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Trainer Zeidler und einige St.Galler Spieler nach der Niederlage am Sonntag gegen Basel.
Trainer Zeidler und einige St.Galler Spieler nach der Niederlage am Sonntag gegen Basel.
Bild: KEYSTONE
Analyse

Willkommen im Abstiegskampf – die 6 grossen Baustellen des FCSG

Fünf Runden vor dem Saisonende hat es der FC St.Gallen noch in den eigenen Füssen, der Barrage zu entgehen. Die Formkurve zeigt indes nach unten – es gibt im Verein zu viele Baustellen. Einige davon sind hausgemacht.
30.04.2019, 11:43
Patricia Loher, christian brägger / CH Media

Nach der 0:3-Niederlage gegen Basel ist St.Gallen zurück im Abstiegskampf. Vor dem möglicherweise vorentscheidenden Auswärtsspiel bei den letztklassierten Grasshoppers am Samstag beträgt der Vorsprung auf den Barrage-Rang noch drei Punkte.

Stürzt St.Gallen etwa noch in die Barrage?

St.Gallen ist aber nicht allein wegen der Heimniederlage gegen Basel in diese prekäre Lage geraten, die Baisse begann bereits im November; nach dem Auswärtssieg beim FC Sion gewannen die Ostschweizer in 18 Partien noch viermal, dreimal gegen Xamax und einmal gegen Zürich. Trainer Peter Zeidler hat einige Baustellen zu beheben – und muss in diesen Tagen seine Krisenresistenz unter Beweis stellen.

Das Zeidler-System

Bild: KEYSTONE

Es waren grosse Ziele, die St.Gallen mit dem neuen Trainer Zeidler verfolgte. Ein neues System, eine offensive, wuchtige Ausrichtung mit hohem Pressing und Gegenpressing. Allein, vom Hurra-Fussball ist wenig übrig geblieben, die Gegner haben sich eingestellt auf den FC St.Gallen, der von der Anlage her mehr oder weniger Spiel für Spiel gleich auftritt und dabei in der Defensive weiter anfällig ist. Auch weil die Ostschweizer dem pragmatischen Fussball abgeschworen haben, sind sie berechenbar.

Die Frage ist, ob Zeidler über seinen Schatten springen und GC taktisch überraschen kann. Das war gegen diesen Gegner in der Vorrunde der Fall, als Tranquillo Barnetta eingewechselt wurde. Und zweimal traf.

Rotationen ohne Ende

Bild: KEYSTONE

Milan Vilotic war zu Beginn der Saison gesetzt. Dann war er weg vom Fenster, und jetzt ist er mit seiner Routine Gold wert. Man könnte Yannis Tafer nennen, der einmal drinnen und dann wieder völlig draussen ist. Das schafft Unsicherheit, vielleicht reagieren die Profis auch deswegen dünnhäutig auf kritische Fragen nach den Spielen. Und nicht nur sie. Überdies offenbart Zeidlers Rotationsprinzip eine fehlende Hierarchie hinter den fünf, sechs «topgesetzten» Spielern.

Sutter, das Mastermind

Sutter (rechts) mit Präsident Matthias Hüppi.
Sutter (rechts) mit Präsident Matthias Hüppi.
Bild: KEYSTONE

Das fällt dann auch auf Alain Sutter zurück, als Sportchef das Mastermind des FC St.Gallen. Das Kader wirkt wild aus nah und fern zusammengekauft, es gibt keine Achse, bestehend aus Routiniers, zu viele sind auf dem gleichen Niveau und damit austauschbar. Zudem fehlt ein Puncher, körperlich machen die Ostschweizer keinem Gegner Angst.

Natürlich, Sutter war bei seinem Amtsantritt im Januar 2018 unter Zeitdruck, was nicht vergessen werden darf. Aber in solch heiklen Phasen gäbe es im Prinzip nur den einen Modus: Jeder muss sich für «grün-weiss» zerreissen, mit bedingungsloser Leidenschaft. Nur, es laufen über zehn Verträge aus, niemand weiss, wer bleibt, wer geht. Das schafft Verunsicherung – und wirkt sich auf die Leistungen aus. Sutter sagt zwar, er habe einen klaren Plan, und intern sagen sie, sie würden diesen klaren Plan kennen. Es darf gezweifelt werden. Nicht förderlich für das Mannschaftsgefüge waren zudem die Personalentscheide um Roman Buess, Andreas Wittwer, Alain Wiss und Barnetta sowie der Gerichtsfall Nassim Ben Khalifa.

Abhängigkeit von Sierro

Bild: KEYSTONE

Schon in der Vorrunde und speziell nach der Verletzung von Cedric Itten im September war offensichtlich, wie sehr der FC St.Gallen von Mittelfeldspieler Vincent Sierro abhängig ist. Der Walliser war die Lebensversicherung, er traf und bestimmte den Takt. Die Lücke, die der Leihspieler des SC Freiburg im Sommer hinterlassen wird, bereitete bereits im Herbst Kopfzerbrechen. Früher als erwartet hat der Club schon in den vergangenen Wochen erkennen müssen, dass er zu sehr angewiesen war auf Sierro, der auch für ein gradliniges Spiel stand. Der 23-Jährige ist seit der Winterpause in einem Formtief – und St.Gallen traf in 13 Partien nur noch 14-mal.

Fehlende Durchschlagskraft

Bild: KEYSTONE

Die Ostschweizer kombinieren sich teilweise ansehnlich bis an den Sechzehnmeterraum. Weil sich der Gegner dann aber bereits wieder formiert hat, ist der Aufwand immens, um zu Chancen zu kommen. Zudem ist vieles, das im Mittelfeld passiert, schön anzusehen – aber oftmals ist es halt nur für die Galerie. Die letzten und entscheidenden Pässe kommen nicht an in der Zone, in der es gefährlich wird.

Stellvertretend könnte man hier Majeed Ashimeru (Bild) nennen. Der 21-jährige Ghanaer ist zweifellos einer der talentiertesten St.Galler. Es ist beeindruckend, welches Tempo er mit dem Ball am Fuss entwickeln kann. Am Ende aber ist Ashimeru, der im Sommer wieder zu seinem Besitzerklub Salzburg zurückkehrt, ein Sinnbild für die Wirkungslosigkeit des FC St.Gallen dieser Tage. In den letzten fünf Spielen gelang dem feingliedrigen Mittelfeldspieler weder eine Vorlage noch ein Tor.

Heimschwäche

Bild: KEYSTONE

St.Gallen hat seit dem 3. März und dem 3:0-Sieg gegen Xamax von vier Heimspielen drei verloren und einmal unentschieden gespielt. Bitter war vor allem die Niederlage im Jubiläumsspiel gegen Luzern vor ausverkauften Rängen. Insgesamt gab es unter Zeidler in 16 Heimspielen nur gerade sechs Siege, das macht im Schnitt pro Partie 1,25 Punkte; zu wenig für einen Club, der sich seit Jahren immer wieder zum Ziel setzt, eine Heimmacht werden zu wollen. Dieses Manko hängt auch mit dem Selbstvertrauen zusammen, das in den vergangenen Wochen offensichtlich immer kleiner geworden ist. St.Gallen muss nun vor allem mental wieder auf die Beine kommen und den Abstiegskampf annehmen, um zu bestehen.

Stadion am Tag des Barrage-Hinspiels besetzt
Rein schon aus sportlicher Sicht sollten die St.Galler den schwierigen Gang in die Barrage vermeiden. Auch organisatorisch fordert das mögliche Duell gegen den Zweiten der Challenge League die Ostschweizer aber heraus. Der Grund: Das Barrage-Hinspiel, in welchem der Super-League-Vertreter Heimrecht geniesst, findet am Auffahrtsdonnerstag, 30. Mai, um 19 Uhr statt. Zu einem Zeitpunkt also, an dem sowohl der Innen- als auch der Aussenbereich des Kybunparks durch den Auffahrtslauf belegt sind. Bereits finden Gespräche zwischen Liga und Klub statt, um eine Lösung für das allfällige Terminproblem zu haben.
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Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000

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