dollar-Noten wedeln, machen sie die hohle Hand. Auch bei Saudi-Arabien. Das Land, das im letzten Jahr eine 15-köpfige Truppe nach Istanbul geschickt hatte, um den Journalisten Jamal Kashoggi im Konsulat zu exekutieren. Saudi-Arabien, das Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt. Saudi-Arabien, das Homosexuelle foltert, Dissidenten ermordet.

Das Land, das auf dem Al-Safah-Platz in der Hauptstadt Riad, im Volksmund «Kopf-ab-Platz», so viele Menschen öffentlich enthauptet, dass man einst per Online-Anzeige Henker von Königs Gnaden suchte. Saudi-Arabien, das Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt, ihnen den Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen erschwert. Saudi-Arabien, das alles verkörpert, das nicht mit unserem Demokratieverständnis zu vereinbaren ist: keine freien Wahlen, keine Religionsfreiheit, keine Gewaltenteilung, keine Pressefreiheit, keine Versammlungsfreiheit, keine Meinungsfreiheit. Regelmässig werden Amputationen, Steinigungen und Auspeitschungen durchgeführt.

Wir wollten von Stan Wawrinka wissen, wie er mit den Gegebenheiten umgeht. Folgende sechs Fragen wurden ihm und seinem Agenten am Dienstag zugestellt. Sie blieben auch auf Nachfrage unbeantwortet.

Die sechs Fragen an Wawrinka:

  • Wann und wie kontaktierten die Organisatoren des Diriyah Tennis Cup Stan Wawrinka betreffend einer Teilnahme am Turnier?
  • Was sind die Gründe und Vorteile einer Teilnahme am Diriyah Tennis Cup, auch im Hinblick auf die kommende Saison?
  • Wie sieht das Rahmenprogramm beim Diriyah Tennis Cup aus? An welchen Aktivitäten nimmt Stan Wawrinka teil?
  • Wie schützt man sich als Sportler davor, von einem totalitären Regime für Propaganda-Zwecke instrumentalisiert zu werden?
  • Saudi-Arabien lehnt die von den Vereinten Nationen verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als nicht mit dem Islam vereinbar ab. Das Land gilt als eines der rückständigsten der Welt, wenn es um Frauenrechte geht. Zahlreiche demokratische Grundrechte sind inexistent: Wahlfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit. Es gibt kein Wahlrecht, kein Versammlungsrecht, Demonstrationen sind verboten. Werden solche Gegebenheiten bei der Planung von Schaukämpfen berücksichtigt und diskutiert?
  • Wie schwierig ist es, sich angesichts solcher Umstände auf den Standpunkt zu stellen, Sport und Politik seien isoliert zu betrachten?

Stan Wawrinka ist in dieser Geschichte nicht Täter. Der 34-Jährige ist nicht verantwortlich für die Verletzung von Menschenrechten. Aber er lässt sich wie alle anderen Sportler als Marionette instrumentalisieren. Denn in Diriyah geht es nicht um sportliche Meriten und nur vordergründig um eine optimale Vorbereitung der neuen Saison. «Ich bin glücklich, hier zu sein, es ist eine tolle Atmosphäre. Was die Leute hier auf die Beine gestellt haben, ist sehr beeindruckend, ich geniesse es sehr», sagt Wawrinka am Tag vor dem Turnier. Alleine die Teilnahme bringt 100'000 Dollar ein, der Sieg ist mit einer Million Dollar Preisgeld prämiert.

So lief der offizielle Anlass am Tag vor dem Diriyah Tennis Cup.Video: YouTube/Diriyah Tennis Cup

Dass es auch anders geht, beweist der Golfer Rory McIlroy. Der Nordire lehnte ein Angebot über 2.5 Millionen Dollar für sein Erscheinen bei einem Turnier ab und begründete das damit, dass er auch «eine moralische Verantwortung» trage. Dass er im Intercontinental Hotel als «Mr. Stan Wawrinley» und sein Trainer Magnus Norman als «Mr. Magnus Nonfils» bezeichnet werden, amüsiert Wawrinka. Frei nach dem Motto: Beisse nie die Hand, die dich füttert. Stan Wawrinka hat mit seiner Teilnahme am Diriyah Tennis Cup eine Chance verpasst. Er macht die Hand auf. Nicht aber den Mund.

bild: instagram/stanwawrinka
Sportveranstaltungen in Saudi-Arabien
Italienischer Supercup: Im Januar wurde in Dschidda der italienische Supercup ausgetragen. Meister Juventus Turin besiegte Cupsieger Milan mit 1:0. Im Januar 2020 trifft Juventus Turin auf Lazio Rom.

Golf-Turnier der Europa-Tour:
Im Februar war King Abdullah Economic City, eine Retortenstadt am roten Meer, die bis 2030 zu einer Millionenstadt anwachsen soll, Schauplatz für ein Golfturnier der Europa-Tour.

Formel-E-Rennen: Diriyah ist Bestandteil der Formel-E-Meisterschaft. Die Strecke führt unter einem eigens errichteten Gebäude durch, in dem eine Loge für Kronprinz Mohammed bin Salman errichtet wurde.

WM-Boxkampf im Schwergewicht: Anfang Dezember boxten Anthony Joshuah und Andy Ruiz jr. im «Clash on the Dunes» (Kampf auf den Sanddünen) in Diriyah um den Weltmeistertitel im Schwergewicht.

Pferdegalopp-Rennen: Am 29. Februar 2020 findet in der Hauptstadt Riad der «Saudi Cup» statt. Es ist mit 20 Millionen Dollar das höchstdotierte Pferdegalopprennen der Geschichte.

Spanischer Supercup: Vom 8. bis 12. Januar 2020 spielen Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid und Valencia in Dschiddah um den spanischen Supercup. Der 3-Jahres-Deal bringt der Liga 120 Millionen Dollar ein.
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Federer vs. Wawrinka – die bisherigen Duelle

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Federer vs. Wawrinka – die bisherigen Duelle
quelle: ap/ap / mark j. terrill
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Das Hut-Interview mit Stan Wawrinka

Video: watson

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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FITO
12.12.2019 17:09registriert April 2019
Hat Stan the man jetzt einen neuen Ausrüster?
Sein neues Dress erinnert irgendwie an altes schweizer Brauchtum, nur dass es bei den Wüstensöhnen irgendwie schwierig wird den Winter zu vertreiben.
Wawrinka in Saudi-Arabien – die Marionette der Öl-Milliardäre
Hat Stan the man jetzt einen neuen Ausrüster?
Sein neues Dress erinnert irgendwie an altes schweizer Brauchtum, nur dass es bei den Wüstensöhnen irgendwie schwierig wird den Winter zu vertreiben.


P.S.: An die Redaktion.
Die sechs Fragen an Wawinka ???
Wird das R jetzt auch schon im nahen Osten ignoriert? ;)
88814
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ayyyyyyyyy
12.12.2019 16:43registriert Oktober 2016
Schon etwas fies, nur den Stan rauszupicken. Wie wär's mit einer Serie über alle, die menschenrechtsverachtende Staaten für Geld von ihrem Image profitieren lassen? PSG, ManCity, Bayern München, Roger Federer für VAE, FIFA, Formel 1 und und und – so schnell dürfte das Material für Artikel zu diesem Thema nicht ausgehen.
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schuelhuusgspängschtli
12.12.2019 16:39registriert August 2019
Endlich werden diese unsäglichen Praktiken mal direkt angesprochen. Danke an den Autor für diese klare Analyse!
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