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Thomas Aeschi kommt wegen seines Arbeitgebers unter Druck.<br data-editable="remove">
Thomas Aeschi kommt wegen seines Arbeitgebers unter Druck.
Bild: KEYSTONE

Thomas Aeschi im Gegenwind: Kritische Fragen zur möglichen NSA-Connection

SVP-Bundesratskandidat Thomas Aeschi ist wegen seiner beruflichen Tätigkeit unter Druck. Seinem Arbeitgeber werden Beziehungen zum umstrittenen Geheimdienst NSA nachgesagt.
24.11.2015, 10:0002.12.2015, 14:49

Am letzten Freitag landete der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi eher überraschend auf dem Dreierticket der SVP für die Bundesratswahl am 9. Dezember. Die Freude währte kurz, denn bereits sieht sich der Senkrechtstarter mit unbequemen Fragen konfrontiert. Zum einen geht es um einen Leserbrief, in dem Aeschi sich gegen ein Asylzentrum in seiner Heimatgemeinde Baar ausgesprochen und dabei vertrauliche Informationen publik gemacht hat.

Zu reden gibt auch Aeschis berufliche Tätigkeit als Unternehmensberater. Er arbeitet seit 2008 für die Firma PwC Strategy&, die bis zur Übernahme durch den Giganten PricewaterhouseCoopers (PwC) vor einem Jahr den Namen Booz & Company trug. Sie entstand 2008 durch Abspaltung vom US-Technologiekonzern Booz Allen Hamilton. Dieser erbringt unter anderem Dienstleistungen für das US-Verteidigungsministerium und den umstrittenen Nachrichtendienst NSA.

Aeschis Arbeitgeber gehörte bis 2008 zum US-Konzern Booz Allen Hamilton.<br data-editable="remove">
Aeschis Arbeitgeber gehörte bis 2008 zum US-Konzern Booz Allen Hamilton.
Bild: EPA

Besonders pikant: Booz Allen Hamilton war der letzte Arbeitgeber des Whistleblowers Edward Snowden, bevor er sich vor zwei Jahren nach Hongkong absetzte und sein Wissen über die Schnüffelaktivitäten der NSA publik machte. Die mögliche NSA-Connection des SVP-Kandidaten sorgt für Stirnrunzeln, selbst die FDP-nahe NZZ stellte die Frage: «Arbeitet Thomas Aeschi für PwC oder für die NSA?»

«Nie für Nachrichtendienst gearbeitet»

Aeschi war am Montag telefonisch nicht erreichbar. Gegenüber der NZZ betonte er, er habe «nie für eine ausländische Regierung oder einen Nachrichtendienst gearbeitet bzw. diese beraten». In einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» erklärte der Zuger, er habe während seiner gesamten Karriere immer für den Privatsektor gearbeitet. «Einzige Ausnahmen waren eine Zentralbank und ein Staatsfonds, die wir beraten haben.»

Ausgestanden ist die Sache für den smarten Nationalrat damit kaum, denn er hat den Namen seines Arbeitgebers weder im Interessenregister der Parlamentsdienste noch auf seiner persönlichen Website angegeben. «Ich fand einfach nicht, dass mein Arbeitgeber für die Öffentlichkeit wichtig ist», rechtfertigte sich Aeschi in der «Zentralschweiz am Sonntag».

Kritische Fragen in den Hearings

Mit dieser Antwort dürften sich die Parlamentarier, die ihn in den Bundesrat wählen sollen, kaum zufrieden geben. «Thomas Aeschi wird sich im CVP-Hearing kritischen Fragen zu seinen beruflichen Verwicklungen stellen müssen», sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay. Ähnlich äusserte sich der neue FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis: «Er wird zu allem, was in den nächsten Tagen über ihn bekannt werden wird, Auskunft geben müssen.»

Norman Gobbi (l.) und Guy Parmelin: Wird einer der beiden zum lachenden Dritten?<br data-editable="remove">
Norman Gobbi (l.) und Guy Parmelin: Wird einer der beiden zum lachenden Dritten?
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Thomas Aeschi steht im Gegenwind. Seine Karrierekurve zeigte bislang steil nach oben: Erst vor fünf Jahren stieg er als Zuger Kantonsrat in die aktive Politik ein, und bereits rüttelt er an der Tür zu den höchsten politischen Weihen. Mit 36 Jahren wäre er der viertjüngste Bundesrat der Geschichte. Er gilt als umgänglich und gescheit, aber auch als streberhaft. Politisch liegt er klar auf Parteilinie, ihm wird eine Nähe zu SVP-Übervater Christoph Blocher nachgesagt.

Diese Tatsache könnte für Aeschi zu einem grösseren Problem werden als seine beruflichen Aktivitäten. Im Bundeshaus sorgt die Aussicht auf einen strammen «Blocherianer» im Bundesrat für wenig Begeisterung. Den Ausschlag am 9. Dezember werden die Mitte-Parteien geben. Ein Sprengkandidat aus ihren Reihen, den sich viele Linke erhoffen, ist nicht in Sicht. Und trotz Ärger über die Ausschlussklausel der SVP ist es fraglich, ob sie zur Wahl eines «wilden» SVPlers – etwa Thomas Hurter oder Heinz Brand – bereit sein werden.

Parmelin oder gar Gobbi?

Deshalb rücken die beiden anderen Bewerber des Dreiertickets in den Fokus. Die «NZZ am Sonntag» sieht den Waadtländer Nationalrat und Weinbauern Guy Parmelin in der Favoritenrolle. «Ich spreche Parmelin gute Chancen zu. Er ist von den dreien sicher der Kandidat mit der grössten Distanz zu Christoph Blocher», sagte der einflussreiche CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, der wie Thomas Aeschi aus Zug stammt, im Gespräch mit der Zeitung.

Parmelins grösster Nachteil ist seine Herkunft, er wäre neben Alain Berset und Didier Burkhalter der dritte Romand im Bundesrat. Das ist nicht unmöglich, aber die Westschweiz wäre damit deutlich übervertreten. Vor allem könnte er die Hoffnungen der Tessiner zunichte machen, die nach 16 Jahren Abwesenheit auf eine Rückkehr in die Landesregierung drängen. Mit drei Welschen dürfte ein Sitz für einen Lateiner jedoch auf absehbare Zeit ausser Reichweite sein.

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Aeschi/Parmelin/Gobbi – So sieht das Bundesrats-Ticket der SVP aus
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Eröffnet sich hier eine Chance für Lega-Regierungsrat Norman Gobbi, der im Trio als klarer Aussenseiter gilt? In den Hearings der Fraktionen ist dem eloquenten und mehrsprachigen Tessiner ein starker Auftritt zuzutrauen. Selbst der ehrgeizige CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi, dem Ambitionen auf die Nachfolge von Doris Leuthard nachgesagt werden, will Gobbi unterstützen.

Vorerst aber bleibt Thomas Aeschi der Favorit, allen Vorbehalten zum Trotz.

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