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ARCHIVBILD --- ZUM SORGENBAROMETER 2020 DER CREDIT SUISSE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Medical personnel at work in the intensive care unit of the Sion hospital (Hopital de Sion) during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Sion, Switzerland, Wednesday, April 1, 2020. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ein Blick in die Intensivstation des Spitals Sion (Symbolbild). Bild: keystone

Gesundheitsbranche wehrt sich: «Die Schweiz hat Sars-CoV-2 überhaupt nicht im Griff»

Das Pflegepersonal ist am Anschlag und drei Chefärzte kritisieren die Politik. Wie bedroht ist das Schweizer Gesundheitswesen durch das Coronavirus?



Die Kritik der Chefärzte

Drei Chefärzte in leitender Position in den drei grössten Spitälern des Kantons Zürich wehren sich gegen die aktuelle Corona-Politik des Bundes und der Kantone. Die grundsätzliche Einschätzung zusammengefasst:

«Die Politik hat noch nicht verstanden, wie dramatisch die Situation in den Spitälern ist. Das Gesundheitssystem ist jetzt schon überlastet. Seit Wochen.»

Bei den drei Ärzten handelt es sich um Urs Karrer, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital Winterthur, Professor Huldrych Günthard, stellvertretender Direktor an der Klinik für Infektionskrankheiten am Unispital Zürich und Gerhard Eich, Chef-Infektiologe am Triemli.

Sie meldeten sich diese Woche bei der «NZZ am Sonntag» via Mail. Darin schrieben sie laut einem Bericht der NZZaS: «Wie Sie ja auch gesehen haben, haben wir in der Schweiz Sars-CoV-2 überhaupt nicht im Griff.» Im Unispital Zürich habe man diese Woche neue Rekordzahlen an Covid-Patienten gezählt, «und die Fallzahlen steigen fröhlich weiter. Wir Infektiologen sind äusserst besorgt.»

Die drei Chefärzte wollen gemäss NZZaS die Öffentlichkeit aufrütteln und die Politik an ihre Verantwortung erinnern. Den Bundesrat für das Zögern, Parteien, die sich gegen Schutzmassnahmen stellen und insbesondere auch den Zürcher Regierungsrat.

Ihrer Meinung nach sind die jetzt beschlossenen Massnahmen noch nicht ausreichend. Falls die Fallzahlen schweizweit nicht «rasch» unter 700 pro Tag fallen und die Positivitätsrate unter fünf Prozent sinke, kollabiere das System.

THEMENBILD ZU DEN PROGNOSEN DER KOF UEBER EINFLUSS DER CORONA-PANDEMIE AUF GESUNDHEITSKOSTEN --- Medical workers are monitoring a patient with Covid-19 in the intensive care unit at the the University Hospital (CHUV) during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Lausanne, Switzerland, Friday, November 6, 2020. The number of Covid-19 hospitalisations and capacity continues to be a major concern in Switzerland. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott) Des soignants effectuent des soins sur un patient atteint de Covid-19 dans l'unite des soins intensifs du Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, CHUV, lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le vendredi 6 novembre 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Intensivstation in Lausanne. Bild: keystone

Problematisch sei derzeit vor allem das erschöpfte Personal und Spitalinfektionen. Es sei in letzten Wochen anscheinend in mehreren Spitälern im Kanton Zürich zu Todesfällen gekommen, weil sich Patienten innerhalb des Spitals mit dem Coronavirus infizierten.

«Sie hätten noch ein paar gute Jahre haben können.»

Wütend mache die Ärzte, dass immer wieder auf das hohe Alter der Todesopfer hingewiesen werde. «Dabei sind viele von ihnen im Moment der Erkrankung noch rüstig», sagt beispielsweise Günthard. Und: «Sie hätten noch ein paar gute Jahre haben können.»

Ihr Vorschlag ist eine Verschärfung der Massnahmen, sie nennen einige Forderungen, darunter: Soziale Aktivitäten ausserhalb der Familie sollten untersagt werden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen geschlossen, maximal fünf Personen aus zwei Haushalten bei privaten Besuchen. Ausserdem die Kundenzahl in Läden beschränken.

Und was ist mit der Wirtschaft? Kärrer: «Wir sehen, dass wirtschaftliche Existenzen zugrunde gehen. Das tut weh. Doch Unternehmen können sich erholen, neu aufgebaut werden. Aber die Toten holen wir nicht zurück.»

Pflegepersonal am Anschlag

Auch das Pflegepersonal wehrte sich diese Woche gegen die aktuelle Situation. So hat etwa der Verband des Pflegepersonals dem Bundesrat einen Warnruf geschickt. Viele Pflegende seien bereits jetzt im Dezember am Ende ihrer Kräfte. Bis zum Frühling lasse sich diese Belastung nicht durchhalten.

Das betreffe nicht nur das Personal auf den Intensivstationen sondern alle Pflegenden im Gesundheitsbereich. Das heisst: Im Akutspital, Rehaklinik oder auch in Altersheimen.

Bianca Schaffert-Witvliet, Präsidentin der Ethikkommission des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, sagte gegenüber SRF: «Wenn ich einen Patienten habe, der mir sterbend die Lebensgeschichte erzählen will und ich ihn allein lassen muss, macht mir das Mühe.»

epaselect epa08803907 A medical worker treats a COVID-19 patient in the intensive care unit at the University Hospital (CHUV) in Lausanne, Switzerland, 06 November 2020 (issued 07 November 2020). The number of COVID-19 hospitalisations and capacity continues to be a major concern in Switzerland amid a second wave of SARS-CoV-2 coronavirus sweeping through Europe.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Intensivstation in Lausanne, November 2020. Bild: keystone

Auch die Pflegenden begrüssten zwar die jüngsten Massnahmen des Bundesrates, finden aber, dass diese noch nicht genug weit gehen. Die jetzt implementierten Massnahmen wurden von ihnen bereits im Oktober gefordert. Sie hätten sich diese Woche die Verkündung eines zweiten Lockdowns gewünscht.

Dabei macht nicht nur die hohe Intensivbetten-Belegung Sorge. Epidemiologe Jan Fehr vom Unispital Zürich lenkt die Aufmerksamkeit auch auf andere Faktoren: «Wir müssen beim Gesundheitspersonal ganz genau hinschauen, wer überhaupt noch eingesetzt werden kann, das ist der limitierende Faktor im Alltag.»

Schaffert-Witvliet stimmt zu, die Pflege-Qualität leide durch die konstante Überbelastung. Sollten die Fallzahlen über die Feiertage noch steigen, würden die Konsequenzen wohl verheerend sein. Gegenüber SRF sagt sie: «Alle laufen auf dem Zahnfleisch. Und leider haben wir leider keine Aussicht auf Besserung.»

(jaw)

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