DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wahlen in Frankreich: Front National erleidet Schlappe – Sarkozys bürgerliches Bündnis gewinnt

13.12.2015, 20:1014.12.2015, 08:26
Alles Fahnenschwingen hat nichts genützt: Der rechtsextreme Front National geht bei den Regionalwahlen leer aus.<br data-editable="remove">
Alles Fahnenschwingen hat nichts genützt: Der rechtsextreme Front National geht bei den Regionalwahlen leer aus.
Bild: YVES HERMAN/REUTERS

Am vergangenen Wochenende hat der rechtsextreme Front National einen beispiellosen Triumph errungen, gestern, bei der zweiten Runde der Regionalwahlen, hat es für die Partei der Populistin Marine Le Pen nur zum dritten Platz gereicht. Der Front National hat Hochrechnungen zufolge in keiner einzigen Region gewonnen. Das ermittelten mehrere Meinungsforschungsinstitute übereinstimmend.

Marine Le Pen, Parteichefin des Front National, nach Bekanntgabe des Resultats.<br data-editable="remove">
Marine Le Pen, Parteichefin des Front National, nach Bekanntgabe des Resultats.
Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Unter anderem unterlag Parteichefin Marine Le Pen in Nordfrankreich beim zweiten Wahlgang am Sonntag mit 42 bis 43 Prozent ihrem konservativen Gegner Xavier Bertrand. Ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen unterlag in Südfrankreich ebenfalls deutlich dem konservativen Kandidaten. Die 26-jährige Nachwuchshoffnung des FN kam gegen den konservativen Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, den Hochrechnungen zufolge auf rund 45 Prozent.

Sehr eng war das Rennen aber in der ostfranzösischen Region Burgund-Franche-Comté. Dort lag die FN-Kandidatin den Angaben zufolge nur knapp hinter Sozialisten und Konservativen.

Das konservativ-bürgerliche Lager um Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy konnte den Hochrechnungen zufolge in mindestens fünf der 13 französischen Regionen gewinnen. Die Sozialisten von Präsident François Hollande und verbündete Linksparteien gewannen den Hochrechnungen zufolge mindestens vier Regionen.

Ex-Staatschef Sarkozy bei der Stimmabgabe: Sein Wahlbündnis konnte die Regionalwahlen für sich entscheiden.<br data-editable="remove">
Ex-Staatschef Sarkozy bei der Stimmabgabe: Sein Wahlbündnis konnte die Regionalwahlen für sich entscheiden.
Bild: PHILIPPE WOJAZER/REUTERS
«Keine Erleichterung, kein Triumphgefühl. Die Gefahr der Rechtsextremen ist noch nicht gebannt.»
Premier Manuel Valls

In der ersten Wahlrunde vor einer Woche war der Front National noch mit landesweit 28 Prozent stärkste Kraft geworden und in sechs der 13 Regionen vorne gelandet.

Linke wählen konservative Kandidaten

Le Pen und Maréchal-Le Pen waren in der ersten Wahlrunde in ihren Regionen klar vorne gelandet. Für den zweiten Wahlgang zogen aber die Sozialisten in diesen beiden Regionen ihre Wahllisten zurück und riefen zur Wahl der konservativen Kandidaten auf – um dem FN den Weg zu einem Sieg zu verbauen.

«Nichts wird uns aufhalten können.»
Marine Le Pen

Der sozialistische Premierminister Manuel Valls dankte den linken Wählern am Sonntagabend, eine «Sperre» gegen die Rechtsextremen errichtet zu haben. Er mahnte zugleich: «Keine Erleichterung, kein Triumphgefühl. Die Gefahr der Rechtsextremen ist noch nicht gebannt.»

Bereits bei den Départementswahlen im März hatte der Front National im ersten Wahlgang mit 25,24 Prozent ein sehr starkes Wahlergebnis eingefahren, im zweiten Wahlgang aber in keinem Département eine Mehrheit bekommen. Le Pen gab sich am Sonntagabend aber kämpferisch: «Nichts wird uns aufhalten können.»

Die FN-Chefin hat bereits die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 im Blick, wo sie Umfragen zufolge mindestens in die Stichwahl einziehen könnte. Die Regionalwahlen sind der letzte grosse Urnengang vor den Präsidentschaftswahlen und gelten deswegen als wichtiges Stimmungsbarometer.

Sozialisten und Konservative ebenbürtig

Sarkozys konservativ-bürgerliches Lager gewann den Hochrechnungen zufolge mindestens fünf Regionen: Neben Nord-Pas-de-Calais-Picardie und Provence-Alpes-Côte d'Azur auch die Regionen Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen, wo der FN ebenfalls gute Chancen hatte, Auvergne-Rhône-Alpes und Pays de la Loire.

Die Linke gewann mindestens die Regionen Bretagne, Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes, Languedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées, Centre undBurgund-Franche-Comté.

Offen war der Ausgang der Wahl zunächst in der Hauptstadtregion Ile-de-France und in der Normandie, wo ein sehr enges Rennen zwischen dem sozialistischen Kandidaten und der konservativen Kandidatin vorhergesagt worden war. In Korsika gewannen die Nationalisten. (wst/sda)

Mehr Informationen folgen in Kürze.

Marion Maréchal-Le Pen: Nachwuchsstar der Rechtsextremen in Frankreich

1 / 8
Marion Maréchal-Le Pen: Nachwuchsstar der Rechtsextremen in Frankreich
quelle: x00222 / robert pratta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
Schriftsteller Alex Capus: «Die SP ist zur Partei der Besitzstandswahrung geworden»
Alex Capus gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Gegenwartsautoren. Der 61-Jährige war ein paar Jahre SP-Präsident in Olten, bezeichnet sich aber auch als liberal. Im Interview sagt er, warum er sich in Russland getäuscht hat, wieso er und seine Söhne für Emmanuel Macron gestimmt haben – und warum er keine 1. August-Rede halten mag.

Alex Capus ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Gastronom, und so treffen wir ihn in seiner «Galicia»-Bar in Olten, unweit des Bahnhofs. «Mineral, Kaffee, Gin Tonic?», fragt uns Capus. Es ist 10 Uhr, die Bar öffnet erst nachmittags, wir entscheiden uns für Mineral. Zuerst beendet er noch die Partie Billard - die gehört zum Morgenritual in seiner Bar.

Zur Story