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Audi-Prozess: Ex-Chef Stadler gibt Zeitnot und Stress die Schuld

Audi-Prozess: Ex-Chef Stadler gibt Zeitnot und Stress die Schuld

12.01.2021, 14:5112.01.2021, 14:51
epa08932441 Former CEO of German carmaker Audi AG Rupert Stadler (C) prior the continuation of the criminal trial of the Volkswagen diesel scandal in the courtroom at the Stadelheim prison in Munich,  ...
Rupert Stadler vor GerichtBild: keystone

Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler hat dem Landgericht München am Dienstag einen detaillierten Einblick in die alltägliche Arbeit, den übervollen Kalender und die Zeitnot eines Vorstandsvorsitzenden gegeben.

Die Anklage wirft ihm vor, er hätte es ab September 2015 zumindest für möglich gehalten, dass auch in Europa Dieselautos mit geschönten Abgaswerten verkauft wurden. Trotzdem habe er Produktion und Verkauf gut ein Jahr lang weiterlaufen lassen. Das Landgericht geht nach Aktenlage bisher davon aus, dass Stadler Betrug an den Autokäufern nicht durch aktives Tun, sondern durch Unterlassen anzulasten sei.

Stadler trug der Kammer am Dienstag eine Stunde lang vor, was er als Audi-Vorstandschef und VW-Vorstandsmitglied alles um die Ohren hatte. Bis zu 200 E-Mails täglich an rupert.stadler@audi.de seien bei seinem Sekretariat eingegangen, einen grossen Teil davon habe er nie gesehen. Termine seien ständig verschoben, gekürzt oder abgesagt worden, in seinem Büro in Ingolstadt sei er bestenfalls ein paar Stunden pro Woche gewesen.

Im Jahr hätten ihn höchstens zehn «blaue Meldungen» über Probleme persönlich erreicht. Er habe keine Erinnerung, dass an dem Schadentisch, wo Probleme besprochen wurden, auch er selbst mit dem Problem der Abgasreinigung befasst gewesen sei.

Skandal in USA aufgeflogen

Stadler ist zusammen mit drei ehemals leitenden Motorentwicklern angeklagt. Diese sollen mehr als 400 000 Dieselmotoren ab 2008 so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, auf der Strasse aber mehr Stickoxide ausstossen. Stadler soll erst nach Aufdeckung des Skandals durch die US-Umweltbehörde im September 2015 von der Sache erfahren, aber Produktion und Verkauf manipulierter Autos in Europa erst im Januar 2018 gestoppt haben.

Seine Anwältin Ulrike Thole sagte am Dienstag, die Anklage sei «wenig konturiert». Der Anwalt des angeklagten Ingenieurs Giovanni P. warf dem Gericht vor, trotz Corona-Pandemie den Prozess weiterzuführen, sei unverantwortlich und gefährlich. Er dürfe so nicht länger stattfinden. Der Vorsitzende Richter sagte, der Saal in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entspreche allen Anforderungen. (aeg/sda/awp/dpa)

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