Buckelwal «Timmy»: Konvoi am Morgen weiterhin auf Kurs in der Nordsee
Der Schlepper, die sogenannte Barge mit dem Wal sowie das Begleitschiff fuhren weiterhin nördlich der nördlichsten Spitze Dänemarks in Richtung Norwegen, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war.
Die Freisetzung des Wals sollte an einem öffentlich nicht bekannten Ort in der Nordsee erfolgen. Zum Einbruch der Dunkelheit am Freitagabend befand sich das Tier noch in der Barge – einem Lastkahn ohne eigenen Antrieb, der von dem Schlepper gezogen wird.
Der Konvoi hatte am Freitagmorgen unmittelbar am Übergang zwischen Ost- und Nordsee wegen des hohen Wellengangs den Kurs ändern müssen und war zunächst zurück Richtung Süden gefahren. Das Absperrnetz an der Barge wurde in diesem Zeitraum entfernt, freigesetzt wurde der Wal jedoch nicht. Am Nachmittag konnte der Kurs Richtung Norden wieder aufgenommen werden, in den folgenden Stunden passierten die Schiffe den Übergang von Ost- zu Nordsee auf der Höhe der dänischen Stadt Skagen.
Mitglieder der verantwortlichen privaten Initiative hatten am Freitagmittag bekräftigt, dass jeder Kilometer Richtung Nordsee zähle. Der rund zwölf Meter lange Buckelwal hatte vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar gelegen. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen versuchte die private Initiative seit Mitte April, den Wal zu bergen, um ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.
Am vergangenen Dienstag war es gelungen, den wochenlang an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal in die Barge zu bugsieren. Dieses mit Wasser gefüllte Lastschiff wird von dem Mehrzweckschiff «Fortuna B» gezogen.
Wochenlange Strandung, umstrittene Rettungsaktion
Der etwa vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. Rund zwei Drittel der folgenden 60 Tage verbrachte er in Flachwasserzonen – zuletzt vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar. Am Dienstag wurde der rund zwölf Meter lange und geschwächte Wal in die wassergefüllte Stahlbarge bugsiert und seither in Richtung Nordsee transportiert.
Die private Initiative handelte dabei gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen. Auch die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte sich gegen den Transport ausgesprochen. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) wies darauf hin, dass die Missachtung solcher Empfehlungen «politisch und rechtlich problematisch» sein könne.
Kaum Chancen auf Auffangstation
Die private Initiative hatte als Plan B eine Auffangstation ins Gespräch gebracht, falls der Wal zu schwach für die Freilassung sein sollte. Laut WDC gibt es in Europa zwar Stationen für Kleinwale – Einrichtungen mit Kapazitäten und Erfahrung für einen Buckelwal dieser Grösse seien jedoch «weder in Europa noch weltweit bekannt». Generell würden Grosswale nicht in menschliche Obhut gebracht. WDC betonte zudem, dass Tiere, die einmal in Gefangenschaft kämen, in den meisten bekannten Fällen nicht mehr ausgewildert werden könnten.
Meeresbiologe Fabian Ritter hatte zudem Zweifel geäussert, ob der Wal nach der langen Liegezeit noch normal schwimmen und tauchen könne. In seinem Maul wurden Netzteile gefunden, was auch die Nahrungsaufnahme beeinträchtige.
Dänemark hilft nicht
Sollte «Timmy» nach der Freilassung erneut stranden, wäre in Dänemark keine Hilfe zu erwarten. Das dänische Umweltministerium teilte mit, gestrandete Meeressäugetiere grundsätzlich nicht zu retten. Strandungen seien «ein natürlich vorkommendes Phänomen», in das nicht eingegriffen werden solle. (mke/sda/dpa)
