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«Frau Fehr, seien Sie nicht wie Trump» – Covid-Knatsch um Zürcher Regierungsrätin

24.08.2020, 07:2824.08.2020, 13:27

Wie geht's weiter mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie in der Schweiz? Seit der Bundesrat die Kontrolle wieder den Kantonen übergab, ist die Strategie nicht mehr so einheitlich.

Das zeigt sich aktuell an der Diskussion über eine Maskenpflicht in Läden oder generell in Innenräumen. Vier Westschweizer Kantone – Genf, Waadt, Jura und Neuenburg – führten sie schon ein, ab heute Montag gilt sie auch für den Kanton Basel-Stadt.

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Am Wochenende kam die Diskussion darüber auch in Zürich auf. SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch etwa sagte in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag», dass sie dafür sei.

Nur scheint man im Zürcher Regierungsrat (der darüber verfügen würden) nicht sonderlich angetan von der Idee einer Maskenpflicht.

Braucht es eine Maskenpflicht in den Läden?

Ein Tweet der SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr etwa machte am Wochenende auf Twitter die Runde. Sie postete eine Grafik der Zürcher Zahlen und kommentierte dazu: «Die wichtigste Grafik für die Risikoeinschätzung.» Die Zahlen der Hospitalisierten und Beatmeten seien derzeit sehr tief im Kanton Zürich, ergo nicht so hohes Risiko.

Als es darauf sehr viele kritische Reaktionen gab, die etwa einwendeten, dass die derzeitige Lage kaum als Risikoeinschätzung für die Zukunft diene, präzisierte Fehr.

«Hospitalisierung sehr tief, Reproduktionsfaktor <1, Risiko, durch Covid gesundheitl Schäden zu erleiden, AKTUELL sehr tief. Rechtfertigt das JETZT Grundrechtseingriffe?», schrieb sie auf Twitter. Vielleicht sehe es im Winter anders aus, dann seien weiterführende Massnahmen «vielleicht» gerechtfertigt.

Experten schalten sich ein

Fehrs Ausführungen liessen manch Experten den Kopf schütteln. So etwa Adriano Aguzzi, Direktor des Instituts für Neuropathologie am Unispital Zürich, der sich direkt via Twitter meldete: «Frau Fehr, Sie liegen wirklich falsch», schrieb er. Sie solle doch auf die Experten hören, und: «Seien Sie nicht wie Trump!»

Auch Christian Althaus, Epidemiologe und Mitglied der vom Bundesrat einberufenen wissenschaftlichen Covid-19-Task-Force, meldete sich direkt via Twitter: «Interessant. Da weiss Jacqueline Fehr offenbar mehr als die über 60 WissenschaftlerInnen umfassende Task Force.»

Diese habe in einem ihrer Policy Briefs erläutert, dass das Tragen einer Schutzmaske das Risiko vermindere, andere und sich selber anzustecken: «Die Maskenpflicht sollte dann gelten, wenn das Einhalten der nötigen körperlichen Distanz und die Kontaktverfolgung nicht gewährleistet werden können, insbesondere in Innenräumen.» Und weiter: «Aufgrund der Übertragung durch schwebende mikroskopische Tröpfchen ist diese Massnahme für Innenräume und insbesondere für den öffentlichen Verkehr zwingend.»

Fehr hat noch nicht genug

Fehr zeigt sich von den Antworten unbeeindruckt. Sie antwortet auf Althaus' Spitze, dass man vieles wieder verbieten müsste, wenn man die Zahlen runter bringe wolle. Masken seien zwar nett, die Wirkung würde aber neutralisiert durch sorgloses Verhalten. Und weiter: «Nicht fehlende Masken sind Challenge, sondern fehlende Angst.»

Althaus wendet dagegen ein: «Kontrollieren heisst stabilisieren. Von Zahlen runter bringen spreche ich derzeit nicht.» Er verweist ausserdem auf die erfolgreichen Eindämmungsstrategien anderer Länder mit Maskenpflicht.

Danach versandet die Diskussion zwischen Fehr und Althaus. Erstere bleibt aber dabei: «Wissen tun wir praktisch nichts.» Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien alle nur vorläufig, deshalb störe sie sich an «Behauptungen», die keinen Widerspruch dulden würden, und «das so tun als habe man die Wahrheit gefunden.»

Fertig diskutiert? Ziemlich sicher nicht. Denn Fehr pfusche mit ihren Äusserungen der Zürcher SVP-Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli gemäss Onlineportal «Nau» ins Dossier. Rickli sei für mehr Massnahmen, der Rest des Regierungsrats aber dagegen. (jaw)

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